Heinrich Alt

Heinrich Alt - Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (Foto: Chandra Moenssad)
Foto: Chandra Moenssad

Ehemaliges Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit


*1950

1970 - 1975 Studium der Politikwissenschaft und der Germanistik an der Universität Trier-Kaiserslautern

1977 - 1992 Stationen bei (Landes-)Arbeitsämtern in Rheinland-Pfalz und dem Saarland

1992 - 1998 Arbeitsministerium Rheinland-Pfalz

1998 - 2000 Staatssekretär im Arbeitsministerium Schleswig-Holstein

2001 - 2002 Vizepräsident der Bundesanstalt für Arbeit

2002 - 2015 Mitglied des Vorstands der Bundesagentur für Arbeit

 

Mehr Toscana als Bologna

Heinrich Alt blickt auf die Kinderschuh-Jahre der Universität zurück

Herr Alt, Sie haben sich 1970 eingeschrieben. Damit waren Sie an der Universität Trier ein Student der allerersten Stunde. Waren die Zeiten damals auf Schneidershof wirklich so golden wie sie heute oft verklärt werden?
Sie waren auf jeden Fall mehr Toscana als Bologna.

Standen in der Mensa tatsächlich die legendären Schüsseln auf den Tischen, aus denen sich alle bedient haben?
Ja, es gab immer einen doppelt gedeckten Tisch und Suppenschüsseln.

Noch ein Mythos, der sich hartnäckig hält: Damals waren die Studenten viel politischer als heute.
Zweifellos. Zu jedem Mittagessen gab es mindestens drei Flugblätter.

Hatten Sie das Gefühl, damals schon an einer „richtigen Universität“ zu studieren oder an einem Provisorium?
Provisorium, ja. Ich habe die Universität aber nie als defizitäre oder unzulängliche Einrichtung empfunden.

War Trier für Sie erste Wahl als Studienort wegen der Nähe zum Wohnort?
Es war eher der guten Freunde wegen und die Neugierde, eine Unigründung zu erleben.

Hatten Sie nach Ihrem Studienabschluss noch Verbindung zur Universität?
Ja, zu den Dozenten undAbsolventen. Und ich war beim 25jährigen Jubiläum der Uni.

Sie haben Politikwissenschaft und Germanistik studiert. Keine Studienfachwahl, die zwangsläufig auf ein Arbeitsverhältnis als Referent im Landesarbeitsamt hinausläuft.
Die Bundesagentur fürArbeit war damals schon ein flexibler und moderner Arbeitgeber, der nicht sortenrein nur Juristen eingestellt hat.

Was hat Sie das Studium für Beruf und Leben gelehrt?
Auf jeden Fall einen professionellen Umgang mit Themen, Texten, Argumenten und Menschen.

Hätte eine wissenschaftliche Laufbahn eine berufliche Alternative für Sie sein können?
Ja, aber ich habe das Angebot zur Promotion (leider) nicht angenommen.

In Ihrer offiziellen Vita klafft zwischen Studienabschluss und Berufseinstieg eine Lücke von zwei Jahren. Indiskret gefragt: Dolce Vita, Auslandsaufenthalt oder nichts für die Öffentlichkeit?
Dolce Vita wäre schon gewesen, aber es war ganz profan ein Referendariat an einem Gymnasium in Koblenz.

Sie sind auf dem Karriereweg schnell und beständig vorangeschritten. Welche Charaktereigenschaften waren dafür am wichtigsten?
Ich selbst kann es ja nur erahnen. Aber vielleicht Zuverlässigkeit, Kreativität und Bereitschaft zum Ortswechsel.

Sie waren Staatssekretär im schleswig-holsteinischen Arbeitsministerium. Gelten auf der politischen Bühne andere Gesetze als in der Arbeitsverwaltung?
Im Prinzip nicht. In beiden Bereichen gilt es Ziele zu definieren, Personal zu führen und für Ressourcen und Ideen zu kämpfen. Aber politische Ämter haben eine höhere Gestaltungsfunktion, eine Verwaltung hat eher einen klaren Ausführungsauftrag.

Nach kurzen Ausflügen in das Mainzer und Kieler Ministerium sind Sie immer wieder in die Arbeitsverwaltung zurückgekehrt. Was ist es, das Sie nicht davon loskommen lässt?
Die Bundesagentur ist für mich berufliche Heimat, mit vielen engagierten und liebgewonnenen Kolleginnen und Kollegen.

Welche gravierenden Veränderungen hat die Arbeitsverwaltung in Ihren 30 „aktiven“ Jahren durchlaufen?
Sie ist kundenorientierter geworden und viel transparenter. Neu ist das Führen über Ziele und wir haben mittlerweile ein sehr modernes (und mehrfach ausgezeichnetes) Personalmanagement.

Wie wäre es, wenn sich das Vorstandsmitglied Heinrich Alt als Berufsberater bewährt und den Trierer Studierenden ein paar grundlegende Tipps für die Berufswahl im Speziellen und für das Leben im Allgemeinen mit auf den Weg gibt?
Wichtig ist, dass man sich über seine eigenen Vorstellungen gut informiert und wenn möglich in der Praxis überprüft.Wer sich an Eignung und Interesse orientiert, ist im Beruf auch erfolgreich und zufrieden. Man sollte immer neugierig bleiben und für neue Themen offen sein, sonst entwickelt man sich zum „Fachidioten“. Und man sollte auch Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen.

Besitzen Sie noch das Grundig-Tonbandgerät, das Sie sich als Jugendlicher vom ersten selbst verdienten Geld gekauft haben?
Das habe ich vor vielen Jahren verschenkt.

Das Interview ist erschienen im Unijournal 3/2012.