Die Projektgruppe der Universität Trier übernimmt für die Umweltprobenbank des Bundes vielfältige Aufgaben.
Die Projektgruppe der Universität Trier übernimmt für die Umweltprobenbank des Bundes vielfältige Aufgaben.

Neues Wissen aus alten Proben

Forscher arbeiten mit genetischen Methoden, um die Entwicklung biologischer Vielfalt über Jahrzehnte hinweg nachzuverfolgen.

Seit mehr als 35 Jahren sammeln und analysieren Wissenschaftler der Universität Trier in Seen, in Flüssen, im Meer und an Land Proben von Tieren und Pflanzen für die Umweltprobenbank des Bundes. Die an diesem Archiv beteiligten Wissenschaftler von verschiedenen weiteren Universitäten und Einrichtungen beobachteten bislang anhand der Proben, welche Schadstoffe und Chemikalien auf die Umwelt einwirken. Mit dem vom Umweltbundesamt geförderten Forschungsprojekt TrenDNA wird nun ein neues Kapitel aufgeschlagen. Dank weiterentwickelter Methoden und Technologien können die Wissenschaftler den tiefgekühlten Proben zahlreiche weitere Informationen entlocken, die Auskunft geben über Biodiversität und aktuelle Phänomene wie das Insektensterben. Sie zeigen auf, welche Arten abnehmen, welche Lebewesen einwandern oder wie sich Lebensgemeinschaften in der Natur verändern. Die Forscher wollen aber auch wissen, welche Rolle der Mensch dabei spielt.

„Wir stehen an dem Punkt, an dem wir herausfinden wollen, was mit der Sammlung der Umweltprobenbank wissenschaftlich möglich ist. In dem Projekt TrenDNA wird es darum gehen, zu systematisieren, welche Proben sich für welche Biodiversitätsanalysen eignen sowie genetische Methoden und Verfahren zur Analyse zu entwickeln“, beschreibt der stellvertretende Projektsprecher, Juniorprofessor Henrik Krehenwinkel von der Universität Trier, den Forschungsfahrplan für die kommenden vier Jahre.

Mehr als 500.000 Proben

„Wir werden die Erhebung von Biodiversitätsdaten in nie dagewesener Breite aus der Umweltprobenbank standardisieren“, erklärt Krehenwinkel. Seinen forscherischen Optimismus zieht er auch aus einer gerade an der Universität Trier fertiggestellten Studie zum Insektensterben, die das enorme Potenzial der Sammlung von inzwischen mehr als einer halben Million Proben bestätigt. „Wir können künftig wissenschaftlich fundiert nachweisen, wie sich in den letzten 30 Jahren Lebensgemeinschaften von Insekten in heimischen Wäldern oder Plankton in unseren Flüssen und Meeren verändert haben.“

„Wir betreten Neuland, indem wir zeitliche Biodiversitätstrends umfassend betrachten: vom Boden über Felder und Wald bis zu Flüssen und Küsten“, sagt der Sprecher des Projekts, Professor Florian Leese von der Universität Duisburg-Essen. „Nur mit verlässlichen Trendanalysen lassen sich frühzeitig Umweltprobleme erkennen und Maßnahmen ergreifen“, ergänzt Henrik Krehenwinkel.

Im Nationalpark Berchtesgaden werden in luftiger Höhe Proben von Fichten entnommen.
Im Nationalpark Berchtesgaden werden in luftiger Höhe Proben von Fichten entnommen.
Für die Umweltprobenbank werden beispielsweise Schalen von Silbermöweneiern von der Nordsee-Vogelschutzinsel Trischen gesammelt.
Für die Umweltprobenbank werden beispielsweise Schalen von Silbermöweneiern von der Nordsee-Vogelschutzinsel Trischen gesammelt

Das Projekt TrenDNA und die Umweltprobenbank

In dem Projekt „TrenDNA – Untersuchungen zur biologischen Vielfalt mit der Umweltprobenbank des Bundes“ arbeiten Forschende der Universität Duisburg-Essen, der Universität Trier, der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung sowie des Fraunhofer Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie zusammen. Das Projekt wird vom Umweltbundesamt mit insgesamt 1,2 Millionen Euro gefördert, von denen ein Anteil von 450.000 Euro auf die Forschung an der Universität Trier entfällt.

Die Umweltprobenbank des Bundes wurde 1985 eingerichtet, um systematisch, langfristig und kontinuierlich den Zustand und die Schadstoffbelastung der Umwelt und des Menschen in ganz Deutschland zu erfassen. Hierfür werden in ausgewählten Gebieten verschiedene Probenarten genommen und archiviert. Die Lagerung auf flüssigem Stickstoff bei bis zu minus 150 Grad macht es möglich, dass die Proben jederzeit und in weitestgehend unverändertem Zustand auch künftig mit heute noch nicht bekannten Verfahren und auf neue Fragestellungen untersucht werden.

Die Universität Trier ist einer von aktuell sechs Projektpartnern der Umweltprobenbank, die vom Umweltbundesamt koordiniert wird. Zu den Aufgaben der Umweltprobenbank-Projektgruppe Trier, die im Fach Biogeographie angesiedelt ist, gehört unter anderem die Auswahl und Beschreibung der Probenahme-Gebiete, die Ausarbeitung und Aktualisierung der Probenahme-Standards, die Durchführung aller Probenahmen für Pflanzen und Tiere sowie die Dokumentation und Auswertung der biometrischen Daten.

Kontakt

Jun.-Prof. Dr. Henrik Krehenwinkel
Ökosystemare Prozessanalyse
Mail: krehenwinkel@uni-trier.de
Tel. +49 651 201-4911