Jedes Jahr gibt es für Kinder von Mitarbeitenden der Universität Trier bei der Ferienbetreuung rund um das Zirkuszelt auf dem Campus Spiel und Spaß.

Die erste familiengerechte Universität Deutschlands

Seit 2002 trägt die Uni ein Zertifikat, das ihr Engagement für Vereinbarkeit von Familie mit Studium/Beruf honoriert. Wie zwei Uni-Angehörige den Balance-Akt schaffen.

Wenn man mit Dr. Sibylle Rahner, Leiterin des Familienbüros der Universität Trier, spricht, merkt man, wie sehr ihr das Thema Vereinbarkeit am Herzen liegt. Sie ist die Person, an die sich Studierende, Promovierende oder Mitarbeitende wenden, wenn sie Fragen haben zum Vereinbaren von Familienaufgaben mit ihrer Tätigkeit an der Universität. Ins Familienbüro kommt die schwangere Studentin, die nicht sicher ist, ob sie ein Urlaubssemester nehmen soll oder gar muss, wenn das Kind auf der Welt ist. Ebenso wenden sich Mitarbeitende an das Familienbüro, die pflegebedürftige Angehörige haben und wissen wollen, ob es vielleicht möglich ist, die Arbeitszeit zu reduzieren.

„Wir haben an der Universität einen weit gefassten Begriff von Familie. Familie ist überall dort, wo Menschen dauerhaft füreinander Verantwortung übernehmen. Für Fragen der Vereinbarkeit gibt es oft keine Standardlösungen, daher beraten wir immer individuell“, sagt die Leiterin des Familienbüros.

„audit familiengerechte hochschule“ von Universität Trier mitentwickelt

Sibylle Rahner weiß zu erzählen, wie es „damals“ vor 20 Jahren war, als die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch nicht in aller Munde war. Denn sie hat als Projektverantwortliche miterlebt, wie die Universität Trier im Juni 2002 als erste Universität in Deutschland das „audit familiengerechte hochschule“ erhalten hat. Aber noch mehr als das: Als wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem gleichnamigen Drittmittelprojekt in Kooperation mit der gemeinnützigen Hertiestiftung war sie selbst maßgeblich an der Entwicklung des Managementinstruments und Zertifikats beteiligt. Seit 20 Jahren ist die Universität Trier nun durchgehend zertifiziert. Alle drei Jahre durchläuft sie ein Rezertifizierungsverfahren.

Fragt man Rahner nach ihrem Fazit der Bemühungen der vergangenen 20 Jahre, kann sie einige Angebote aufzählen, die mittlerweile nicht mehr aus dem Uni-Alltag wegzudenken sind: Neben dem Familienbüro selbst mit seinem umfassenden Beratungsangebot sind es vor allem die Ferienangebote wie die „UniKids“, die Ad-hoc-Betreuung, das Eltern-Kind-Arbeitszimmer, aber auch die Unterstützung der Elterninitiative „Flohzirkus“. Die Universität lässt die Räume des Flohzirkus, in denen Eltern gegenseitig ihre Kinder betreuen, in den nächsten Wochen renovieren. Auch das Studierendenwerk hält eine Reihe von Unterstützungsangeboten für studierende Eltern bereit.

„Familie geht uns alle an“

„Familie geht uns alle an“. Diesen Satz wiederholt Rahner oft. Es ist sozusagen die Mission des Familienbüros, diesen Gedanken in die Köpfe von Mitarbeitenden und Studierenden der Universität Trier zu bringen. Gemeinsam mit der universitären Personalentwicklung/Fortbildung bietet Sibylle Rahner regelmäßig auch Workshops für Führungskräfte an, in denen es um „familienbewusstes Führen“ geht. „Bei familienbewusster Personal- und Studierendenpolitik nehmen Führungskräfte eine Schlüsselposition ein. Sie geben den Ausschlag, in welchem Maß sich Beruf, Studium, wissenschaftliche Qualifizierung und Familie tatsächlich vereinbaren lassen“, sagt die Leiterin der Familienbüros.

Auch der Universitätsleitung ist Familienfreundlichkeit ein wichtiges Anliegen. „Seit 20 Jahren ist die Universität Trier mit dem „audit familiengerechte hochschule“ zertifiziert. Wir werden auch zukünftig dieser Aufgabe verpflichtet sein und entwickeln die Rahmenbedingungen auf der Grundlage dieser Tradition weiter“, sagt Universitätspräsident Prof. Dr. Michael Jäckel.

Pflege und Beruf

Eine flexiblere Abwesenheitsregelung ist das, was sich Beate Plapper noch an Rahmenbedingungen wünschen würde. Die Universitätsmitarbeiterin musste die Organisation der Pflege ihrer Schwiegermutter und ihres Schwiegervaters mit ihrer Tätigkeit im Sekretariat einer Professur unter einen Hut bekommen. Oft mussten Telefonate während der eigentlichen Dienstzeit geführt oder Krankenhausaufenthalte organisiert werden. Ohne ihren verständnisvollen Chef wäre das schwer gewesen. „Wenn es eine Zeiterfassungsregelung gäbe, mit der man auch kurzfristig einzelne Tage unbezahlten Urlaub bekommen könnte, um akute Aufgaben für die Pflege zu erledigen, wäre mir sehr geholfen“, sagt die Diplom-Betriebswirtin.

