20.12.2010 - 09:35

Prof. Claudine Moulin erhielt in Mainz den Akademiepreis des Landes

Nobelpreisträger zur Hausen: „Sie erfüllt die Voraussetzungen in idealer Weise“

Hohe Auszeichnung für die Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Claudine Moulin von der Universität Trier: In der Mainzer Staatskanzlei erhielt sie den Akademiepreis des Landes Rheinland-Pfalz, den Bildungsministerin Doris Ahnen und die Präsidentin der Akademie, Prof. Dr. Elke Lütjen-Drecoll, überreichten. Der Akademiepreis wird seit neun Jahren an Persönlichkeiten verliehen, die in Hochschulen des Landes herausragende und vorbildhafte Leistungen in Lehre und Forschung erbracht und maßgeblich den wissenschaftlichen Nachwuchs gefördert haben. Claudine Moulin ist seit 1. Oktober 2003 Professorin für Sprachgeschichte mit Schwerpunkt Deutsch im Mittelalter an der Universität Trier. 

"Der Akademie-Preis erfüllt mich mit sehr großer Demut und gleichzeitig mit einer unendlichen Freude. Akademien der Wissenschaften sind ein besonderer Ort der Forschung, sie schaffen aber auch Räume der Begegnung zwischen Wissenschaften, Künsten und der Gesellschaft. Umso mehr ist es eine große Ehre für mich, den Preis entgegenzunehmen", sagte Claudine Moulin, die sich zugleich für die Unterstützung durch das Land, die Akademie und die Universität bedankte.

Wie viele andere Gäste auch, konnte Medizin-Nobelpreisträger Prof. Dr. Harald zur Hausen wegen des Wintereinbruchs nicht zur Feier anreisen. In seiner verlesenen Laudatio bezeichnete er die Verleihung des Preises an Prof. Moulin als eine besonders gute Wahl. „Sie ist eine in der historischen Sprachwissenschaft des Deutschen herausragende und hochqualifizierte Wissenschaftlerin von internationalem Rang.“ Sie setze ihre Tatkraft gleichermaßen in Lehre und Forschung ein und erfülle damit die Voraussetzungen für die Vergabe des Preises in geradezu idealer Weise. Zur Hausen rekapitulierte den international geprägten wissenschaftlichen Werdegang der Preisträgerin, der von bedeutenden Auszeichnungen flankiert ist. „Sie verbindet als Wissenschaftlerin souverän unbedingte Quellenorientierung, eine vergleichende europäische Perspektive, neue EDV-philologische Methoden, wissenschaftliche Fantasie und Innovationsfähigkeit“, lobte zur Hausen. Richtungweisend sei die Berücksichtigung des gesamteuropäischen Zusammenhangs.

Der interdisziplinären Zusammenarbeit messe Prof. Moulin einen hohen Stellenwert bei. Sichtbare Zeichen dieser Ausrichtung seien die Leitung des Kompetenzzentrums für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften sowie ihre Vorstandsarbeit als Mitbegründerin des von der Exzellenzinitiative des Landes geförderten Historisch-kulturwissenschaftlichen Forschungszentrums Trier.

Auch in der Lehre und Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses habe Prof. Moulin Hervorragendes geleistet. „Sie gehört zu den jungen Professorinnen, die die Zusammenarbeit in großen internationalen Projektteams und die Ausbildung von Studierenden sowie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses neben der Forschung als zentrale Aspekte ihrer Arbeit begreifen, wodurch sie deutlich ihr Verständnis der Einheit von Forschung und Lehre zum Ausdruck bringt“, würdigte der Laudator die vielseitigen Veranlagungen der Wissenschaftlerin.

Ihr sei es außerdem gelungen, die Erziehungszeiten ihrer beiden Kinder mit Forschungsaufenthalten in Oxford sowie Lehraufträgen an den Universitäten Bamberg und Zürich zu vereinbaren. „Damit hat Frau Moulin eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sich eine anspruchsvolle wissenschaftliche Karriere und Familie miteinander verbinden lassen“.

In ihrem Vortrag „Vom mittelalterlichen Griffel zum Computer-Tagging. Zur sprach- und kulturgeschichtlichen Bedeutung der Annotation“ beschäftigte sich die Preisträgerin mit einer besonderen Erscheinung der Schriftkultur, dem nachträglichen Schreiben in Texte und Bücher. Diese zwischen den Zeilen oder am Blattrand hinzugefügten Annotationen späterer Hand können Eintragungen einzelner Wörter und Sätze bis hin zu ganzen Textpassagen umfassen, ferner Korrekturen sowie Unterstreichungen, Zettel und Lesezeichen sowie Zeichnungen. Diese „Paratexte“ gehören zu den wenigen Zeugen, die über die tatsächliche Benutzung von Büchern Auskunft geben. Sie helfen die Frage zu beantworten, von wem, wann und wie Texte gelesen wurden. Ferner bieten sie etwa für das Verständnis der mittelalterlichen Wissensaneignung und Wissenstradierung einen einmaligen Ausgangspunkt, der bis in die heutige Zeit der „Digital Humanities“ Traditionslinien eröffnet und auch für die Web 2.0-Technologie intensiv benutzt wird.




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