Von links: Prof. Dr. Roland Eckert, Joseph Pütz, Prof. Dr. Michael Jäckel, Prof. Dr. Wolfgang Kühlwein und Ignaz Bender.

40 Jahre eigenständige Universität Trier

In einer Feierstunde erinnerten Zeitzeugen an die Anfangsjahre

„Das gab es noch nie“, polterte Hermann Eicher, damaliger Finanzminister, als Ignaz Bender, erster Kanzler der Universität Trier, ihm erklärte, dass er die finanziellen Mittel unbesetzter Personalstellen für den Kauf von Büchern der Universitätsbibliothek Trier freigeben solle. Heute ist die Verlagerung von Geldern im Haushalt weniger ein Problem. In den Anfangsjahren der Universität Trier sei das jedoch undenkbar gewesen.

Anlässlich der 40-jährigen Unabhängigkeit der Universität Trier blickten Wegbereiter und Zeitzeugen auf den Verlauf der Eigenständigkeit in einer öffentlichen Feierstunde zurück. 100 Gäste waren gekommen, um andächtig den Anekdoten alter Zeiten zu lauschen, unter ihnen die beiden ersten Trier Universitätspräsidenten Prof. Dr. Arnd Morkel und Prof. Dr. Jörg Hasler sowie der derzeitige Vizepräsident der TU Kaiserslautern, Prof. Dr. Arnd Potzsch-Heffter.

Den Abend eröffnete ein Chronik-Film, der die Zuschauer an die Hand nahm und im Zeitraffer durch die Geschichte der Uni Trier führte. Die Hintergründe und Schwierigkeiten der Anfangszeit veranschaulichten in einer Podiumsrunde Ignaz Bender, Prof. Dr. Wolfgang Kühlwein, ehemaliger Vizepräsident der  Doppeluniversität Trier-Kaiserslautern, Joseph Pütz, erster Leiter der Haushaltsabteilung und Dr. Roland Eckert, einer der ersten Professoren der eigenständigen Universität im Fachbereich Soziologie. Universitätspräsident Prof. Dr. Michael Jäckel moderierte das Gespräch.

„Der rote Felsen über der Mosel war unser rettendes Ufer“, stellt Eckert zu der Entscheidung über den ersten Standort der Universität Trier fest. Bereits ein Jahr nach dem Memorandum der Landesregierung zur Eröffnung eines zweiten Universitätsstandortes starteten 1970 die ersten 356 Studenten an drei Fakultäten mit 27 Professoren in ihr Studium. Doch im Schneidershof wurde es schon bald zu klein und die Bebauung der Tarforster Höhe begann. Studentenkarawanen überquerten das Tal, die sich nichts sehnlicher als eine Seilbahn zwischen Schneidershof und Tarforster Höhe wünschten. Manche Vorlesungen wurden zwei Mal gehalten, um überhaupt allen Studierenden die Teilnahme an den Veranstaltungen zu ermöglichen.

Die Trennung der Doppeluniversitäten war dabei von Beginn an mitgedacht sowie von den Trierer Bürgern und Medien unterstützt. Um die Zustimmung zu einem zweiten Universitätsstandort in Rheinland-Pfalz zu erreichen, musste der damalige Ministerpräsident Bernhard Vogel zunächst eine Mehrheit im Landtag finden. Trier stellte allein nur 15 Prozent der Abgeordneten. Vogel bediente sich einer List und bezog die Abgebordneten Kaiserslauterns mit ein, woraufhin Trier und Kaiserslautern gemeinsam ein Zustimmungsverhältnis von 58 Prozent im rheinland-pfälzischen Landtag erlangten.

 „Das Spannendste an den Anfangsjahren der Universität war der Gestaltungsspielraum. Die Uni und die Fachbereiche, alles konnte ohne Angst vor Gruppenegoismen frei gestaltet werden“, lobte Kühlwein die Phase des Aufbaus. Hierbei war das junge Alter der Professoren im Anschluss an die Studentenproteste der 68er-Bewegung eine herausragende Stärke der Universität. Nur wenig älter als die Studierenden, wussten sie zwischen der Leitung, den Lehrenden und den Studierenden zu vermitteln. Auch wenn trotzdem der ein oder andere Professor in seinem Büro gefangen gehalten wurde oder der Unisport Flugblätter mit der Aufschrift „Wir lassen unsere Körper nicht für den Kapitalismus stählern“ verteilte, zeichnete Pragmatismus das universitäre Leben aus.

Im Bann sanfter Töne des Pianos, gespielt von Jerry Felten, verzaubert und eingefangen in der Stimmung des Anfangs, schloss Universitätspräsident Jäckel die Feierstunde mit den Worten des ersten Universitätspräsidenten Morkel: „Der Ausbau der Universität verlief alles andere als planmäßig, willkürlich war er nicht.“

Hintergrund
Universität feiert ihren Unabhängigkeitstag – Doppeluni Trier-Kaiserslautern wurde am 1. Januar 1975 aufgelöst

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