Coca Cola Boykott Kampagne

Die Coca-Cola Company erwirtschaftet ihre Gewinne mit Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen. Ihre Produkte werden auch in den Verpflegungsbetrieben und über Automaten an der Uni Trier verkauft. Weil bei der Produktion von Getränken der allseits bekannten und beliebten Marke Natur und Mensch geschädigt werden, rufen wir zum Boykott dieser Produkte auf, bis die Coca-Cola Company ihre unverantwortlichen Geschäftspraktiken beendet.

Im Folgenden eine Dokumentation der Vorwürfe, denen sich der multinationale Konzern ausgesetzt sieht.

Indien: Kein Wasser für die Armen, Coca-Cola für die Reichen

In Indien protestiert die Zivilgesellschaft seit Jahren gegen Cola Cola. Dort kam es zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels, die wesentlich auf den immensen Wasserverbrauch der Coca-Cola-Betriebe zurückzuführen ist. Zur Produktion von einem Liter Cola braucht man ungefähr die 9-fache Menge an frischem Trinkwasser. Abfüllbetriebe entnehmen das Grundwasser, ohne dafür zu bezahlen. In Jaipur und Mehdiganj ist der Grundwasserspiegel seit 1999 um <st1:metricconverter productid="60 Meter">60 Meter</st1:metricconverter> gesunken. Wassermangel schmälert die landwirtschaftlichen Erträge und führt somit zu Lebensmittelknappheit, Hunger und gesundheitlichen Problemen. So brach in der Region Plachimada, wo inzwischen 260 Brunnen ausgetrocknet sind, der Reisanbau fast komplett zusammen. Ausgeliefert sind diesen Praktiken insbesondere die Menschen, die sich keine Alternativen leisten können. Hinzu kommt, dass indische Abfüllbetriebe Produktionsmüll, der hohe Mengen an Cadmium und Blei enthält, zunächst unsachgemäß gelagert und danach an die umliegenden Bauern als Dünger verkauft haben, wodurch der Boden und das Grundwasser verschmutzt wurden und die Ernteerträge sanken. Und die Pestizidbelastung von Coca-Cola-Produkten aus Indien ist bis zu 30 mal höher als der in der EU gültige Höchstwert.

Kolumbien: 8 ermordete Gewerkschafter und zero Verantwortung

Seit über 10 Jahren kämpft die örtliche Gewerkschaft SINALTRAINAL u.a. in Carepa für bessere Arbeitsbedingungen der Angestellten von „Bebidas y Alimentos“, einer Abfüllfirma, die ausschließlich für Coca-Cola produziert. Seit 1994 wurden bereits 8 Mitglieder der Gewerkschaft ermordet. Am 5.12.1996 erschossen beispielsweise Paramilitärs den Gewerkschafter Isidro Segundo Gil, genau an dem Tag, an dem Verhandlungen mit der Firmenleitung über bessere Arbeitsbedingungen geführt werden sollten. Im Anschluss daran riefen die Paramilitärs alle Angestellten des Betriebes zusammen und drohten, jedem, der nicht aus der Gewerkschaft austreten würde, würde das gleiche geschehen. SINALTRAINAL wurde damit in Carepa faktisch zerschlagen, Nutznießer war Coca-Cola. Seitdem es keine freie Gewerkschaft in Carepa mehr gibt, ist der Durschnittslohn von 600 Dollar monatlich auf den gesetzlichen Mindestlohn von ca. 150 Dollar gesunken. Eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle wurde bisher von Coca-Cola immer wieder blockiert.[1]

All dies stellt eine Verletzung völkerrechtlicher Normen dar: Nach Art. 23 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in Verbindung mit Art. 22 des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (UN-Zivilpakt) und Art. 7 und 8 des Internationales Paktes über wirtschaftliche, kulturelle und soziale Rechte (UN-Sozialpakt) hat jeder Mensch das Recht auf angemessene und befriedigende Arbeitsbedingungen und Entlohnung sowie auf gewerkschaftliche Organisierung.

Über die Vorfälle in Kolumbien informierte am 16.5.2008 Carlos Olaya von SINALTRAINAL in einem vom Ökoreferat organisierten Vortrag, der im Multikulturellen Zentrum stattfand. Dabei berichtete er auch von fortlaufenden Todesdrohungen gegen Gewerkschaftsmitglieder.


verdi: Interview mit dem Gewerkschafter Carlos Olaya

Vielleicht wirst du Opfer eines Attentats

Der kolumbianische Gewerkschafter Carlos Olaya war vier Wochen als Aufklärer in Deutschland und der Schweiz unterwegs.

