So gefährlich war die Straße von Hormus schon in der Antike - Alexander Strauß berichtet

Wo heute Iran und USA um ein Nadelöhr der Weltwirtschaft ringen, kämpften schon vor zwei Jahrtausenden die Großmächte um die Kontrolle der Fernhandelsrouten. Die Aussicht auf enorme Gewinne wog die Risiken auf, die den Seefahrern drohten.

Als Alexander der Große 326 v. Chr. durch die Meuterei seiner Truppen zum Rückmarsch aus Indien gezwungen wurde, ließ er eine Flotte bauen. Mit ihr sollte der Admiral Nearchos den Indus hinabfahren und sich an der Küste des Iran entlang bis an die Mündung des Euphrat durchschlagen. Der König selbst wollte mit 60.000 Mann durch die Gedrosische Wüste ziehen, ein Unternehmen, an dem der persische Großkönig Kyros und die babylonische Königin Semiramis einst gescheitert sein sollen.

Etwa 75 Prozent des makedonischen Heeres überlebten die Strapazen – womöglich ein Racheakt Alexanders für die Meuterei – nicht. Nearchos und seine Schiffe dagegen erlebten zwar viele Abenteuer mit entsetzlichen Seeungeheuern und „Menschen, die wie Tiere waren“, erreichten aber wohlbehalten die Küste von Karmanien, wo Ende 325 das Wiedersehen mit dem Hauptheer gefeiert wurde.

Über seine Reise hat Nearchos einen Bericht verfasst, den der römische Historiker Arrian in seiner „Indiké“ verarbeitet hat. Darin wird als Ort des Zusammentreffens Harmozeia bezeichnet, in einer Landschaft, „die fruchtbar war und Gewächse aller Art trug“. Heute liegt dort mit Hormus einer der ökonomischen und militärischen Brennpunkte des Planeten.

Dass die Einfahrt in den Persischen Golf schon im Altertum zu den global bedeutendsten Seewegen gehörte, belegt nicht nur die Episode aus dem Feldzug Alexanders des Großen. Bereits die frühen Hochkulturen Mesopotamiens knüpften mit Schiffen Kontakte nach Indien. Griechen und Römer etablierten einen regelmäßigen Seehandel, in dem das Nadelöhr bei Hormus „der schwierigste und sicherheitskritischste Abschnitt des Seewegs in den Persischen Golf und zurück darstellte“, sagt der Trierer Historiker Alexander Strauß. Seine Dissertation über die Rolle dieser Passage in der Antike wird von der Gerda-Henkel-Stiftung gefördert, auf deren Wissenschaftsportal L.I.S.A. Strauß einen Abriss seiner Forschungen gibt.

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Text: Berthold Seewald | Die Welt