Integriertes Monitoring von Singvogelpopulationen (IMS)

Das Integrierte Monitoring von Singvogelpopulationen (IMS) wurde 1999 von den drei deutschen Vogelwarten Radolfzell, Helgoland und Hiddensee und dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) ins Leben gerufen. Nach dem Vorbild der in Großbritannien und anderen Ländern etablierten sogenannten Constant Effort Sites (CES) werden im Rahmen des IMS in ganz Deutschland nach standardisierten Erfassungsmethoden während der Brutzeit Daten zur Bestandsdynamik von Singvogelarten erhoben. Basierend auf diesen Langzeitdaten können wichtige Populationsparameter wie Reproduktionserfolg, Überlebensrate oder Lebensalter berechnet werden, um großräumige Bestandsrückgänge oder -zunahmen in Singvogelpopulationen frühzeitig erkennen und deren Ursachen verstehen zu können (vgl. Baillie 1990, Bairlein et al. 2000, Köppen 2003). Damit ein lokales Monitoringgebiet am bundesweiten IMS-Programm teilnehmen kann, müssen dort über einen Zeitraum von mindestens fünf aufeinanderfolgenden Untersuchungsjahren nach den strengen Vorgaben des IMS Daten erhoben werden. Verteilt über ganz Deutschland gehören bis dato (Stand: 2012) ca. 90 verschiedene Fangstationen zum Netzwerk des Integrierten Singvogelmonitorings.

Foto 1: Nicht für den Kochtopf, sondern für die Wissenschaft! Dieses Rotkehlchen wurde - wie hunderte andere Vögel im Brettenbachtal auch – auf schonende Weise mit langen, aufgespannten Nylonnetzen gefangen und nach seiner Beringung unbeschadet wieder frei gelassen. Bei späteren Wiederfängen kann es aufgrund seiner individuellen Ringnummer zweifelsfrei identifiziert werden (Foto: Hilger Lemke).

Auch die Abteilung Biogeographie der Universität Trier beteiligt sich seit der Brutsaison 2007 mit dem Standort "Trier-Brettenbachtal" aktiv am IMS in Deutschland. Das Untersuchungsgebiet liegt in einer zwar stadtnahen, aber trotzdem sehr abwechslungsreichen halboffenen Gebüschlandschaft mit eingestreuten Obstbäumen und kleinen Waldparzellen, die einer vielfältigen Avifauna Lebensraum bietet. Jedes Jahr werden im Brettenbachtal zwischen Anfang Mai und Ende August an 12 Terminen mit so genannten Japannetzen (feinmaschige Nylonnetze) jeweils ab Sonnenaufgang sechs Stunden lang Singvögel gefangen, beringt, vermessen und anschließend sofort wieder frei gelassen. Dafür kommen in dem etwa 15 ha großen Untersuchungsgebiet insgesamt 12 Netze à 9 m Länge und ca. 3 .m Höhe zum Einsatz, deren Standorte seit Beginn des Projekts nicht verändert wurden.

Foto 2: Ein eher seltener Fang im Brettenbachtal: Der Stieglitz oder Distelfink (Foto: Jan Engler)

Seit der Brutsaison 2007 wurden im Brettenbachtal insgesamt 2436 Vögel aus über 40 Vogelarten gefangen (Stand: 2012). Die fünf häufigsten Vogelarten Kohlmeise, Mönchsgrasmücke, Rotkehlchen, Amsel und Blaumeise machen dabei bereits zwei Drittel aller Fänglinge aus. Weitere 15 Vogelarten - darunter Arten wie Klappergrasmücke, Heckenbraunelle, Zaunkönig Zilpzalp oder Fitis - werden in deutlich geringeren Zahlen, aber immer noch sehr regelmäßig im Brettenbachtal gefangen. Eine dritte Gruppe, bestehend aus Vogelarten wie Nachtigall, Stieglitz, Girlitz oder Orpheusspötter, geht dagegen nur sehr sporadisch ins Netz.

Eine Auswertung der Fangzahlen von 2007 bis 2012 finden Sie HIER.

 

Die Daten der Trierer Untersuchungsfläche fließen in den bundesweiten Datenpool des IMS-Projekts ein, wobei insbesondere die Informationen zum Fangstatus (Erstfang oder Wiederfang?) und Alter der Vögel eine wichtige Rolle bei der Berechnung von Populationsgröße, Reproduktionserfolg und Überlebensrate spielen. Der große Wert der Daten des IMS ergibt sich zum einen aus der Langfristigkeit der Datenerhebung und zum anderen aus dem hohen Grad der Standardisierung der Fangbedingungen durch konstante Fangzeiten, Netzlängen und Netzstandorte. Den Studierenden der Abteilung Biogeographie wird durch die Mitarbeit in diesem Projekt die Möglichkeit gegeben, schon in frühen Phasen ihres Studiums Einblicke in die wissenschaftliche Freilandarbeit zu bekommen.

 

Literatur:

Baillie, S.R. (1990): Integrated population monitoring of breeding birds in Britain and Ireland. Ibis 132:151-166

Bairlein, F., H.-G. Bauer & H. Dorsch (2000): Integriertes Monitoring von Singvogelpopulationen. Vogelwelt 121:217-220

Köppen, U. (2003): Das "Integrierte Monitoring Singvogelpopulationen" (IMS) - Potenzen für ein nationales Vogelmonitoringkonzept und aktueller Stand in Deutschland. Ber. d. Landesamtes f. Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Sonderheft 1:56-61

 

Ansprechpartner: Dr. Ortwin Elle (elle@uni-trier.de)