Teilprojekt 2
Bücher, ihre Hersteller und ihre Besitzer in neuen Siedlungsräumen (15.–16. Jahrhundert)
Bücher als mobile Kulturobjekte stellen einen wesentlichen Baustein des kulturellen, religiösen und intellektuellen Lebens der jüdischen Diaspora dar. Teilprojekt 2 untersucht Handschriften, die seit dem späten 14. Jahrhundert aus dem deutschsprachigen Reichsgebiet (dem mittelalterlichen Aschkenas) in die Migration mitgenommen wurden. Damit leistet es einen Beitrag zur Erforschung der Buchkultur von Aschkenasim in deren neuen Lebenswelten. Die Praktiken in der Herstellung von Büchern, aber auch die Formen der Rezeption, darunter der materiale Umgang mit Büchern (wie das Sammeln) änderten sich während des 15. und 16. Jahrhunderts fortwährend.
In der ersten Förderphase beschäftigt sich das Teilprojekt mit Büchern und Buchsammlungen aschkenasischer Migranten in Italien. Im Mittelpunkt steht in erster Linie die spätmittelalterliche Handschriftenkultur. Da sich jedoch die Geschichte des hebräischen Frühdrucks mit der spätmittelalterlichen Handschriftenkultur überschneidet, werden frühe Drucke in Fallbeispielen ebenfalls berücksichtigt. Um die Tragweite dieser Dynamiken und die Rolle der Buchkultur in ihnen zu erfassen, sollen folgende Kategorien in den Blick genommen werden:
- Handschriften, die in Aschkenas hergestellt wurden, aber in Italien angebrachte Besitzervermerke oder ähnliche Paratexte aufweisen;
- Bücher, die in Italien für aschkenasische Auftraggeber kopiert oder mit einem Blick auf eine spezifisch aschkenasische Leserschaft gedruckt wurden;
- Buchlisten, die auf einen Migrationshintergrund schließen lassen, sowie
- biographische Daten zu einzelnen Buchbesitzern, Schreibern oder Druckern.
Team
Projektleitung: Prof. Dr. Katrin Kogman-Appel
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Dr. Ilona Steimann
