Prof. Dr. Marc Oliver Rieger (rechts) und Dr. Amin Ashtiani haben untersucht, wie Geld glücklich machen kann.

Geld macht doch glücklich

Wirtschaftswissenschaftler der Universität Trier haben untersucht, wie finanzielles Handeln das eigene Wohlbefinden beeinflusst.

Geld kann Menschen auf verschiedene Weise glücklich machen. Der eine steigert sein subjektives Wohlbefinden, indem er Geld ausgibt, ein anderer indem er es spart. Prof. Dr. Marc Oliver Rieger, Dr. Amin Ashtiani und Thomas Dudek haben wissenschaftlich untersucht, wie der Umgang mit Geld das eigene Wohlbefinden beeinflusst. Dazu haben sie in einem Experiment auch das Verhalten von Amerikanern und Deutschen verglichen.

Die Wissenschaftler der Universität Trier haben in ihrer Studie zwei Aspekte in den Fokus gerückt. Beim ersten geht es darum, dass Menschen ihr Wohlbefinden dadurch steigern können, dass sie Geld entsprechend ihren persönlichen Präferenzen verwenden. So fühlen sich sparfreudige Menschen besser, wenn sie etwas auf die hohe Kante legen können. Konsumorientierten verschafft es dagegen ein gutes Gefühl, Geld auszugeben.

Vergleich dämpft das Glücksgefühl

Umstrittener als dieser in wissenschaftlichen Studien bereits belegte Effekt ist der zweite Gesichtspunkt. So haben Forscher festgestellt, dass eine Gehaltserhöhung nicht zwangsläufig das subjektive Wohlbefinden steigert. Als Glückshemmer wirkt hier die Neigung des Menschen, sich mit anderen oder einem allgemeinen Standard zu vergleichen. So kann ein höherer Lohnzuwachs bei einem Kollegen oder ein allgemein stark gestiegener Lebensstandard die Freude über eine eigene Gehaltserhöhung dämpfen. Dieses Phänomen haben die Wissenschaftler um Betriebswirtschaftslehre-Professor Marc Oliver Rieger in einem Experiment mit Deutschen und US-Amerikanern näher beleuchtet.

In ihrem Experiment sahen die Trierer Wissenschaftler ihre Erwartung bestätigt, dass der soziale Vergleich für die Bürger der beiden Staaten einen unterschiedlichen Stellenwert hat: Amerikanern ist dieser weitaus wichtiger als Deutschen. Wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, ihren eigenen finanziellen Status kontinuierlich mit dem anderer zu vergleichen, dann kann sie Sparen glücklich machen. Im „echten Leben“ ist es aber viel einfacher, Konsum miteinander zu vergleichen: Die neue Küche des Nachbarn, das Auto des Kollegen – so etwas lässt sich viel einfacher vergleichen als die Summe des Ersparten. Dieser Effekt kann also erklären, warum Amerikaner durchschnittlich konsumorientierter als Deutsche sind.

Amerikanern ist der Vergleich eben wichtiger, und der funktioniert über den Kauf von Konsum- und Luxusgütern. Insofern macht es Amerikaner im Schnitt glücklicher, wenn sie Geld ausgeben und damit ihre eigene Position im Verhältnis zu anderen verbessern können. Zudem steigert konsumorientiertes Verhalten das Wohlbefinden von Amerikanern, weil sie damit gängigen gesellschaftlichen Erwartungen und Normen entsprechen.

Sparen hat für Deutsche einen hohen Stellenwert

In Deutschland haben dagegen Vorsorge und Sparen einen höheren gesellschaftlichen und kulturellen Stellenwert. Insofern steigern Deutsche ihr Wohlbefinden, wenn sie Geld sparen und somit sozialen Normen entsprechen. Der soziale Vergleich mit der Umgebung beeinflusst das Glücksempfinden von Deutschen dagegen deutlich weniger als das von Amerikanern.

Die Studie von Prof. Dr. Marc Oliver Rieger, Dr. Amin Ashtiani und Thomas Dudek ist unter dem Titel „Happy Savers and Happy Spenders:  An experimental study comparing US Americans and Germans” im „Journal of Behavioral and Experimental Economics“ veröffentlicht und online verfügbar.

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