Grafik Border Realities

Border Realities.
Zur Renaissance der Grenze in unsicheren Zeiten

Vortragsreihe des interdisziplinären Kompetenzzentrums
UniGR-Center for Border Studies

Im Zuge der Pandemie wurden erstmalig seit der Nationenbildung die Grenzen von vielen Ländern gleichzeitig geschlossen. Dieses Ereignis kann als (vorläufiger) Höhepunkt einer ganzen Reihe an territorialen (Selbst-)Versicherheitlichungen betrachtet werden, welche die in den 1990er Jahren aufgekommene Idee der „Borderless World“ in Frage stellt. Das Wiedererstarken von Grenzen geht vor allem auf jüngere Ereignisse zurück, wie der plötzliche Anstieg terroristischer Anschläge nach der Jahrtauendwende, die aufkeimenden Nationalismen, wachsenden sozialen Ungleichheiten oder die anhaltende Krise des Migrationsmanagements der westlichen Staaten. Sie haben nicht nur eine forcierte Digitalisierung der Grenzregime, temporäre Wiedereinführung von Grenzkontrollen im Schengen-Raum oder die Abschottung der EU-Außengrenzen bewirkt. Sie haben auch zu gesteigerten Ungewissheiten, sozialen Fragmentierungen und zu einer Vervielfältigung von Grenzanlagen geführt. 

Diese Entwicklung legt nahe, dass wir sowohl im globalen Maßstab als auch in den Europäischen Grenzregionen in ein Zeitalter der Grenzen eingetreten sind. Die Grenzforschung ist vor diesem Hintergrund mit geeignetem Orientierungs- und Handlungswissen besonders herausgefordert. Darauf baut die mehrsprachige Vortragsreihe auf und bringt zum einen die Vielzahl der Themen und Ansätze des multiparadigmatischen Arbeitsfelds zusammen. Zum anderen werden Forschungsergebnisse zur Diskussion gestellt, die aus der Bearbeitung aktueller Probleme und Herausforderungen resultieren und die Signatur der Grenze tragen. Dafür eingeladen sind internationale Forscher*innen der raum- und kulturwissenschaftlichen Grenzforschung.

Die Online-Vortragsreihe ist öffentlich und richtet sich an Forschende, Studierende und interessierte Praktiker*innen aus der Großregion und darüber hinaus. Arbeitssprachen sind Deutsch, Französisch und Englisch. Kontakt: Denise Rodrigues Marafona (denise.rodriguesmarafona@uni.lu)

Nächster Termin:
06.12.2021 Peter Ulrich (BTU Cottbus-Senftenberg)
Die Grenze im Zentrum.
Bedingungen für gelingende grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Europa der Grenzregionen in unsicheren Zeiten

In den letzten Jahren ist eine Renaissance der Grenze(n) in den europäischen Grenzregionen zu beobachten. Doch bereits zuvor war die Grenze auch im Schengenland präsent - allerdings im Hintergrund und eher unscheinbar. Die Grenze wurde im Zuge des europäischen Integrationspozesses ins Zentrum gerückt, um ein “Europa der Grenzregionen” zu befördern mit zahlreichen euroregional-institutionellen Kooperationen über EU-Grenzen hinweg. Die Grenze als multidimensionale und komplexe Entität wurde hier als Ressource und Bedingung für grenzüberschreitende Kooperation verstanden. Im Vortrag wird auf diese Korrelation von grenzbezogenen Faktoren und auf grenzüberschreitende Kooperations- und Governance-Prozesse eingegangen – aus einer vor-pandemischen Perspektive und in Zeiten der Corona-Krise.

Moderation: Christian Wille (UniGR-CBS, Universität Luxemburg)
Anmeldung erforderlich (Zoom): https://bit.ly/3jcDx2g