Antikapitalismus von rechts? Über die Nationalisierung der sozialen Frage

Referent: Jan-Henning Schmitt 
Datum: Mittwoch, 09. Juni 2010, 18:00 Uhr
Ort: Raum B21

Soziale Themen haben in der Agitation der extremen Rechten an Bedeutung gewonnen. "Sozial geht nur national" heißt das Motto einer bundesweiten Kampagne, mit der sich die NPD als einzig wirkliche Interessensvertreterin der "kleinen Leute" und „einzig authentische Anti-Globalisierungspartei“ inszenieren möchte. Neonaziaufmärsche wenden sich gegen Massenarbeitslosigkeit, die Globalisierung oder gleich gegen das ganze "System". Die soziale Frage soll nationalisiert werden. So möchte nicht nur die NPD ihren Einfluss steigern.

Doch neben der bekannten Hetze gegen MigrantInnen ("Arbeitsplätze zuerst für Deutsche!") sind scheinbar neue Töne zu hören. Teile der NPD, ihrer Jugendorganisation JN und vor allem die aktionistischen "Freien Kameradschaften" und "Autonomen Nationalisten" haben sich einen "Antikapitalismus von Rechts" auf die Fahnen geschrieben. Ihre historischen Bezüge sind vielfältig: Mal beziehen sie sich auf die Idee eines "Preußischen Sozialismus", mal auf den von Hitler 1934 ausgeschalteten NSDAP-Flügel um die Brüder Strasser, mal auf die Sozial- und Wirtschaftspolitik des NS-Staates. Trotzdem erreicht dieser "Antikapitalismus von Rechts" seine Zielgruppen und verhilft der NPD zu Wahlgewinnen, vor allem im Osten. Warum das so ist, was den extrem rechte Antikapitalismus charakterisiert und auf welche historischen Vorläufer er sich stützt, soll auf dieser Veranstaltung diskutiert werden.

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