Forschungsinitiative Rheinland-Pfalz 2024 - 2028
Das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Gesundheit Rheinland-Pfalz (MWWG) unterstützt im Rahmen der Forschungsinitiative Rheinland-Pfalz die Forschung an der Universität Trier. In der Förderphase 2024 bis 2028 fördert das MWG die Umsetzung vielfältiger Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Forschungsprofils, zur Forschungszusammenarbeit in regionalen, nationalen und internationalen Netzwerken, zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie zur Stärkung von Wissenstransfer und Innovation. Im Mittelpunkt steht der Aufbau neuer Verbundvorhaben.
Die Universität möchte die Entwicklung weiterer Verbundvorhaben unterstützen und hat hierzu zwei Förderprogramme vorgesehen:
Strategiefonds I: Anschubförderung für neue Forschungsideen für Verbundforschungsvorhaben
Gefördert werden Forschungsideen in einem frühen Stadium, bei denen eine aussichtsreiche Perspektive besteht, ein innovatives, interdisziplinäres Forschungskonzept zu entwickeln und dieses zu einem Verbundvorhaben weiterzuentwickeln. Bereitgestellt werden Mittel für Maßnahmen zur Vernetzung und zur Unterstützung bei der Sichtung des Forschungsstands mit max. 10.000 Euro, einsetzbar für die Finanzierung von studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräften, Dienstreisen und Workshops während eines Förderzeitraums von einem Jahr.
Antragsberechtigt sind Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer (einschließlich Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren mit tt). Anträge können jederzeit eingereicht werden. Förderentscheidungen erfolgen voraussichtlich vier Mal jährlich (Februar, April, Juni und Oktober).
Strategiefonds II: Anschubförderung für den Aufbau neuer Vorhaben für Verbundanträge im Rahmen inneruniversitären Wettbewerbsverfahrens
Gefördert werden innovative, zukunftsweisende Forschungsthemen, die einen substanziellen Beitrag zur Profilbildung der Universität Trier leisten. Sie verfügen über das bereits deutlich erkennbare Potential, um sich als Profilbereich zu etablieren und erfolgreich Drittmittel finanzierte Großverbünde einzuwerben. Sie eröffnen weitreichende Anschlussmöglichkeiten für Kooperationen im nationalen und internationalen Kontext. Ihre Bearbeitung setzt die intensive Zusammenarbeit mehrerer Fachdisziplinen voraus.
Die Auswahl der Forschungsvorhaben erfolgt im Rahmen eines inneruniversitären Wettbewerbsverfahrens. Anträge müssen folgende Dokumente beinhalten:
- Aufruf zur Antragstellung
- Dateivorlage für den Projektantrag
- Kommentiertes Muster für den Projektantrag
- Dateivorlage CV
- Kommentiertes Muster für den CV
- Personalmittelsätze der DFG
- Hinweise zur Promovierendenbezahlung der DFG
- FAQ zur Antragstellung
Folgende Verfahrensschritte sind vorgesehen:
31. Mai 2025 Interessenbekundung der Verbundinitiativen zur Antragstellung
15. September 2025 Einreichung Verbundanträge
9. Oktober 2025 Präsentation vor der Hochschulöffentlichkeit
9.-10. Oktober 2025 Klausurtagung des Auswahlgremiums
Mitte November 2025 Sitzung des Forschungsbeirats mit Präsentation der Verbundvorhaben
Dezember 2025 Entscheidung durch das Präsidium
Januar 2026 Beginn der Startförderung für Verbundvorhaben
1. Juli 2026 Förderbeginn für Projektverbünde
Fragen beantwortet der Forschungsservice (Gisela Minn, Tel. -4024, foinirlp2024uni-trierde).