 Interview: BURKHARD BALTZER

Carlos Olaya kämpft als Mitglied der kolumbianischen Gewerkschaft Sinaltrainal gegen den Terror, mit dem multinationale Konzerne ihre Mitarbeiter drangsalieren. Neben seinen Schilderungen wirkt der weltweit zunehmende Boykott-Aufruf gegen Produkte wie Coca-Cola, kolumbianische Blumen oder Bananen geradezu harmlos. Über die Vorgänge in seinem Land spricht der studierte Wissenschaftler Olaya ohne sichtbare Empörung: Geduldig und freundlich erklärt er seinem Publikum die Zusammenhänge zwischen ökonomischer Entwicklung, der Außen- und Innenpolitik – sowie ihre Auswirkungen auf die arbeitende Bevölkerung. Olayas Sachlichkeit verstärkt das Ungeheuerliche der von ihm genannten Fälle: Der Mord des Gewerkschaftsführers Isidro Segundo Gil durch Paramilitärs bei Coca-Cola in Carepa 1996 oder der achtfache Mord an Gewerkschaftern im Konzern in den darauf folgenden sechs Jahren. Neun von rund 4000 Morden an Gewerkschaftern im vergangenen Jahrzehnt. Oder wie die Paramilitärs das Gewerkschaftsbüro in Capera niederbrannten. Wir trafen Olaya im Rahmen seiner Aufklärungsreise in Süddeutschland, wohin er von verschiedenen Organisationen, darunter ver.di, eingeladen worden war. ver.di PUBLIK dankt Nora Braun herzlich für die kompetente Übersetzung des Gesprächs.

ver.di PUBLIK | Carlos, geschieht es oft, dass Dir Coca-Cola-nippende Menschen gegenübersitzen, während Du über die Arbeitsbedingungen beim Cola-Konzern sprichst?

 CARLOS OLAYA | Das passiert sogar in Kolumbien. Aber die meisten wissen ungefähr, was bei Coca-Cola geschieht. Das Bewusstsein hat besonders unter den Jugendlichen und Studenten zugenommen.

Durch dieses System haben wir heute 18 Millionen bettelarme Menschen, wovon sechs Millionen Menschen vom Hungertod bedroht sind

 ver.di PUBLIK | Seit wann?

CARLOS OLAYA | Etwa seit 2001. Damals wurde bekannt, welchen Menschenrechtsverletzungen die Arbeiter des Konzerns ausgesetzt sind.

ver.di PUBLIK | Du behauptest, etwa 40 multinationale Konzerne hätten die Welt und ihre Märkte untereinander aufgeteilt. Wer regiert Deine Heimat Kolumbien: Coca-Cola, Chiquita, Dole und Nestle, paramilitärische Verbände oder die Regierung?

Ihr könntet protestieren und ein internationales Netzwerk der Überwachung installieren, das bei uns Menschenrechte herstellt

 CARLOS OLAYA | Ein Netzwerk regiert Kolumbien. Zu ihm gehören die Großgrundbesitzer und die Drogenhändler. Überdies die nationalen und internationalen Finanzgruppen, die Konzerne, in denen die US-Regierung steckt, auch der internationale Währungsfonds und die Weltbank sowie die Politiker, die oft sehr korrupt sind.

 ver.di PUBLIK | In der langen Unterdrückungsgeschichte der Menschen Kolumbiens hat es eine Phase demokratischer Verhältnisse gegeben, als auch die Gewerkschaften stärker waren.

CARLOS OLAYA | Ja, das war zwischen 1920 und Mitte der 30er-Jahre. Damals erkämpften die Gewerkschaften ihre Legalität. Sie konnten wichtige Reformen durchsetzen wie die Demokratisierung des politischen Systems nach amerikanischem Vorbild, erstmals die Anerkennung von Arbeitsrechten und die soziale Absicherung von Arbeitern. Eine Agrarreform, die aber nie tatsächlich umgesetzt wurde, sprach den Bauern das Besitzrecht auf Land zu. Außerdem wurde es Gesetz, dass der Staat im Bereich der Wirtschaft regulierend eingreifen kann, was – ebenfalls nicht umgesetzt – jedoch einen gewissen Schutz bot.

ver.di PUBLIK | Wann kam es dann zu den massiven Behinderungen und der Unterdrückung der Gewerkschaften, von denen wir heute wissen?

CARLOS OLAYA | 1987, als wir ähnlich dem DGB einen Dachverband gründeten und die linke Bewegung an Einfluss gewann. Gleichzeitig setzten die Weltbank und der internationale Währungsfonds gegenüber der kolumbianischen Regierung neoliberale Reformen durch.

ver.di PUBLIK | Welche Rechte blieben den Gewerkschaften?

