Young-Ho Kim

Präsident der Pai Chai Universität in Daejeon (Korea)

*1952

1982 - 1989: Studium der Soziologie und Politikwissenschaft an der Universität Trier, Abschluss mit Promotion

1991 - 2011: Professur an der Pai Chai Universität in Daejeon, mit rund 1,5 Millionen Einwohnern die fünftgrößte Stadt Südkoreas

1997 - 1998: Dekan im Büro für Planung und Public Relations

1999 - 2000: Gastprofessor am Forschungszentrum Europa in Trier

seit 2010: Vorsitz der Koreanisch-Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaft

seit März 2011: Präsident der Pai Chai Universität in Daejeon

 

Deutscher Doktor-Titel hat in Korea großen Wert

Ihr Weg an die Spitze der Pai Chai Universität hat in Trier quasi ihren Anfang genommen. Warum haben Sie nach Stationen in Frankfurt und Heidelberg die Universität Trier als Studienort ausgewählt?

In Heidelberg entwickelte sich eine Freundschaft mit Pfarrer Ginsberg, der im  Studentenwohnheim der Universität mein Doppelzimmer-Partner war. Er gab mir den Rat. Von ihm und seiner Frau empfingen meine Familie und ich auch Hilfe, sodass ich – finanziell und mental gesehen – in Ruhe studieren konnte.

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie sich heute an die Universität Trier erinnern?
Vor allem: angenehme Nachbarschaft, ein freundliches Milieu im Universitätsbereich, die schöne historische Innenstadt und malerische Weinberge.

Was hat Ihnen am Studium in Trier imponiert und was hat Ihnen weniger gefallen?
Ich war beeindruckt von den verhältnismäßig modernen Unigebäuden und von einer Verwaltung, die ohne Arroganz mit einem umging. Als weniger positiv empfand ich die geringe Zahl an ausländischen Studenten.

Haben Sie auf Ihrem Berufsweg in Korea von Ihrem Studium in Trier profitiert?
Ja. Der Doktortitel einer deutschen Universität spielt in Korea eine bedeutende Rolle.

Ist die berufliche Laufbahn eines Professors in Südkorea mit der in Deutschland vergleichbar?
Im Großen und Ganzen: Ja. Allerdings gibt es die Habilitation als Vorbedingung nicht.

Wird der Präsident einer südkoreanischen Universität gewählt?
In meinem Fall: Ja. Die Vertreter der Professoren, Mitarbeiter und Studenten nominieren drei Kandidaten. Aus diesen Bewerbern wählt das Board of Directors der Pai Chai Hakdang Stiftung den Präsidenten.

Haben Sie nach Ihrem Studium noch einmal Deutschland besucht?
Ja, zweimal sogar. 1994 war ich für einen Monat zu Besuch und dann für ein Sabbat-Jahr 1999 und 2000.

Welches Bild haben Südkoreaner von Deutschland?
Deutschland gilt in Korea als diszipliniert, ökonomisch konkurrenzfähig, stark im Hinblick auf Wohlstand und Sozialleistungen und ist international angesehen in kultureller Hinsicht. Allerdings erwartet man von den Deutschen mehr Gastfreundschaft für Ausländer.

Mit 14.200 Studenten hat die Pai Chai Universität etwa die gleiche Größe wie die Universität Trier.
Ja, fast gleich. Allerdings bezieht sich die Zahl 14.000 auf die registrierten Studenten. Tatsächlich sind aus verschiedenen persönlichen Gründen wie Militärdienst, Auslandsaufenthalt zu Sprachkursen, finanzielle Schwierigkeit oder auch Motivationsprobleme etwa 10.000 Studenten in jedem Jahr tatsächlich immatrikuliert.

Gibt es weitere Parallelen zwischen den beiden Universitäten und worin unterscheiden sie sich?
Grundsätzlich ist die Pai Chai Universität – wie auch andere Universitäten in Korea – stark vom amerikanischen Universitätssystem beeinflusst. Welche sind Ihre wichtigsten Aufgaben als Präsident der Pai Chai Universität? Angesichts ständiger Innovation muss ich, globalen Standards entsprechend, für Reformen sorgen, um so unsere Fähigkeit sicherzustellen, mit anderen Hochschulen zu konkurrieren.

Gibt es etwas, das Ihnen in Trier so gut gefallen hat, dass Sie es als Präsident an der Pai Chai Universität eingeführt haben?
Das akademische Leben in Deutschland beneide ich um seine Großzügigkeit und Freiheit; und ich bemühe mich, diese Qualitäten auf die Situation meiner Universität zu übertragen.

Kooperiert Ihre Universität mit Hochschulen in Deutschland?
Mit der Universität Hildesheim pflegen wir Professoren- und Studentenaustausch und zwar durch wechselseitige Gastvorlesungen während der Sommer- und Winterferien. Übrigens nehmen einige deutsche Studenten an der jährlich stattfindenden Pai Chai International Sommer School (PAISS) teil. Beispielsweise kamen im letzten Jahr vier Studentinnen aus Heidelberg und Hildesheim und in diesem Jahr erwarten wir eine Studentin und einen Studenten aus Hildesheim.

Eine Vision Ihrer Universität ist „nachhaltiges Wachstum“. Verbinden Sie damit mehr Studenten, mehr Studienabschlüsse, eine bessere Lehre oder mehr Forschung?
Nachhaltiges Wachstum durch mehr Studenten? Nein, umgekehrt! Das „Downsizing“ ist ein wichtiges Mittel zum nachhaltigen Wachstum.

Das Interview ist erschienen im Unijournal 3/2014.