Folgende Profilbereiche werden bereits gefördert:

LODinG. Linked Open Data in den Geisteswissenschaften
Leitung: Prof. Dr. Christof Schöch (Leitung, Co-Sprecher), JProf. Dr. Susanne Kabatnik (Co-Sprecherin), Prof. Dr. Claudine Moulin (Co-Sprecherin)
Welche neuen Wörter wurden im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie geprägt? Wie wurden medizinische Konzepte in der Frühen Neuzeit ausgedrückt? An welchen Stellen weichen die mehrsprachigen Fassungen des EU-Rechts inhaltlich voneinander ab? Welche Bildmotive sind auf historischen Weinetiketten zu finden? Welche thematischen und methodischen Trends hat es in geisteswissenschaftlicher Forschung der letzten 50 Jahre gegeben?
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Diese und viele weitere Forschungsfragen zur Geschichte von Sprache, Kultur, Medien oder Recht können heute mit digitalen Methoden beantwortet werden.
Möglich wird dies, weil immer umfangreichere Bestände digitalisierter Texte und Bilder verfügbar sind; weil Methoden des maschinellen Lernens und der Künstlichen Intelligenz weiterentwickelt und angepasst werden; und nicht zuletzt, weil Wissen über Sprache, Literatur, Kultur, Kunst, Recht und Geschichte zunehmend in Form vernetzter Datensätze zugänglich ist. Die verteilten und vernetzten digitalen Datensätze, also unterschiedliche Bestände von Linked Open Data stehen im Mittelpunkt der Forschungsarbeit. Sie enthalten ähnlich wie Enzyklopädien unser Wissen über die Welt und sollen im Verbund „LODinG“ erweitert, verfeinert, analysiert und für die Beantwortung vielfältiger Fragestellungen genutzt werden.
Das Paradigma der ‚Linked Open Data‘ ermöglicht es, Wissen in maschinenlesbarer, standardisierter und vernetzter Form zu sammeln, zu erschließen, frei verfügbar zu machen und zu analysieren. Personen, Orte oder Publikationen, aber auch Themen, Motive oder Artefakte werden mit eindeutigen Identifikatoren versehen. Durch systematisch aufgebaute Schlagworte und Kategorien können reichhaltige Informationen zu unterschiedlichsten Objekten erfasst und angeboten werden. Die entstehenden Wissensnetze können auf vielfältige Weise abgefragt, statistisch ausgewertet sowie als Grundlage für Visualisierungen und als Ressource für weiterführende Anwendungen genutzt werden.
Im Ergebnis wird der Verbund den großen Nutzen von Linked Open Data für innovative Forschung zu vielfältigen geisteswissenschaftlichen Fragestellungen erschließen und aufzeigen. Zugleich wird Linked Open Data als kohärentes Forschungsparadigma in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier nachhaltig strukturell verankert und ihre Expertise in diesem Bereich national und international sichtbar gemacht.
Der Profilbereich verstärkt die Forschungsschwerpunkte „Gesellschaft, Sprachen und Kulturen im Wandel“ sowie „Daten, Modellierung und Simulation“.

Maritime Transfers
Leitung: Prof. Dr. Ulrike Gehring (Co-Sprecherin), Prof. Dr. Christoph Schäfer (Co-Sprecher)
90 % des grenzüberschreitenden Warenverkehrs läuft heute über den Seeweg. Zwar war das Ausmaß an globaler Vernetzung nie größer als heute, doch folgt der maritime Transfer von Menschen, Gütern und Ideen räumlichen und strukturellen ‚Mustern‘, die bereits in der Antike angelegt und über die Jahrhunderte weiter ausdifferenziert wurden.
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Will man also die Vielfalt und Komplexität dieser Transfers verstehen, muss man die sozialen, ökonomischen und kulturellen Ver- und Entflechtungen unserer Zeit multiperspektivisch wie auch diachron in ihrer historischen Dimension betrachten.
