Zertifikat Interdisziplinäre Geschlechterstudien/ gender studies

Info zum Zertifikat

Das Zertifikat bleibt weiterhin gebührenfrei. Ab dem Sommersemester 2012 entfällt die Einschreibung für diejenigen, die das Zertifikat neu beginnen. Um eine kurze E-mail an cepoguni-trierde bei Beginn des Zertifikatstudiums wird gebeten.

 

Seit dem Wintersemester 2001/2002 ermöglicht die Universität Trier den Studierenden, das Zertifikat Interdisziplinäre Geschlechterstudien / gender studies zu erwerben. Dabei handelt es sich um eine Zusatzqualifikation, die studienbegleitend zusammen mit dem ersten Hochschulabschluss erlangt werden kann. Getragen von elf Fächern aus fünf Fachbereichen ist das Zertifikat dezidiert interdisziplinär ausgerichtet.

Das Zertifikat  "Interdisziplinäre Geschlechterstudien" wurde inzwischen der Struktur der neuen Studiengängen (Bachelor und Master) angepasst.  Es gilt  eine neue Studienordnung. Die Möglichkeit, das Zertifikat nach der alten Studienordnung zu absolvieren, läuft mit dem Ende des Wintersemesters 2014/15 aus.

Wenn Sie sich für das Zusatzzertifikat interessieren, wenden Sie sich bitte an uns in der Koordinationsstelle des CePoG. Gerne beraten wir Sie zu den Studienanforderungen und beantworten Ihre Fragen zu Organisation und Inhalten des Zertifikats.

Bitte beachten Sie: Zum Zertifikat gehört auch das Einführungsmodul „Einführung in die Gender Studies und Interkulturalitätsforschung“, das aus einer Vorlesung und einem Lektürekurs besteht und das als Pflichtmodul für das Zertifikat belegt werden muss. Dieses Einführungsmodul wird immer im Wintersemester angeboten!

 

Informationen zum Lehrangebot des Zertifikats finden Sie hier.

Diskussionen, Vorträge und Tagungen zu Themen der Gender Studies, die über das Lehrprogramm herausgehen, werden seit Mai 2005 unter dem Dach des Centrums für Postcolonial und Gender Studies (CePoG) gebündelt. Für weitere Fragen können Sie sich gerne an die Koordinationsstelle für Postcolonial und Gender Studies wenden.


Bei Fragen zum Studium des Zertifikats für Interdisziplinäre Geschlechterstudien können Sie sich jederzeit per E-mail an das CePoG wenden.

 

Zum Hintergrund

Seit den achtziger Jahren haben sich an vielen deutschen Hochschulen Frauen- und Geschlechterstudien etablieren können. Merkmale dieser Forschung, die der zweiten Frauenbewegung wesentliche Impulse verdankt, sind ihr anhaltendes Interesse an gesellschaftlicher Veränderung mit Hilfe von Wissenschaftskritik und kritischer Wissenschaft, an inter- und transdisziplinärer Zusammenarbeit sowie an der Analyse von Strukturen, die aus Stereotypisierungen und Diskriminierungen qua "Rasse" bzw. Ethnizität, Klasse, Stand, Nation, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung etc. entstehen.
Zwischen Frauenförderung und Frauen- bzw. Genderforschung gab es dabei stets eine Wechselbeziehung, die sich in ihren Grundzügen kurz umschreiben lässt: Erste erschöpft sich nicht in Stellenpolitik, sondern unterstützt die Umstrukturierung des Themen- und Fächerkanons an den Hochschulen, in deren Rahmen die Geschlechterforschung in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. Der Frauenforschung wiederum verdanken wir die Grundlagen, auf deren Basis heute unter weiter gefassten Begriffen wie "gender studies" bzw. "Geschlechterstudien" nicht nur neue Perspektiven für Wissenschaft und Forschung erschlossen werden, sondern auch Bildungsziele formuliert werden, die über ihre hochschul- und arbeitsmarktpolitische Bedeutung hinaus gesamtgesellschaftliche Relevanz besitzen.
Vor diesem Hintergrund bietet die Universität Trier den Studierenden die Möglichkeit einer studienbegleitenden Zusatzqualifikation: Das Zertifikat Interdisziplinäre Gechlechterstudien / gender studies.

