Teilprojekt 5
Kontinuität und Wandel jüdischer Raumorganisation in den deutschen Landen zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit
Zu den grundlegenden Veränderungen in der deutsch-jüdischen Geschichte im Übergang zur Frühen Neuzeit zählt das Ende der alten urbanen Gemeinden durch die Vertreibungen des ‚langen‘ 15. Jahrhunderts, wodurch sich der Siedlungsschwerpunkt innerhalb des Reichs in ländliche Lebenswelten verlagerte. Bereits im Mittelalter hatten jüdische Niederlassungen im ländlichen Raum bestanden, die häufig nicht über eine eigene gemeindliche Organisation verfügten, sondern in vielfacher Weise auf die traditionsreichen städtischen Gemeinden mit ihren Synagogen, Friedhöfen und Rabbinatsgerichten hin ausgerichtet waren. Nach deren Wegfall können wir beobachten, wie diese nunmehr verwaisten Peripherien bemüht waren, die Traditionen ihrer ehemaligen Zentren gemeinsam aufrechtzuerhalten.
Teilprojekt 5 fragt nach dem Zusammenhang zwischen diesen Bestrebungen und den Landesjudenschaften, wie wir sie insbesondere nach dem Dreißigjährigen Krieg als Instrumente fürstlicher Territorialherrschaft kennen. Es untersucht, in welchem Maße sich hier Formen älterer Raumorganisation über den Bruch der Vertreibungen hinaus halten konnten, wo und warum es im Fortgang zu einem Abbruch oder Neuanfang kam und auf welche Weise die mittelalterlichen Strukturen dann territorial überformt wurden. Das Teilprojekt wertet dazu vorrangig die innerjüdische Überlieferung systematisch aus und bringt sie in Dialog mit ausgewählten Quellen externer Provenienz. Auf diese Weise möchte es zeigen, wie die in Deutschland verbliebenen Juden ihre veränderten Lebenswelten gestalteten, indem sie sie in größtmögliche Kontinuität zu den Organisationsformen der Vergangenheit zu setzen versuchten.
Titelabbildung: Karte der jüdischen Niederlassungen im Südwesten des Reiches 1451–1520, mit Angaben
zu (meist schon nicht mehr bestehenden) Gemeinden (qehillot) und Friedhöfen sowie zu den medinot des 16. Jhs.
Entwurf: Lucia Raspe; Zeichnung: Arye Maimon-Institut.