Inwiefern prägen Vergangenheitserfahrungen als Seemächte das politische Handeln von Staaten in der Gegenwart? Welche Strategien verfolgen Seemächte bzw. Seehandelsmächte zur Durchsetzung ihrer politisch-militärisch-strategischen wie auch handels- oder infrastrukturbezogenen Ziele auch gegen den Willen konkurrierender Mächte? Inwiefern beeinflussen Transportwege und -zeiten über See die Kosten des Warenverkehrs und damit die wirtschaftliche Entwicklung überregionaler bzw. internationaler Unternehmungen?
Der Forschungsverbund „Maritime Transfers“ greift ein Schlüsselthema im aktuell prosperierenden und kulturhistorisch verzweigten Feld der auch als ‚Blue History‘ bezeichneten Maritimen Geschichte auf. Im Unterschied zu anglo-amerikanischen Projekten verfolgt das Trierer Verbundvorhaben methodisch eine besondere, weil doppelte Perspektivierung: zum einen befördert es die systematische Erforschung der Transfers von Menschen, Gütern und Ideen, die ohne maritime Verbindung nicht möglich wären. Zum anderen fokussiert es abstrakte Übertragungsmechanismen, die eintreten, sobald maritimes Wissen geteilt wird und beispielsweise Seeverbindungen auf der Grundlage von nautischen Berechnungen neu kalkuliert oder Untersee-Kabelnetze für den interkontinentalen Datenverkehr auf sicherheitspolitische Dynamiken untersucht werden.
Fünf Themenbereiche stehen im Mittelpunkt der Forschungen: 1) Wissenschaft und Fähigkeiten in maritimen Kulturen von der Antike bis zur Neuzeit, 2) Globalisierung der hellenistisch-römischen Welt durch den antiken Suezkanal und die Verbindung zwischen Indischem Ozean und Mittelmeer, 3) maritime Verbindungen und ihr Einfluss auf den Seehandel unter Berücksichtigung nautischer Simulationen, 4) die Erfindung und Inszenierung maritimer Vergangenheiten durch neue, alte Seemächte und 5) maritime Forschungen in der Moderne als Treiber für Analyse und Erklärung von Wetterphänomenen.
Der Profilbereich verstärkt die Forschungsschwerpunkte „Gesellschaft, Sprachen und Kulturen im Wandel“ sowie „Daten, Modellierung und Simulation“.

Sicherung nachhaltiger Umwelt-Mensch-Beziehungen durch den Einsatz von Mikrosimulationsmethoden
Leitung: Prof. Dr. Ralf Münnich
Wie kann angesichts von Dürreperioden die Wasserversorgung sichergestellt werden? Wie können bei Hitzewellen in Städten Wärmeinseln reduziert und damit das Mikroklima verbessert werden?
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Vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels bei gleichzeitig zu konstatierenden globalen Entwicklungen wie steigender Alterung, Urbanisierung und Migration messen wir gesellschaftliches Wohlergehen nicht mehr ausschließlich am wirtschaftlichen Einkommen, vielmehr gewinnen über traditionelle ökonomische Größen hinaus weitere Aspekte an Relevanz, z. B. ökologische Aspekte wie die Biodiversität sowie die Energie- und Wasserversorgung. Dabei stehen wirtschaftliche und ökologische Entwicklungen sowie eine sich ändernde Bevölkerung untereinander in einem überaus komplexen Abhängigkeitsverhältnis.
Im Forschungsverbund erarbeiten Forschende aus der Wirtschafts- und Sozialstatistik, der Mathematik, der Volkswirtschaftslehre sowie den Raum- und Umweltwissenschaften mithilfe moderner Mikrosimulationen Lösungen zur Sicherung nachhaltiger Umwelt-Mensch-Beziehungen. Für dieses politisch hochrelevante und wissenschaftlich herausfordernde Zukunftsthema werden mit mathematisch-statistischen Methoden gesamt- und regionalgesellschaftliche sowie kommunale Prozesse prognostiziert und damit Entscheidungshilfen für verschiedene Politikbereiche gegeben. Der Verbund konzentriert sich auf die Themenfelder „Resiliente Trinkwasserwirtschaft“ und „Urbane Biodiversität und Nachhaltigkeit“. Gleichzeitig entwickelt er die Mikrosimulationsmethoden durch die Integration umweltwissenschaftlicher und geostatistischer Modellierungen weiter.
