Abteilung Entwicklungspsychologie - Prof. Dr. Jan Hofer

Forschungsgegenstand der Entwicklungspsychologie ist die Beschreibung, Erklärung, Modifikation und Optimierung von Entwicklungsprozessen über die gesamte Lebensspanne, d.h. von der Zeugung des Menschen bis zu seinem Tod. Innerhalb dieses weiten zeitlichen und konzeptuellen Rahmens fokussieren entwicklungspsychologische Theorien und Untersuchungen sowohl auf Gesetzmäßigkeiten als auch auf differentielle Verläufe in der Entwicklung, welche die Plastizität und Fülle von Entwicklungsprozessen widerspiegeln. Die Vielfalt von Entwicklungsverläufen ergibt sich aus dem Zusammenspiel von persönlichen, zum Teil anlagebedingten, und kontextuellen Faktoren. Die Untersuchung des Zusammenwirkens dieser Faktoren ist eine der grundlegenden Aufgabenstellungen der Entwicklungspsychologie.

Kontexte der Entwicklung umfassen dabei unter anderem die Bereiche Familie, Gleichaltrige, Schule und Beruf, aber auch die Kultur, in der Menschen aufwachsen und leben. In der entwicklungspsychologischen Forschung wird der kulturelle Kontext vielfach als eine primäre Quelle von Faktoren erachtet, die der Entwicklung des Individuums Richtung und Form verleihen. Demgemäß ist Entwicklung ein Prozess der Anpassung eines Individuums an seine soziale und physische Umwelt, der nicht ohne die kontextuelle/kulturelle Umwelt und die biologischen (evolutionären) Grundlagen verstanden werden kann.

Forschungsschwerpunkte der Abteilung Entwicklungspsychologie

Im Laufe ihrer Entwicklung vom Neugeborenen zum Erwachsenen müssen Menschen eine Reihe von Entwicklungsaufgaben lösen, um verschiedene Fähigkeiten zu erwerben, die Grundlage für eine gelingende Lebensgestaltung sind. Nach Erik Erikson beginnt dieser Prozess mit dem Erwerb von Urvertrauen in der frühen Kindheit und endet im Alter mit der Akzeptanz der eigenen Endlichkeit. In Anlehnung an sein psychosoziales Modell der lebenslangen Entwicklung konzentriert sich die Forschung der Abteilung Entwicklungspsychologie in Trier auf die Lösung solch universeller Entwicklungsaufgaben. Im Mittelpunkt stehen hierbei bisher

  • die Entwicklung einer eigenen Identität im Jugendalter,
  • das Erleben zwischenmenschlicher Intimität,
  • das Engagement für nachfolgende Generationen (Generativität) im Erwachsenenalter,
  • Prozesse erfolgreichen Alterns (Ich-Integrität) im späten Erwachsenenalter sowie
  • die Gestaltung der eigenen Entwicklung und der Rückblick auf gewählte wie ausgeschlagene Entwicklungspfade.

Eine Besonderheit der Trierer Entwicklungspsychologie liegt in der Berücksichtigung der Auswirkung unbewusster (impliziter) Handlungsmotive auf das individuelle Erleben und Verhalten sowie auf die Lösung von Entwicklungsaufgaben (beispielsweise bei der Bindung an Ziele und Werte im Zuge der Suche nach einer eigenen Identität im Jugendalter und als Quelle generativen Verhaltens im Erwachsenenalter). Im Grunde bestimmen implizite Motive weniger, wie Menschen sich in einer konkreten Entscheidungssituation verhalten, als vielmehr, in welchen Situationen Menschen sich eher wohl oder unwohl fühlen und welche Situationen Menschen spontan aufsuchen oder meiden würden.

Um mehr darüber zu erfahren, wie sich implizite Motive schon in der frühen Kindheit entwickeln, werden anstehende Untersuchungen vor allem zwei Fragen aufgreifen: Welche sozialen Faktoren beeinflussen die Motiventwicklung, und inwieweit spiegeln sich implizite Motive bereits im Verhalten und Erleben von Kindern wider?

Eine zweite Besonderheit der Entwicklungspsychologie an der Universität Trier ist ihre kulturvergleichende Ausrichtung. Wie es der universelle Charakter der Entwicklungsaufgaben nahelegt, wurden viele der Untersuchungen mit Kooperationspartner/innen im subsaharischen Afrika, in Asien, Europa und Lateinamerika durchgeführt. Forschungen außerhalb des vertrauten "westlichen" kulturellen Kontextes erlauben es uns, bestehende entwicklungspsychologische Befunde auf den Prüfstand zu stellen und sowohl universelle Entwicklungsverläufe als auch kulturspezifische Einflüsse auf die menschliche Entwicklung zu identifizieren.

Schwerpunkte in der Lehre

In den Lehrveranstaltungen der Abteilung (Vorlesungen, Seminare, Projektarbeiten) werden sowohl im Bachelor- wie auch im Masterstudiengang (Track: Kompetenzentwicklung im Lebenslauf) aktuelle entwicklungspsychologische Konzepte, Theorien und Kenntnisse theoretisch und praktisch vermittelt. Darüber hinaus trägt die Entwicklungspsychologie in der Lehre zur abteilungsübergreifenden Methodenausbildung bei.

Forschungspraktikum für Studierende

Die aktuellen Forschungspraktikumsangebote der Abteilung Entwicklungspsychologie finden Sie unter der Rubrik "Forschungspraktika".