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Gallisch im 4. Jahrhundert n. Chr. in Trier

St. Hieronymus von Domenico Ghirlandaio (1449-1494)

Es gibt auch Überlieferungen, die nahelegen, dass noch bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. eine keltische Sprache in der Region beheimatet war. Nach dem berühmten Zeugnis des Kirchenvaters Hieronymus (347–420) wurde zu der Zeit, als er sich selbst in Trier aufhielt, noch Gallisch gesprochen. Für ihn ist dieses Festhalten am Althergebrachten zwar nur eine “überlebte Einfalt” (antiqua stultitia), doch stellt er auch fest, dass die Galater, die er ebenfalls aus eigener Anschauung kannte, “fast dieselbe eigene Sprache haben wie die Treverer” (Galatas … propriam linguam eamdem pene habere quam Treviros, Commentariorum in Epistolam ad Galatas 357A, ed. Migne, Patrologia Latina, Bd. 26). Siehe dazu: T. Meißner, "Das Hieronymuszeugnis und der Tod des Gallischen", Zeitschrift für celtische Philologie 57 (2009/10), 107-112.

Die Glaubwürdigkeit dieses Zitats ist zwar bestritten worden, doch stimmt es gut zu Beobachtungen, die man in der weitläufigen Familie des Staatsmannes und Dichters Ausonius (ca. 311–394) und seinem literarischen Werk machen kann. Die Personennamen sind zum größten Teil mit Bedacht gewählt worden und zeigen große Vertrautheit mit dem onomastischen Lexikon des Gallischen. Manche von ihnen kommen überhaupt nur in dieser Familie vor, wie Dryadia und Arborius (gall. d(e)ru-, lat. arbor ‚Baum‘), die auf die ‚druidische‘ Herkunft von Ausonius’ Mutter anspielen. Einen Hinweis gibt auch der wohl von ihm selbst geprägte Eigenname Bissula „Fingerchen“ o.ä. für ein gefangenes Suebenmädchen. Er räumt ein, der Name sei „ein wenig derb“ (rusticulum) und „etwas grässlich für die, die es nicht gewohnt sind“ (horridulum non solitis), aber „reizvoll für ihren Herrn“ (domino venustum, Biss. 4, 3–4). Der intendierte Doppelsinn von Namen wird in einem Gedicht, das er seinem Landsmann Attius Patera gewidmet hat (Professores 4.11 f.), explizit gemacht. Dort sagt er, dass Attius’ Beiname Patēra die Wiedergabe eines (sonst unbekannten) gallischen Wortes für ‚Mysterienpriester‘ sei und nicht das offenkundig anklingende lateinische patĕra ‚Opferschale‘.

Ein direkter Beleg für das Gallische liegt in einer vor kurzem im Rheinischen Landesmuseum Trier auf einer frühkaiserzeitlichen Fibel identifizierten kurzen Inschrift vor, die das gallische Wort vimpi- "schön" enthält.

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