Der Forschungsverbund stärkt an der Universität Trier die profilgebenden Forschungsschwerpunkte „Daten, Modellierung und Simulation“ sowie „Mensch-Umwelt-Beziehungen“.

Ökonomische Analyse der Geldwäsche
Leitung: Prof. Dr. Scarlett Jansen (Sprecherin), Prof. Dr. Mohamad El-Ghazi (Stellvertretender Sprecher), Prof. Dr. Matthias Neuenkirch (Stellvertretender Sprecher)
Deutschland gilt als Geldwäscheparadies. Grobe Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich Erträge in Höhe von 100 Milliarden Euro aus Straftaten wie Waffenhandel, Menschenhandel, Betäubungsmittelhandel, Korruption und Untreue gewaschen werden.
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Der Geldwäsche werden erhebliche negative gesamtökonomische Implikationen nachgesagt. Doch wie schädlich ist Geldwäsche für die deutsche Wirtschaft und den Finanzmarkt wirklich? Evidenzbasierte Daten dazu fehlen. Die Financial Action Task Force (FATF), der internationale Standardsetzer im Bereich der Geldwäschebekämpfung, hat gerade auch dies in seiner Evaluation des deutschen Geldwäschebekämpfungsregimes beanstandet. Mit dem Verbundvorhaben soll diese Datenlücke geschlossen werden. Das Vorhaben zielt darauf ab, im Wege einer ökonomischen Analyse eine Gesamtbilanz der ökonomischen Folgen der Geldwäsche für das Wirtschafts- und Finanzsystem zu approximieren.
Als besonders anfällig für Geldwäsche gilt der deutsche Immobiliensektor. In einem ersten Schritt sollen daher die ökonomischen Auswirkungen der Geldwäsche auf diesen Sektor bestimmt werden. In Folgeprojekten soll die Methode auf weitere Sektoren ausgeweitet und zu einer Gesamtbilanz zusammengefügt werden. Diese ökonomische Analyse soll es ermöglichen, staatliche Eingriffe risikoorientierter zu gestalten, indem sie dort eingesetzt werden, wo die größten Risiken erkannt werden.
Das Verbundvorhaben leistet einen Beitrag zur Fortentwicklung des Trierer Forschungsprofils im Schnittbereich der profilgebenden Schwerpunkte „Gesellschaften, Sprachen und Kultur im Wandel“ und „Daten, Modellierung und Simulation“. Mit der Geldwäsche zielt das Vorhaben auf die Analyse eines Kriminalitätsfeldes, dem eine überragende gesellschaftliche Bedeutung beigemessen wird. Es wird vermutet, dass ein nicht unerheblicher Teil der auf dem Immobilienmarkt zu beobachtenden Preissteigerungen auf Geldwäscheaktivitäten zurückzuführen ist. Dass Kriminelle die Früchte ihrer Taten genießen können, widerstrebt zudem dem Gerechtigkeitspostulat und bedroht den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Das Vorhaben verwendet bekannte und neue ökonometrische Modelle. Der interdisziplinäre Forschungsansatz ist im Strafrecht deutschlandweit bisher einzigartig, obwohl in den Bereichen des Wirtschafts-, Finanz- und Steuerstrafrechts ein großer Forschungsbedarf in Bezug auf eine ökonomische Analyse besteht. Die Forschungsgruppe kann dazu beitragen, evidente Lücken in einem interdisziplinären Forschungsfeld zu schließen.

