Was Studierende zur KI-Nutzung bewegt

Eine Studie aus der BWL zeigt, dass ein System vertrauenswürdig sein muss, damit Studierende KI tatsächlich anwenden. Die Erkenntnis ist auch für Arbeitgeber relevant.

KI ist im Alltag vieler Menschen angekommen, so auch an den Universitäten und Hochschulen. Einer CHE-Studie zufolge nutzen über 80 Prozent der Studierenden mindestens wöchentlich KI-Tools. Daher haben viele Einrichtungen eigene, datenschutzkonforme Lösungen eingeführt. Gleichzeitig steigt der Zweifel an den Ergebnissen, die ChatGPT und Co ausspucken. Forschende der Universität Trier haben sich daher angeschaut, was es braucht, damit Nutzende auch tatsächlich ein bestimmtes KI-Tool für die eigene Arbeit einsetzen.

[Translate to Englisch:] Logos verschiedener KI-Anbieter

„Hochschulen aber natürlich auch Arbeitgeber investieren viel in eigene KI-Systeme oder Schnittstellen. Dann wollen sie natürlich sichergehen, dass die eigenen Leute diese auch nutzen und nicht etwa ein externes Tool bevorzugen“, erklärt Jonas Ossadnik aus der BWL den Hintergrund der Fragestellung. Welche Kriterien muss eine KI also erfüllen, um so vertrauenswürdig zu sein, dass aus der Absicht, eine KI zu nutzen auch eine tatsächliche Anwendung eines Tools wird? 

KI muss Integrität ausstrahlen

Am wichtigsten sei den Nutzenden, dass ein System kompetent, also leistungsfähig ist. Doch daneben ist der entscheidende Faktor die wahrgenommene Integrität der KI. „Das bedeutet, die Menschen müssen der Auffassung sein, dass das Tool von klaren Werten geleitet ist oder fair mit Menschen umgeht“, so Ossadnik.     

Die Forschenden hatten 203 Studierende an deutschen Universitäten nach Zustimmung zu bestimmten Aussagen befragt, um festzustellen wie sie Kompetenz, Wohlwollen und Integrität von KI wahrnehmen. Diese drei Dimensionen stammen eigentlich aus einem Vertrauensmodell zur Untersuchung menschlicher Interaktion. Doch inzwischen wird es auch auf die Beziehung von Menschen zu KI angewendet. 

Während das wahrgenommene Wohlwollen, also die Überzeugung, die KI handele im Interesse des Anwenders, keinen Effekt hatte, hatte die Bewertung von Kompetenz und Integrität entscheidenden Einfluss. Für Universitäten oder auch Unternehmen leiten die Forschenden daraus drei Empfehlungen bei der Einführung eigener KI-Tools ab:

  1. Bei eigenen KI-Systemen sollte stets konkret benannt werden, bei welchen Aufgaben und Arbeitsschritten sie helfen können. Der Nutzen des Tools sollte klar sichtbar gemacht werden.
  2. Daneben sollte deutlich kommuniziert werden, an welche Werten sich die Aussagen und Handlungen des Tools orientieren. Inwiefern ein System mit dem menschlichen Gegenüber fair und gerecht agiert, müsse nachvollziehbar sein.
  3. Für Arbeitgeber sei es wichtig zu berücksichtigen, dass die Angestellten von morgen bereits im Studium viel Erfahrung mit KI gesammelt haben. Sie bringen also eine gewisse Erwartungshaltung mit, die von einem firmeneigenen KI-Tool nicht enttäuscht werden dürfe.    

Hinweis: Bei der Studie handelt es sich um ein Arbeitspapier, welches nicht unabhängig begutachtet wurde. Die Prüfung erfolgte bisher einzig intern durch Forschende der Universität Trier. Zur Studie: https://www.uni-trier.de/universitaet/fachbereiche-faecher/fachbereich-iv/faecher/betriebswirtschaftslehre/team/management-organisation-und-personal/forschung/arbeitspapiere

 

Kontakt 

Jonas Ossadnik
Universität Trier
ossadnik@uni-trier.de