Die Schwerpunkte des Zertifikates

Das Zertifikat Interdisziplinäre Geschlechterstudien gründet sich im Wesentlichen auf drei Schwerpunkte der Genderforschung:

I. Theorien der Frauen- /Geschlechterforschung

Ein Grossteil der bekannten Wissenssysteme ist nicht nur weitgehend unter Ausschluss von Frauen entstanden, sondern arbeitet Sichtweisen zu, die das "Weibliche" als das "Andere" der "herrschenden Vernunft" interpretieren und definieren. Zwar haben machtpolitisch motivierte Exklusionsmechanismen immer wieder institutionsbildend wirken können, zugleich jedoch zu einer erheblichen Beschränkung des Horizontes und der Potentiale von Wissenschaft geführt. Frauen- und Geschlechterforschung liefern daher wichtige Impulse, indem sie zur Entwicklung neuer Fragestellungen und Methoden beitragen. Darüber hinaus geht es aus feministischer Perspektive aber auch immer wieder um eine grundsätzliche Wissenschaftskritik, die den Kanon der Theoriebildung selbst in Frage stellt.

II. Geschlecht als historische Kategorie

"Männlichkeit" und "Weiblichkeit" sind keineswegs "natürliche" Gegebenheiten. Vielmehr sind unsere Vorstellungen von "Männlichkeit" und "Weiblichkeit" wie auch die qualitativen Zuschreibungen, mit denen wir diese Begriffe verknüpfen, historisch entstanden und daher auch veränderbar. Ein Verständnis hierfür vermittelt die Untersuchung von Geschlecht als einer historischen Kategorie, indem sie einerseits Geschlechterkulturen unterschiedlicher Epochen und Gesellschaften fokussiert sowie andererseits vergleichende Perspektiven ermöglicht, die den Blick auf die Geschichte für die Gegenwart fruchtbar machen.

III. Geschlecht als soziokulturelle Konstruktion

Unser Alltag ist, bewusst oder unbewusst, von geschlechtsspezifischen Normierungen geprägt: "Doing gender" bedeutet, dass "Geschlecht" beständig kommunikativ, medial und performativ konstruiert und reproduziert wird. Um so wichtiger ist es, die diesen Prozessen zugrunde liegenden Mechanismen zu erkennen und zu benennen. Auf diese Weise können historisch und kulturell vermittelte Vorstellungen von "Männlichkeit" und "Weiblichkeit" analysiert und die auf ihnen errichteten Geschlechterhierarchien hinterfragt werden. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Kategorie Geschlecht führt damit zu einer Reflexion gesellschaftlicher und kultureller Prozesse, die ihrerseits auch für die Alltagspraxis zukunftsweisende Perspektiven eröffnen kann.

Assoziierte Fächer

Bisher beteiligen sich folgende Fächer mit einem Angebot zertifikatsrelevanter Lehrveranstaltungen:

FB I: Pädagogik

FB II: Germanistik, Anglistik, Romanistik, Japanologie, Medienwissenschaft

FB III: Geschichte, Kunstgeschichte

FB IV: Soziologie, Ethnologie

FB VI: Geographie/Geowissenschaften

 

Vortragsreihe Wintersemester 2015/16 - "Kulturen und Politiken der Sinneswahrnehmung"

Öffentliche Vortragsreihe des Centrums für Postcolonial und Gender Studies (CePoG) der Universität Trier

Wintersemester 2015/16                                                                                                                          [18.12.2015 - 12.01.2016]

Veranstaltungsorganisation: Jun.-Prof. Dr. Franziska Bergmann

"Kulturen und Politiken der Sinneswahrnehmung"