Digitale Souveränität Europas (DigitS EU)
Leitung: Prof. Dr. Antje von Ungern-Sternberg (Sprecherin), Prof. Dr. Benjamin Raue (Co-Sprecher)
Die Europäische Union begegnet den Herausforderungen des digitalen Wandels mit dem Versuch, europäische Vorstellungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens durch Gesetzgebung abzusichern.
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Während man andernorts bei der Gestaltung des digitalen Wandels dem Ideal einer kontrollierten Gesellschaft (China) oder des „Laissez-Faire“ (USA) anhängt, will die Europäische Union auch im Digitalzeitalter wirtschaftlichen Wohlstand und zentrale Werte wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit durch einen grundrechtsorientierten Ansatz bewahren und fördern. Dazu verabschiedet die EU derzeit umfangreiche Gesetzespakete,
- um ein sicheres und vertrauenswürdiges Online-Umfeld zu gewährleisten und schädliche Inhalte auf Online-Plattformen zu bekämpfen (Digital Services Act),
- einen fairen Wettbewerb der großen Digitalkonzerne herzustellen (Digital Markets Act),
- die Potentiale der künstlichen Intelligenz nutzbar zu machen und ihre Risiken einzuhegen (AI Act-Entwurf) sowie
- die Datenschätze öffentlicher Stellen und der Wirtschaft zu erschließen (Data Governance Act; Data Act-Entwurf).
DigitS EU will die Kreation einer eigenständigen europäischen Digitalordnung und die damit verbundenen Anstrengungen der EU, sich gegenüber internationalen Digital-konzernen und konkurrierenden Rechtsordnungen zu behaupten, interdisziplinär wissenschaftlich begleiten. Als Bezugsrahmen dienen grundrechtsorientierte Wertvorstellungen und Normen zum Schutz marktwirtschaftlicher Freiheit, sozialer Verantwortung und pluralistischer Meinungsbildung.
Im Mittelpunkt von DigitS EU stehen Reaktionen und Auswirkungen des Rechts auf die Veränderung aller Lebensbereiche durch die Digitalisierung und die mit ihr einhergehenden Entwicklungen (Datafizierung, Plattfomisierung, Algorithmisierung). Um die Auswirkungen der Digitalrechtsregulierung auf die regulierten Bereiche abzuschätzen, findet in Forschungsfeld II eine Empirie der Online-Meinungsbildung mithilfe von Simulationen und Modellierungen statt. Die Teilbereiche I und III fokussieren auf die Implikationen für Recht, Politik und Wirtschaft und nehmen eine normative, theoretische und empirische Analyse dieser Entwicklung vor.
Das Projekt entwickelt den universitären Profilbereich „Daten, Modellierung und Simulation“ weiter, der auch den Wandel des Rechts durch die Digitalisierung sowie die Schlüsselressource Information umfasst. Es schlägt gleichzeitig eine Brücke zum Profilbereich „Gesellschaft, Sprachen und Kulturen im Wandel“.
Zudem leistet das Projekt einen sichtbaren Beitrag zur Digitalstrategie des Landes Rheinland-Pfalz, die zentrale Rahmenbedingungen wie die Transformation von Wirtschafts- und Arbeitswelt durch Digitalisierung wirkungsvoll und im Interesse der Menschen gestalten will. Dazu wollen wir mit Konzepten für eine folgenorientierte und grundrechtsgeleitete Gestaltung der Digitalisierung von Recht, Politik und Wirtschaft beitragen.

Künstliche Intelligenz (KI) und Interventionen für psychische Gesundheit
Leitung: Prof. Dr. Gunther Meinlschmidt (Sprecher), Prof. Dr. Michael Bosnjak (Co-Sprecher), Prof. Dr. Wolfgang Lutz (Co-Sprecher), Dr. Laura-Ashley Fraunfelter (Vertreterin der Nachwuchswissenschaftler*innen)
Psychische Störungen belasten viele Menschen – mit Folgen für Familien, Bildung und Arbeit. Wartezeiten auf adäquate Behandlung sind lang, weltweit fehlen Fachkräfte im Bereich psychische Gesundheit. Hilfe bei psychischen Problemen wird immer häufiger digital gesucht – zunehmend auch bei Anbietern generativer Künstliche Intelligenz (KI)-Tools (u. a. Anthropic, Google, Mistral, OpenAI), die für viele zu einer ersten Anlaufstelle bei seelischen Belastungen geworden sind. Welche Chancen birgt diese Entwicklung und mit welchen Risiken ist sie verbunden?
