Reisestipendium 2025

Das TAP-Reisestipendium wurde auch 2025 wieder an drei Studierende mit spannenden Forschungsvorhaben verliehen. Hier ist ein kleiner Einblick in ihre Forschungsvorhaben:  

 

Sophie Bentlage

Die Yuanzhumin als Akteur*innen von Innovation – die Aushandlung von Selbstbestimmung im politischen Kontext Taiwans am Beispiel von Qalang Smangus

Taiwan präsentiert sich international als Pionier in der Förderung indigener Rechte und transkultureller Netzwerke. Doch wie erleben indigene Gemeinschaften diese Politik, und in welchem Verhältnis steht sie zu deren gelebter Selbstbestimmung? Diese Arbeit untersucht das Fallbeispiel von Qalang Smangus, einer selbstverwalteten Atayal-Gemeinschaft, um zu analysieren, wie sich indigene Selbstorganisation zu den staatlichen Zielsetzungen verhält. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Wie gestaltet sich das Verhältnis der Selbstbestimmung indigener Gemeinschaften, am Beispiel von Qalang Smangus, zur staatlichen Zielsetzung der taiwanesischen Politik, und inwiefern kann das daraus abgeleitete Modell als Strategie für den Umgang mit globalen Megatrends herangezogen werden? Durch qualitative Methoden wie Interviews und teilnehmende Beobachtung wird untersucht, inwieweit politische Maßnahmen als Unterstützung oder als Einschränkung wahrgenommen werden. Zudem wird reflektiert, welche Rolle indigene Akteure in der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung Taiwans spielen und welche Strategien sie angesichts sozioökonomischer Herausforderungen entwickeln.

 

Artur Bleischwitz

Wafers & Workers Arbeitsorganisation und Produktionsregime in der taiwanischen Halbleiterindustrie

Das Forschungsprojekt „Wafers & Workers" untersuchte im Zeitraum vom 28. Juli bis 30. September 2025 die Arbeitsorganisation und Produktionsregime in der tai wanischen Halbleiterindustrie, mit besonderem Fokus auf die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC). Der zweimonatige Forschungsaufenthalt wurde durch das Forschungsreisestipendium des Verbundprojekts Taiwan als Pionier (TAP) ermöglicht und konzentrierte sich auf die Frage, wie TSMC durch betriebliche Soziali sation und Managementmethoden Mitarbeiterbindung und Arbeitsdisziplin herstellt. Das Projekt wurde in Kooperation mit Prof. Dr. Stefan Schmalz (Friedrich-Schiller Universität Jena) und Prof. Dr. Yu-fan Chiu (National Yang Ming Chiao Tung University, Hsinchu) durchgeführt. Während des Aufenthalts wurden sieben quali tative Interviews mit insgesamt neun Interviewpartner:innen geführt, darunter vier Experteninterviews mit Wissenschaftler:innen und Gewerkschaftsvertreter:innen so wie drei Mitarbeiterinterviews mit TSMC-Beschäftigten und Zulieferern. Ergänzend erfolgten Besichtigungen von Industrieparks, der Besuch des TSMC Museum of Innovation sowie die Teilnahme an der Industriemesse SEMICON Taiwan. Der Taiwan-Bezug der Forschung ergibt sich aus der einzigartigen Stellung TSMCs in der globalen Halbleiterindustrie sowie der spezifischen Konstellation taiwanischer Arbeitsbeziehungen. Die Untersuchung leistet einen Beitrag zur arbeitssoziologi schen Forschung über technologieintensive Produktionsregime und erweitert das Verständnis über Managementpraktiken in der taiwanischen Halbleiterindustrie. Das Taiwan-als-Pionier-Stipendium erwies sich als unverzichtbare Grundlage für das Projekt. Die finanzielle Förderung ermöglichte einen intensiven Forschungs aufenthalt. Besonders wertvoll war die Möglichkeit, durch längeren Aufenthalt vor Ort Vertrauen zu Interviewpartner:innen aufzubauen und tiefere Einblicke in die Arbeitsrealitäten zu gewinnen.