Sibylle Rahner vom Familienbüro weiß, wie belastend eine Pflegesituation gerade für die Betroffenen sein kann und dass es schwierig ist, pflegenden Angehörigen individuell passende Unterstützungsangebote zur Verfügung zu stellen. „Vieles hängt von den politischen oder gesetzlichen Rahmenbedingungen ab, auf die wir als Universität wenig Einfluss haben. Auch bereits gute Möglichkeiten flexibler Arbeitsorganisation, wie zum Beispiel im Pflegezeitgesetz verankert, reichen im Einzelfall manchmal dann doch nicht aus.“

Vortragsreihe für pflegende Angehörige

Was die Universität jedoch machen kann, ist, Informationen zur Verfügung stellen und zu beraten. Gemeinsam mit der Fortbildungsabteilung hatte das Familienbüro beispielsweise eine sechsteilige Veranstaltungsreihe für pflegende Angehörige organisiert.

„Die Informationsveranstaltung zur Vollmacht hat uns wirklich gerettet“, sagt Universitätsmitarbeiterin Beate Plapper. Durch die Information dort konnten gerade noch rechtzeitig die Angelegenheiten ihrer Schwiegermutter geregelt werden. Aber auch die praktischen Tipps zur Beantragung von Pflegestufen hätten ihr weitergeholfen. „Man denkt immer, dass man bereits gut zum Thema Pflege informiert ist. Aber ich habe in der Fortbildung auf jeden Fall wertvolle, direkt umsetzbare Tipps erfahren.“ Dass Pflege ein Thema ist, das viele angeht, wurde ihr deutlich, als in den Informationsveranstaltungen der Universität Trier für pflegende Angehörige Männer ebenso wie Frauen waren, Studierende ebenso wie Mitarbeitende, Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter ebenso wie Führungskräfte. Für das Wintersemester 2022/23 sind wieder drei Pflege-Vorträge im Rahmen der universitären Fortbildung geplant. „Am besten informieren, schon bevor die Pflege akut ist, dann kann man im Ernstfall schnell handeln“, empfiehlt Beate Plapper.

Studieren mit Kind(ern)

Auch Nele Simon betreibt „Vereinbarkeitsmanagement“. Die Informatik-Studentin, die eigentlich anders heißt, hat zwei kleine Kinder. „Der Vorteil als Studentin ist, dass man sehr flexibel ist. Als die Kinder noch nicht in der Betreuung waren, habe ich oft nachts gelernt, wenn sie geschlafen haben“, berichtet sie. „Ein Problem ist jedoch, dass die Kinderbetreuung fixe Zeiten hat und diese nicht immer mit den Uni-Veranstaltungen übereinstimmen.“ Großeltern, die bei einem Seminar am Abend auf die Enkel aufpassen könnten, hat Nele Simon nicht in der Nähe. Sie und ihr Mann managen die Kinderbetreuung allein. Ein Vorteil sei, dass ihr Mann ebenfalls studiert. So haben sich die beiden „den Großen“ manchmal auf dem Campus übergeben, damit der jeweils andere Elternteil dann in die Vorlesung gehen konnte.

Eine kleinere logistische Herausforderung mit Kind auf dem Campus war für sie die Zugänglichkeit zu den Wickeltischen, vor allem an Campus II. Obwohl es auf Campus I und II Wickeltische gibt, waren die im Notfall häufig schlecht erreichbar beziehungsweise teilweise abgeschlossen. „Wenn solche Dinge auffallen, können Uni-Angehörige immer zu uns kommen. Wir schauen, was sich machen lässt“, sagt Sibylle Rahner vom Familienbüro. „Und was die „Wickeltisch-Situation“ angeht, lässt sich natürlich etwas machen: An mehreren, leicht zugänglichen Stellen in den Universitätsgebäuden werden demnächst weitere Wickelmöglichkeiten geschaffen werden.“

Familienbüro vermittelt Ansprechpersonen

Generell hat Nele Simon bei ihren Professoren viel Entgegenkommen erlebt. In einem Seminar hätte sie sich sogar den Termin für einen Vortrag selbst aussuchen dürfen. „Etwas blöd ist, dass ich einige Prüfungen entweder nur im Sommer- oder Wintersemester schreiben kann.“ Wenn eine Prüfung dann wegen der Kinder nicht in dem aktuellen Semester möglich ist, verlängert sich das Studium gleich um zwei Semester.

„Es braucht oft viel eigene Recherche, wenn man herausfinden will, ob es beispielsweise möglich ist, eine Prüfung zu verschieben.“ Geholfen hat ihr dabei auch das Familienbüro der Universität Trier. „Das Familienbüro kennt vergleichbare Fälle. Das ist hilfreich“, sagt die Studentin. Das Familienbüro vermittelt dann auch die richtigen Ansprechpersonen an der Universität oder setzt sich – mit Erlaubnis der Beratungssuchenden – direkt mit den Kolleginnen und Kollegen in Verbindung.

„In 20 Jahren wurde an der Universität Trier für die Vereinbarkeit schon viel geschafft, aber natürlich gibt es immer noch Herausforderungen,“, resümiert Sibylle Rahner. Sich ständig ändernde Rahmenbedingungen in Familie, Gesellschaft und Universität erfordern stetig neue und sich wandelnde familienorientierte Konzepte. Dieser Herausforderung stellt sich die Universität Trier und das Audit hilft uns dabei, immer noch ein Stückchen besser zu werden.“

Mehr Infos auf der Website des Familienbüros

Kontakt

Dr. Sibylle Rahner
Familienbüro
Mail: rahner@uni-trier.de
Tel. +49 651 201-3198