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KI kann verständlich informieren, mehrsprachig begleiten und zwischen Behandlungsterminen Orientierung geben. Sie kann jedoch auch überzeugend Falsches generieren („halluzinieren“), Krisen verkennen, Vorurteile verstärken oder sensible Daten gefährden. Unter anderem weil KI empathisch klingen kann, wird sie häufig als “Psychotherapie-Ersatz” genutzt. Genau hier setzt der Verbund an: Wir klären Nutzen, Grenzen und “Nebenwirkungen” von KI für psychische Gesundheit – und entwickeln verantwortungsvolle Werkzeuge. Sicherheit und Regelkonformität laufen von Anfang an mit: Prüfprotokolle und Leitlinien zu Datenschutz, Fairness, Erklärbarkeit und Verantwortlichkeit werden erarbeitet.
Im Mittelpunkt stehen KI‑gestützte Anwendungen im Kontext der Psychotherapie und für die psychologische/psychotherapeutische Aus‑ und Weiterbildung: z. B. „blended care“ (Kombination aus persönlicher Behandlung und digitalen Elementen), Einübung von klinisch-praktischen Kompetenzen, Therapieplanung, Evaluation von Therapiefortschritten, Dokumentation sowie verlässliche Wissenssynthese aus Studien und Leitlinien. Ein weiterer Schwerpunkt sind KI‑Simulationen psychotherapeutischer Gespräche, die beispielsweise für Forschung, Aus- und Weiterbildung genutzt werden können.
Interdisziplinär arbeiten an der Universität Trier Psychologie/Psychotherapie (Hochschulambulanzen), Informatik/Wirtschaftsinformatik (u. a. Außenstelle Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, DFKI), Pflegewissenschaft, Rechtswissenschaft (Institut für Recht und Digitalisierung Trier, IRDT), Philosophie/Ethik (Trierer Institut für Angewandte Ethik, TRIANE) und Lehr‑Lernforschung zusammen.
Das Vorhaben stärkt die Forschung an der Universität Trier in den Querschnittsdimensionen Transformation, Resilienz, Digitalität und Diversität und setzt insbesondere Impulse für die Brückenthemen bzw. Forschungsschwerpunkte “Komplexität, Unsicherheit, Modellierung”, “Gesundheitsförderung” und “Menschzentrierte Künstliche Intelligenz”.

Beyond noise: Harnessing variability in cognitive and neural systems
Jenseits des Rauschens: Nutzen von Variabilität in neurokognitiven Systemen
Leitung: Prof. Dr. Yana Fandakova (Sprecherin), Prof. Dr. Christian Frings (Co-Sprecher)
Warum fällt es uns in manchen Situationen schwer, uns an den Namen einer Person zu erinnern, während wir ihn in einer anderen ohne Schwierigkeiten abrufen können? Warum fällt uns Konzentration an manchen Tagen leichter als an anderen? Warum können selbst Profisportler ihre Leistung nicht beliebig wiederholen?
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Menschliches Verhalten ist nie völlig konstant – es schwankt von Moment zu Moment, von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag. Diese Schwankungen betreffen unsere körperlichen Funktionen, unsere Gehirnaktivität, unsere Gedanken und Gefühle. Lange Zeit wurde diese Variabilität als unerwünschtes „Rauschen“ betrachtet, das in wissenschaftlichen Untersuchungen möglichst reduziert oder kontrolliert werden sollte. Neue Forschungsergebnisse legen jedoch nahe, dass diese Schwankungen selbst bedeutsame Informationen liefern können– etwa darüber, wie Menschen sich an neue Anforderungen anpassen, lernen und sich weiterentwickeln.
