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Größte Fachkonferenz für digitale Geisteswissenschaften

Die Universitäten Trier und Luxemburg werden gemeinsam Gastgeber der Tagung zum Thema „Open Humanities, Open Culture“ sein.

Die Pracht kunsthistorischer Deckengemälde oder mittelalterlicher Buchbestände digital einsehbar machen, ein weiteres Detail hinter der Oberfläche eines Kunstwerks entdecken und untersuchen können. Die Textgenese von Romanen ergründen, an der Erzählweise der Autorinnen und Autoren erkennen, wie über einen Sachverhalt gedacht wird. Datenanalysen an Textcorpora des 19. Jahrhunderts durchführen, Geschichte(n) digital erzählen und erforschen – solche und ähnliche Themen gehören zu dem geisteswissenschaftlichen Arbeitsfeld der Digital Humanities (DH).

Vom 13. bis 17. März 2023 sind zwei Universitäten der Großregion, Trier und Luxemburg, gemeinsam Gastgeber der größten Fachkonferenz für digitale Geisteswissenschaften, der DHd2023. Das Thema „Open Humanities, Open Culture“ wird in Workshops, Vorträgen, Postern und Panels sowohl diskursiv-theoretisch eine Rolle spielen als auch praxisleitendes Prinzip sein. Die Konferenz richtet sich an (digitale) Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, Informatikerinnen und Informatiker sowie IT-Spezialistinnen und -Spezialisten, an Mitarbeitende von Bibliotheken, Archiven oder anderen Wissenseinrichtungen sowie an interessierte Studierende aus dem In- und Ausland.

Großes Potenzial

Die Fachkonferenz findet seit 2014 jährlich statt. Christof Schöch, Professor für Digital Humanities an der Universität Trier und zugleich gemeinsam mit Prof. Dr. Andreas Fickers Sprecher des lokalen Organisationsteams der DHd2023, erklärt: „Wir freuen uns riesig, dass die Forschenden der Großregion Trier-Luxemburg den Zuschlag erhalten haben und Gastgeber sein dürfen für Forschende der Digital Humanities. Wir dürfen sie begrüßen in einer Region, in der europäische Partnerschaft jeden Tag gelebt wird und den Alltag der Menschen bestimmt. Das große Interesse an der DHd2022 in Potsdam mit 1000 Teilnehmenden sowie die zielstrebige Weiterentwicklung des deutschsprachigen DH-Verbandes zeigen nicht zuletzt das große Potenzial dieser Forschungsrichtung: Die Geisteswissenschaften sind ein dynamisches, innovationsfreudiges Forschungsfeld.“

Das Tagungsmotto „Open Humanities, Open Culture“ soll dabei einen wesentlichen Aspekt des Selbstverständnisses der DH sichtbar und explizit machen. „Open Humanities“ knüpft an das etablierte und sehr breite Konzept der „Open Science“ an. Prof. Dr. Christof Schöch betont, dass das Konferenzthema eine Diskussion über die besonderen Bedingungen der Offenheit in den Geisteswissenschaften anregen solle, denen nicht in erster Linie Mess- oder Umfragedaten zugrunde lägen, sondern digitale Repräsentationen kultureller Artefakte im weitesten Sinne. Damit verbunden seien ganz eigene Chancen und Herausforderungen (theoretischer, praktischer und rechtlicher Art).

Foto: Universität Trier und Luxemburg
Foto: Universität Trier und Luxemburg

Reiches Kulturerbe

Die Offenheit und Freiheit, die ein Ideal der Forschung ist, zeigt sich in besonderer Weise in der Wahl der Konferenzstandorte. Prof. Dr. Andreas Fickers, der mit seinem Team des Center for Contemporary and Digital History der Universität Luxemburg auf dem neuen Campus in Belval forscht: „An dem Ort im Süden Luxemburgs, der in diesem Jahr Kulturhauptstadt Europas ist, treffen Vergangenheit und Zukunft sichtbar aufeinander. Neben längst erkalteten braunen Hochöfen der ehemaligen Stahlindustrie finden sich die neuen glänzenden Fassaden der `Digitalarbeiterinnen und -arbeiter´. Das Schlagwort `Open Culture´ betont insofern auch die enge Anbindung der Geisteswissenschaften an das kulturelle Leben unterschiedlicher Orte und Zeiten, wofür beide Tagungsorte mit ihrem reichen Kulturerbe stehen.“

Die Sprecher der DHd2023 verweisen auf die Herausforderung, die die infrastrukturellen und technischen Grundlagen der Digitalisierung für die Geisteswissenschaften haben. Lehrende wie Studierende, Mitarbeitende von Bibliotheken, Archiven und Wissenseinrichtungen haben neue digitale Kompetenzen erworben, pandemiebedingt mussten sie diesen Aneignungsprozess beschleunigen. Diese „digital literacy“ kann nicht rein theoretisch angeeignet werden, sondern muss durch den spielerischen und kritischen Umgang erlernt werden. In diesem Sinne bedeuten „Open Humanities“ auch, dass ein offener Austausch zwischen Geistes- und Natur- oder Technikwissenschaften (besonders der Informations- und Datenwissenschaft) notwendig ist, um die Potenziale der digitalen Forschungsinfrastrukturen, -daten und -werkzeuge kreativ ausschöpfen zu können.

Weitere Informationen

Kontakt

Prof. Dr. Christof Schöch
Digital Humanities/ Trier Center for Digital Humanities
E-Mail: schoech@uni-trier.de

Prof. Dr. Andreas Fickers
Universität Luxemburg
Contemporary and Digital History/ Center for Contemporary and Digital History
E-Mail: andreas.fickers@uni.lu