Sehen, Schmecken, Riechen, Hören und Fühlen stellen nicht nur Forschungsgegenstände der Biologie und Psychologie dar, sondern wurden in den vergangenen Jahren zunehmend auch von den Kulturwissenschaften in den Blick genommen. Angestoßen durch das im angloamerikanischen Raum bereits etablierte interdisziplinäre Feld der Sensory Studies, dessen wesentliche Impulsgeber die Ethnologie und Anthropologie sind, folgen neuere Forschungen zur Sinneswahrnehmung überwiegend einem konstruktivistischen Ansatz und gehen von der soziokulturellen Verfasstheit des Sensorischen aus. Auf Grundlage dieser Neuperspektivierung lassen sich Sinneswahrnehmungen als ein Phänomen beschreiben, das über eine Historie verfügt und als Politikum stets divergierenden Machtstrukturen unterworfen ist.

 

In Westeuropa sind beispielsweise Fragen danach, wer Wahrnehmungssubjekt bzw. Wahrnehmungsobjekt ist, wer wen wie anschauen darf, wer wie riecht, wem erlaubt ist, sein Gegenüber zu berühren oder in welcher Weise wessen äußeres Erscheinungsbild gestaltet sein soll, Bestandteil einer entlang geschlechtlicher und ethnisierter Identitätsgrenzen organisierten Geschichte der Sinne. Dass Geschlecht und Ethnizität dabei stets auf komplexe Weise miteinander verschränkt sind, zeigt sich unter anderem in einer spezifischen Codierung des Blicks, wird doch seit der Aufklärung die mit Autorität, Macht und Erkenntnis assoziierte Position des Betrachters vorzugsweise als europäisch-männliche Position entworfen. In der Geschichte des Olfaktorischen findet sich ebenfalls ein aufschlussreiches Beispiel, anhand dessen sich der Zusammenhang zwischen Sinneswahrnehmung, Geschlecht und Ethnizität deutlich machen lässt. So konnten Sander Gilman zufolge medizinische und anthropologische Diskurse um 1900 Frauen und Juden einen strukturell homologen Ort innerhalb der europäischen Wissensordnung zuweisen, indem weibliche und jüdische Körper gleichermaßen aufgrund ihres vermeintlich unangenehmen Geruchs als krankhaft und minderwertig markiert wurden.

 

Die Vortragsreihe wird vor diesem Hintergrund Ansätze aus dem Bereich der Genderforschung und der Critical Race Studies mit Perspektiven der Sensory Studies in einen fruchtbaren Dialog bringen, um zu fragen, wie Konstruktionen geschlechtlicher und ethnisierter Identität an die Regulierung und die Semantisierung des Sensorischen gekoppelt sind.

 

Terminübersicht

 

Mittwoch, 18. November 2015, Raum A 7, 18 Uhr c. t.

Prof. Dr. Robert Jütte (Stuttgart)

Die fünf Sinne und die Folgen der industriellen

Revolution. Der Einfluss der Urbanisierung

und Technisierung auf die sinnliche Wahrnehmung

 

Mittwoch, 16. Dezember 2015, Raum A 7, 18 Uhr c. t.

Jun.-Prof. Dr. Thomas Wortmann (Mannheim)

Bagdad, Blicke. Visualität und

Geschlechterkonfigurationen

in Kathryn Bigelows Hurt Locker

 

Dienstag, 12. Januar 2016, Raum A 11, 18 Uhr c. t.

Jun.-Prof. Dr. Jenny Schrödl (Berlin)

Politiken des Akustischen in Theater und Performance

 

Interessierte Zuhörer*innen sind herzlich willkommen!

 

Kontakt:

Jun.-Prof. Dr. Franziska Bergmann

Universität Trier


FB II Germanistik


Neuere deutsche Literaturwissenschaft


D-54286 Trier


bergmannf@uni-trier.de

www.uni-trier.de/index.php

 

Broschüre zur Forschung

Broschüre zur Forschung
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Kontakt

Kontakt

Koordinationsstelle für
Postcolonial und
Gender Studies [CePoG]

Dr. Elisa Müller-Adams
Raum A 435

Tel.: 0651/201-2121
E-Mail: cepoguni-trierde

Sprechstunde: nach Vereinbarung