Der interdisziplinäre Forschungsverbund „Beyond Noise" untersucht Schwankungen im Erleben und Verhalten aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven. Psychologie, Philosophie, Neurowissenschaften, Informatik und Pflegewissenschaft arbeiten zusammen, um drei zentrale Fragen zu beantworten. Im Zentrum steht die Frage, wie Schwankungen im Denken, Handeln und Fühlen mit Veränderungen in der Gehirnaktivität zusammenhängen und durch verschiedene Umweltfaktoren beeinflusst werden. Darüber hinaus erforschen wir die funktionale Bedeutung von Variabilität. Einerseits untersuchen wir, in welchen Situationen sich negative Folgen von Variabilität zeigen und wie diese reduziert werden können. Andererseits kann Variabilität auch eine wichtige adaptive Funktion erfüllen. Wir prüfen die Annahme, dass Schwankungen im Denken, Handeln und Fühlen es Menschen ermöglichen, relevante Informationen über ihre Umwelt zu entdecken, flexibler auf neue Herausforderungen zu reagieren und dadurch ihre Kompetenzen zu erweitern.
Die Untersuchung von Variabilität und ihrer Rolle für Anpassungsfähigkeit eröffnet neue Möglichkeiten, Lernen, Entwicklung und Gesundheit besser vorherzusagen und gezielt zu fördern. Gleichzeitig liefert sie wichtige Impulse dafür, wie wir Umgebungen gestalten können, die günstige Schwankungen unterstützen und ungünstige Schwankungen verringern. Der Forschungsverbund „Beyond Noise“ trägt damit zu einem besseren Verständnis individueller und gesellschaftlicher Veränderungsprozesse bei. Er stärkt die Querschnittsdimensionen Resilienz und Transformation der Universität Trier und schafft Bezüge zu mehreren Brückenthemen, darunter Kognition, Handeln, Umwelt und Unsicherheit. Durch den Einsatz innovativer Technologien und Methoden sowie die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit leistet der Verbund zudem einen wichtigen Beitrag zu den Querschnittsdimensionen Digitalität und Diversität sowie zu den Brückenthemen Variation, Modellierung und Wissen.

Der Wert der Natur
Leitung: Prof. Dr. Birgit Peters (Sprecherin)
Natur schützt man nicht mit guten Absichten allein. Es braucht klare Verantwortung, wirksame Haftung und Preise, die ökologische Schäden realistisch abbilden. Daher müssen wir uns fragen: Hat Natur einen Preis? Haben Flüsse, Berge, Wälder eigene Rechte? Was sind wir als Gesellschaft bereit, für Naturschutz auszugeben? Was sind geeignete Regelungsinstrumente? Und wie kann der Wert der Natur Eingang in marktwirtschaftliche Entscheidungsprozesse finden?
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Der Verbund geht diesen Fragen interdisziplinär auf den Grund. Wir erforschen den Stellenwert von Natur und Naturschutz in der Gesellschaft, aus rechtlicher, wirtschaftlicher, ökologischer und philosophischer Sicht. Wir widmen uns der Frage, wie neue, möglicherweise auch gegenläufige Wertvorstellungen von Natur in rechtliche Regelungen umgesetzt werden können. Denn trotz verschiedener Konzepte, wie Natur ein wirtschaftlicher Wert zugeschrieben werden kann, fehlen bis heute klare Haftungsregeln und realistische Preise, die die zunehmende Verschlechterung von Natur und Biodiversität sichtbar machen; es fehlen ebenso wirksame rechtliche Instrumente, die Verantwortlichkeiten für großflächige Umweltzerstörungen klar definieren. Neue europäische Naturschutzregelungen sorgen zudem für Unklarheit.
