Prachtvoller kann ein Konzertauftakt nicht sein. Vivaldi schrieb sein einziges Trompetenkonzert für zwei Solist:innen. Wunderbar erklingt das Wechselspiel von Griseldis Lichdi und Florian Chamot, vom Orchester des Collegium Musicum souverän begleitet. Die strahlende Musik, damals komponiert für den prunkvollen Auftritt barocker Sonnenkönig:innen erreicht heute die Herzen aller glücklichen Menschen. Den langsamen Mittelsatz des klassisch-italienischen Konzertschemas reduziert Vivaldi auf eine Melodiezeile mit der Silvia Carlitz warm und hingebungsvoll zu den dynamischen Kontrasten und der brillanten Schlusssequenz des dritten Satzes überleitet.
Diese großartige Unbeschwertheit kontrastiert Johann Sebastian Bach in der folgenden kunstvollen Motette Jesu, meine Freude mit einer umfassenden Analyse der menschlichen Geschöpflichkeit, differenziert vorgetragen vom Kammerensemble des Collegium-Chors und begleitet vom Basso continuo mit Lilia Held am Cello und Jian Cao an der zierlichen Truhenorgel. Beginnend mit der schlichten, aufrichtigen Frömmigkeit Bachs im ersten, namengebenden Choral führt die kraftvolle Zurückweisung menschlicher Versuchungen und übermächtiger Todesfurcht zur Einsicht in die Geistlichkeit des Menschen in der zentralen fünfstimmigen Fuge. Diese prägt mit ihren überlagernden Melodien und komplexen Läufen ebenso den Charakter des Werks wie die klanglichen Kontraste in den a-tre-Reduzierungen der Stimmlagen im So aber Christus in euch ist … und der sanfte Gesang der kleinen Concertino-Gruppe, die im anrührenden Gute Nacht, o Wesen … alle menschlichen Schwächen in den Schlaf des Vergessens zu wiegen scheint.
Die Treffsicherheit Johann Sebastian Bachs musikalischer Analyse muss sich in der folgenden Motette Unser Leben ist ein Schatten seines Großonkels Johann Bach unmittelbar in der Konfrontation mit der menschlichen Realität beweisen. Deren Schicksalswendungen werden darin – im Erinnern an die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges – als unwägbar und ungewiss beschrieben. Der ratsuchende große Chor im Altarraum sucht Bestätigung im Antwortgesang der Vorsinger unter der Empore. Das tastende Zwiegespräch füllt den Kirchenraum und findet Trost im Heilsversprechen, auf das die unbeirrte Musik Johann Bachs nachdrücklich verweist.







