Ein Trierer Oberbürgermeister, der Spuren hinterließ

Universität-Trier-Historikerin Lena Haase stellt am 15. August im Stadtarchiv ihre Biografie zu Wilhelm von Haw (1783-1862) vor.

Ein Ort, um die Freizeit zu genießen – dieses Bedürfnis hatten bereits die Trierer im 19. Jahrhundert. So ein Ort ist – damals wie heute – das Naherholungsgebiet um das Weißhaus. Entscheidend mitgeprägt hat das Aussehen dieses Ortes der Trierer Oberbürgermeister Wilhelm von Haw (1783-1862). Rechtzeitig zum Karl-Marx-Jahr veröffentlicht nun Lena Haase, Historikerin an der Universität Trier, eine Biografie zu dem bedeutenden Lokalpolitiker und Zeitgenossen des kommunistischen Vordenkers.

Das Leben dieses Mannes hat es ihr angetan. Immer wieder ist die junge Historikerin Lena Haase in lokalgeschichtlichen Dokumenten auf Wilhelm von Haw gestoßen, der von 1818 bis 1839 Oberbürgermeister in Trier war. „Besonders spannend fand ich den Aspekt, dass er zwei Systemwechsel mitgemacht und sich jeweils gut angepasst hat. Aufgewachsen ist er im absolutistischen System, war zuerst im französischen Staatsdienst unter Napoleon, danach im preußischen tätig“, erklärt sie. Eine wissenschaftliche Studie zu dem Wirken des studierten Juristen in Trier gab es bisher noch nicht. Diese Lücke wollte Lena Haase schließen; erst mit ihrer Masterarbeit und nun mit einer 340 Seiten schweren Monografie. Für das Buch mit dem Titel „Der Trierer Oberbürgermeister Wilhelm von Haw (1783-1862) – Eine politische Biographie zwischen Liberalismus, Katholizismus und preußischem Staat“ (Publikationen aus dem Stadtarchiv Trier, Band 5) hatte Haase Stunden im Stadtarchiv Trier und im Landeshauptarchiv Koblenz verbracht und die Quellen, die alle in Kurrent-Handschrift verfasst waren, ausgewertet.

Wilhelm von Haw
Wilhelm von Haw. Quelle: Stadtarchiv Trier, Trierer Porträts, Nr. 264

Eisenbahn und Kanalisierung der Mosel

Bei ihren Recherchen stieß sie dann auch immer wieder auf Spuren seiner Arbeit, die noch heute in Trier sichtbar sind. So hat Wilhelm von Haw entscheidend an der Kanalisierung der Mosel mitgewirkt. Oder an der Überwölbung des Weber-Baches, der damals ein Herd für Krankheiten war. Oder an der Eisenbahnanbindung von Trier. Oder an der Gründung einer Schule für Mädchen.

Gerade im Jahr des 200. Geburtstages von Karl Marx ist natürlich auch die Frage interessant, wie Wilhelm von Haw den kommunistischen Vordenker in seiner Trierer Zeit beeinflusst haben könnte. Fakt ist: Wilhelm von Haw lebte wie die Familie Marx in der Simeonstraße. Dass sich der Vater Heinrich Marx und Wilhelm von Haw kannten, ist nachweisbar. „Ich bin mir sicher: Karl Marx und Wilhelm von Haw haben in vielen Themen übereingestimmt. Beispielsweise war ihnen die Pressefreiheit ein Anliegen oder die steuerliche Entlastung der unteren Schichten. Nur über die Mittel und Wege zum Erreichen dieser Ziele dürften sie sich nicht einig gewesen sein.“

Simeonstraße
Ansicht der Simeonstraße 1840. Anonymer Künstler. Quelle: Stadtmuseum Simeonstift Trier, Inv. Nr. V 1204

Ebenso wie Karl Marx war Wilhelm von Haw nicht gerade beliebt beim preußischen Staat: „Er nahm kein Blatt vor den Mund und kritisierte die höheren Verwaltungsstellen“, sagt Lena Haase. Dies dürfte auch der Grund gewesen sein, warum man ihm 1839 den vorzeitigen Ruhestand nahegelegt hat.

► Mehr Infos zu Lena Haase

Buchpräsentation zu Wilhelm von Haw mit Grußworten von Prof. Dr. Michael Embach (Direktor der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs Trier), Prof. Dr. Michael Jäckel (Präsident der Universität Trier) und Wolfram Leibe (Oberbürgermeister der Stadt Trier)

Datum: 15. August 2018, 18 Uhr

Ort: Lesesaal der Stadtbibliothek Trier

Kontakt

Lena Haase
Neuere und Neueste Geschichte
E-Mail: haase@uni-trier.de
Tel.: 0651 201-3332