An der Universität Trier bündeln wir Expertise im Bereich der Mensch-Umwelt-Beziehungen, um innovative Lösungsansätze für eine der drängendsten Fragen unserer Zeit zu entwickeln. So trägt unser Vorhaben zur Schärfung des Profils der Universität in den Querschnittsdimensionen Transformation, Resilienz und Diversität bei. Denn zu der Verantwortung von Mensch und Gesellschaft zählt der Erhalt der Biodiversität. Dazu verlangt der disruptive Wandel Ökosystemen eine erhöhte Widerstandskraft ab.

CONAR. Contested Narratives und umkämpfte Öffentlichkeiten. Akteurkonstellationen,
Techniken und Wirkungen
Leitung: Prof. Dr. Christian Nuernbergk (Sprecher), Prof. Dr. Kristin Shi-Kupfer (Co-Sprecherin), Prof. Dr. Pascal Jürgens (Co-Sprecher)
Narrative sind mehr als Meinungen oder Fakten – sie sind Deutungen, die Ereignisse zu einer Geschichte verknüpfen und ihnen eine Richtung geben. Narrative prägen, wie globale Handlungsfelder – Kriege, Klimaschutz oder Migration – und aktuelle Diskurse etwa zu KI oder Gender und Diversität wahrgenommen werden. Sie können die Vergangenheit verklären und Abstiegsszenarien entwerfen, wo andere Chancen und notwendigen Wandel sehen – und so komplexe, polarisierende Themen vereinfacht statt differenziert betrachten. Das kann Menschen über emotionale Ansprache wie Verlustängste mobilisieren, aber auch verunsichern und demokratische Verständigung erschweren. Über selektive Erzählungen formen Narrative Öffentlichkeit.
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Narrative verbreiten sich auf den digitalen Plattformen, die zu Arenen gesellschaftlicher und politischer Auseinandersetzung geworden sind. Der Forschungverbund, an dem die Fächer Amerikanistik, Computerlinguistik, Medienwissenschaft, Politikwissenschaft, Psychologie und Sinologie beteiligt sind, untersucht, wie sich die Erkennung von Narrativen und die Analyse ihrer Verbreitungsprozesse in umkämpften Öffentlichkeiten verbessern lässt. Welche Muster weisen umstrittene Narrative auf? Und wie kann ihr Wirkpotenzial bewertet werden? Auf diese Weise leistet die Forschungsgruppe einen Beitrag zur Verbesserung gesellschaftlicher Resilienz. Sie wird Erkenntnisse darüber liefern, welche Muster von Narrativen in digitalen Öffentlichkeiten zirkulieren und welche Erzählungen sich in der Kommunikation auf Plattformen wie X oder TikTok und in klassischen Medien durchsetzen.
Der Forschungsverbund untersucht Narrative mit einem integrierten Ansatz: Wir vergleichen Systemkontexte (EU, USA und China), Medien und Plattformkanäle (z. B. soziale Medien und TV-Formate) sowie Quellentypen (Sprechende aus Journalismus, Politik, Wissenschaft). Fortschritte durch KI bei automatisierter Erhebungs- und Erkennungstechnik ermöglichen in der Kombination mit manuellen Analyen eine umfassendere Untersuchung von Kommunikation als bisher. Themen, kommunikationve Strategien und Techniken werden systematisch verglichen. Die Wahrnehmung besonders relevant identifizierter Narrative wird in Fallstudien untersucht. Wirkweisen (z. B. auf das Vertrauen in gesellschaftspolitische Institutionen) können so psychologisch analysiert und Handlungsempfehlungen abgeleitet werden.
Das Forschungsvorhaben stärkt das Profil der Universität in den Querschnittsdimensionen Digitalität, Diversität, Resilienz und Transformation und verbindet die Brückenthemen bzw. Forschungsschwerpunkte.

