Vortrag: Faschismus & Antifaschismus heute

Referent: Dr. Peter Decker
Datum: Montag, 21. Juni 2010, 18:00 Uhr
Ort: Raum B20

Faschismus und Antifaschismus heute
Wie man die Neonazis kritisieren sollte – und wie besser nicht.

So viel ist klar: Die Nationaldemokraten und ihr Anhang sind die bestgehasste politische Richtung im Land. Von rechten und konservativen Politikern wie Roland Koch bis zu ganz linken Aktivisten ist man sich in ihrer Ablehnung absolut einig. Nicht so klar ist, warum. Denn die viel beschworene geistige Auseinandersetzung mit alten und neuen Nazis findet so gut wie nicht statt. Sie werden von den Behörden behindert und bespitzelt - aber eigentlich nicht kritisiert. Man findet sie ungebildet, dumm, dumpf und versoffen – viel zu sehr unter Niveau, als dass es ihre Parolen verdienten, als politisches Programm zur Kenntnis genommen zu werden. Geht doch einmal ein Sozialkundelehrer oder Landtagskandidat so weit, den politischen Standpunkt der Rechtsradikalen zu charakterisieren, meint er, mit einer Abgrenzung, mit "Nicht-" und "Un-"Auskünften seine kritische Schuldigkeit getan zu haben. Man erfährt, dass die Rechtsradikalen "un-demokratisch", un-europäisch", gegen Ausländer, gegen Nato, gegen Globalisierung sind. Man bekommt gesagt, dass sie als Rassisten, als Anhänger der Volksgemeinschaft und des starken Staates verkehrte, ja verabscheuungswürdige Werte haben. Das wird schon so sein. Für eine Kritik ist das aber zu wenig. Kritik verlangt mehr als bloß den Unterschied zur bundesdeutschen Normalität zu benennen und die Abweichung von dem, was sich nach demokratischer Sitte gehört, zur Untat zu erklären. Nach der Methode haben seinerzeit auch die Nazis Abweichler "kritisiert". Wie Neonazis denken. Was sie wollen. Warum sie das für nötig halten. Und warum das alles so verkehrt ist - das aufzuklären gehört nicht zur üblichen politischen Bildung. Fast steht im Verdacht, sich der fälligen Verteufelung zu verweigern und den Nationalsozialismus zu verharmlosen, wer sich daran macht, den politischen Standpunkt der extremen Rechten zu erklären und zu kritisieren. Diese Auseinandersetzung, die die offiziellen Meinungsbildner nicht führen können und nicht führen wollen, soll mit dem angekündigten Vortrag und der Diskussion nachgeholt werden.

So viel vorweg: Wer die extremen Nationalisten kritisieren will, kommt nicht umhin, den normalen Nationalismus der Demokratie zu kritisieren. Er ist nämlich der Boden, auf dem die Neonazis ihre Auseinandersetzung mit den Demokraten führen. Sie bezichtigen die bürgerlichen Parteien, ihre nationale Pflicht zu verraten und das Vaterland in Krise und Abgrund zu manövrieren. Sie bekämpfen die "schwache" Demokratie, um den Staat zu retten. Dabei bekennen sie sich offener als andere dazu, dass das kapitalistische Gemeinwesen, das sie in Ordnung bringen wollen, nach innen und außen eine Frage von Gewalt und Herrschaft ist: Ihre "gesunden Verhältnisse" laufen auf Arbeitsdienst, Fremdenhass und Krieg hinaus.

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