CARLOS OLAYA | Es gibt viele Gesetze, die die Rechte der Gewerkschaften festschreiben, doch werden die immer schlechter. Seit 1990 etwa erhalten Arbeiter keine festen Verträge mehr. Es gibt sogar Tarifabkommen, aber ein neues Gesetz erlaubt es den Unternehmen, die Arbeiter ohne Entschädigungen zu entlassen. Hauptsächlich gibt es heute befristete Verträge und solche mit so genannten Kooperativen. Der Konzern verschwindet hinter einem System von subunternehmerähnlichen Kooperativen. Diese bekommen immer geringer werdende Summen, so dass der Durchschnittslohn von einst 600 auf heute 120 Dollar (zirka 95 Euro) gesunken ist. Durch dieses System haben wir heute 18 Millionen bettelarme Menschen, wovon sechs Millionen Menschen vom Hungertod bedroht sind. Und nur die Angestellten von Unternehmen dürfen einer Gewerkschaft beitreten, die Arbeiter der Kooperativen nicht: Die sind für sich selbst verantwortlich – als Arbeitgeber und Arbeitnehmer, heißt es. Auch Möglichkeiten, in Pension zu gehen, wurden abgeschafft. Das Rentenversicherungssystem wird komplett privatisiert. Der Staat hat Schulden bei den privaten Versicherern, und um diese Schulden abzutragen, werden laufend die Steuern erhöht.

ver.di PUBLIK | Sind diese Zustände – die noch durch den Terror von paramilitärischen Einheiten verstärkt werden – Gründe, warum die Gewerkschaften Kolumbiens heute so geschwächt sind?

CARLOS OLAYA | Beide Faktoren spielen eine Rolle. Der Terror schürt immense Ängste. Gewerkschaftsführer werden verfolgt und müssen ins Exil gehen. Gewerkschaften ohne Führungspersönlichkeiten sind schwache Gewerkschaften. Zudem sind sie entmachtet. Die Politik hat die Arbeiterbewegung in ein Patronat verwandelt. Betriebsräte gibt es nicht, würden sich welche zu Wort melden, wäre das für die Unternehmen ein Attentat gegen die Unternehmensfreiheit.

ver.di PUBLIK | Stellen wir uns eine Film-Szene zum Thema Gewerkschaftskampf vor, wie wir sie gerne in Europa sehen: Arbeiterführer Carlos protestiert gegen verlängerte Arbeitszeiten von neun auf zehn Stunden, er gewinnt die Kolleg/innen, natürlich bekommt er Druck, bleibt aber standhaft, die Belegschaft siegt und liegt sich in den Armen. Wie sähe diese Szene in Kolumbien aus?

CARLOS OLAYA | In Kolumbien würde es um einen 15-stündigen Arbeitstag gehen, und wer dagegen protestiert, verliert seine Arbeit. Wer dennoch weiter Kollegen mobilisiert, wird bedroht. Manchmal weiß man nicht, woher die Drohungen kommen, manchmal weißt Du genau, wer Dich oder Deine Familie bedroht. Machst Du weiter, werden vielleicht Deine Kinder entführt, oder Du wirst Opfer eines Attentats. Wenn Du das überlebst, gehen die Verfolgungen weiter. Irgendwann bleibt nur noch das Exil.

ver.di PUBLIK | Wie viele Gewerkschaftsführer leben im Exil?

CARLOS OLAYA | Etwa 40.

ver.di PUBLIK | Unterhalten Konzerne eigene paramilitärische Truppen, die sie gegen aufbegehrende Arbeiter einsetzen? Oder teilen sich Staat, Unternehmen, Drogenbosse und Großgrundbesitzer die Unterdrückung der Bevölkerung?

CARLOS OLAYA | Die paramilitärischen Truppen koordinieren das mit den Machtorganen des Staates. Wir erleben die vielfältigsten Formen dieses Terrors. Es gibt jedoch kaum Beweise dafür, dass Einsätze aus dem Ausland oder von der Konzernspitze befohlen werden, was an der kolumbianischen Justiz liegt, die das nicht untersucht.

ver.di PUBLIK | Warum geben Menschen wie Du nicht auf?

CARLOS OLAYA | Die Linken haben bei der letzten Wahl 25 Prozent der Stimmen erhalten, so viel wie nie in Kolumbien. Und die Gewerkschaften sowie die sozialen Gruppierungen gewinnen wieder Einfluss, wir haben wieder 600000 Mitglieder. Internationale Organisationen mischen sich ein. Wir Gewerkschafter setzen uns inzwischen nicht mehr nur für die Rechte der Arbeitenden ein, sondern für die Menschenrechte der Bevölkerung: Das ist eine neue Strategie.

ver.di PUBLIK | Was können die deutschen Gewerkschafter tun?

CARLOS OLAYA | Ihr könntet protestieren, ein internationales Netzwerk der Überwachung installieren, das bei uns Menschenrechte herstellt.