Arbeitsschwerpunkte und Forschungsinteressen

Polizeigeschichte (Mitglied im Organisationsteam der Kolloquien zur Polizeigeschichte)

Justizgeschichte und die Geschichte der Strafverfolgungspraxis im 19.-21. Jahrhundert

Regionale und transregionale Geschichte der Grande Région (19.-21. Jahrhundert)

Gewaltgeschichte

 

Laufende Projekte

Das Verhältnis von Justiz und Polizei im Nationalsozialismus (Dissertationsprojekt)

Das Verhältnis von Gestapo und Justiz jenseits des in der Forschung thematisierten Verdrängungsprozesses ist eine Forschungslücke, die sich an der Schnittstelle von Juristischer Zeitgeschichte und allgemeiner NS-Geschichte befindet. Das prinzipiell arbeitsteilige Vorgehen im Rahmen zahlreicher Ermittlungsverfahren gilt es dabei genauer in den Blick zu nehmen. Die ausgesprochen günstige Quellenlage erlaubt es, für Trier alle Ebenen (Volksgerichtshof, Oberlandes-, Sonder-, Land- und Amtsgerichte) zu berücksichtigen. Sowohl die mehr als 3.500 Gestapo-Personenakten als auch die umfangreiche Überlieferung von Gefangenenakten der Justizvollzugsanstalt Wittlich eröffnen einen Zugriff über Fallstudien. Neben Staatsanwaltschaft und Gerichten bieten Gefangenenwesen und Haftanstalten ein weiteres Forschungsfeld. Im Rahmen des Untersuchungsschwerpunkts soll die etablierte Unterscheidung zwischen Maßnahmen- (Gestapo) und Normenstaat (Justiz) mit parallelen Strukturen im NS-Unrechtssystem überprüft werden. Hypothetisch wird davon ausgegangen, dass in der Praxis vielfältige Übergänge und zahlreiche Kooperation im Verhältnis von Justiz und Gestapo feststellbar sind.

 

Die Gestapo Trier in der Christophstraße 1 – Justiz und Polizei im regionalen Umfeld in der NS-Zeit

Im Rahmen der Projektarbeit, die ich seit Oktober 2017 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin begleite, liegt mein Arbeitsschwerpunkt insbesondere auf der Erschließung und Auswertung der im Service historique de la Défense (SHD) in Vincennes, dem Archiv des französischen Verteidigungsministeriums, überlieferten Personalakten der Gestapo Trier. Nachdem die erste Erschließung seit Dezember 2017 abgeschlossen ist, können die Akten im SHD eingesehen werden. Hier gehts zum Inventar.

 

„Haftstätten der Großregion Trier als zentrale Einrichtungen der nationalsozialistischen Verfolgungspraxis“

  • Das Frauenstraflager Flußbach (bei Wittlich) fungierte zwischen September 1942 und September 1944 als Haftanstalt für mindestens 1916 Frauen aus 8 europäischen Staaten. Neben Strafgefangenen waren zahlreiche – vor allem aus dem besetzten Großherzogtum Luxemburg und Frankreich stammende – Frauen als Schutzhäftlinge in Folge ihrer Widerstandsaktivität in Flußbach interniert. Neben der Untersuchung der Häftlings- und auch Personalstruktur liegt ein Schwerpunkt auf der Erarbeitung familiärer Verbindungen zum SS-Sonderlager/KZ Hinzert auf dem Hunsrück, welches ein reines Männerlager war. Die Vernetzung nationalsozialistischer Haftstätten eröffnet neue Perspektiven sowohl auf Verfolgungspraxis, Lager- und Haftstättenorganisation im Spannungsfeld von Justiz und Polizei im Dritten Reich als auch auf Gruppenbiographien von Widerstandsgruppen oder Familien.
  • Die Gruppe der „Nacht-und-Nebel“-Häftlinge, die im Zuge der „Richtlinien für die Verfolgung von Straftaten gegen das Reich oder die Besatzungsmacht in den besetzten Gebieten“ (später als „Nacht-und-Nebel“-Erlass verfügt) in Frankreich, Belgien, Norwegen und den Niederlanden verhaftet wurden, stellen eine bedeutende Haftgruppe der in der Großregion Trier angesiedelten Gefängnisse und Lager dar. Die Grenzlage des Gaues Moselland und die Zuständigkeit des Sondergerichts Köln für die französischen „NN’ler“ bedingte deren oft nur sehr kurze Inhaftierung in den Haftstätten der Region Trier: dem Gefängnis Trier, der Strafanstalt Wittlich, dem Frauenstraflager Flußbach und dem SS-Sonderlager/KZ Hinzert. Für die regionale wie auch transnationale Geschichtsschreibung eröffnen sich durch eine Untersuchung dieser Häftlinge neue Forschungsperspektiven zum Zusammenspiel von Judikative und Exekutive.

 

Trier unter separatistischer Herrschaft

Wie zahlreiche Städte des Rheinlandes wurde auch Trier kurzzeitig von einer separatistischen Regierung geführt. Dieses Intermezzo, das lediglich von Oktober bis November 1923 andauerte, ist in der bisher vorliegend stadtgeschichtlichen Forschung unterrepräsentiert – bietet jedoch Perspektiven und Anknüpfungspunkte für übergreifende Forschungen zum frühen 20. Jahrhundert. Vor allem auf der Basis von Ermittlungsakten der Geheimen Staatspolizei und des SD, sowie mittels zeitgenössischer Erlebnisberichte wird eine an der Hauptperson separatistischer Bestrebungen in Trier – Hubert Marzen – orientierte Untersuchung vorbereitet, die Entstehung und den Versuch der Verwirklichung eines unabhängigen Rheinstaates in der Moselstadt thematisiert.