Die Trierer Hochschulen ermutigten beim 1. Hochschul-Inklusionstag Menschen mit Behinderung, ein Studium anzufangen.

Trierer Hochschulen wollen bis 2022 barrierefrei werden

Beim 1. Hochschul-Inklusionstag ging es um die Belange von Studierenden mit körperlichen und psychischen Einschränkungen.

Dass es noch einige Hürden zu meistern gibt, weiß auch Nathalie Beßler. Dennoch ist die Beauftragte für die Belange Studierender mit Behinderung der Universität Trier zuversichtlich: „Mit dem Hochschul-Inklusionstag heute haben wir einen ersten wichtigen Schritt gemacht, um die Hürden im Kopf und Berührungsängste, die es gibt, abzubauen.“ Die Belange von Studierenden mit körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen in den Fokus zu rücken, war das gemeinsame Anliegen von Universität, Hochschule und Theologischer Fakultät, die den 1. Trierer Hochschul-Inklusionstag ausgerichtet haben.

Wie wichtig das Thema Inklusion für ihn ist, betonte Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf in seinem Grußwort: „Mein Ziel ist es Türen zu öffnen, um Rahmenbedingungen zu schaffen, die es Menschen ermöglicht, eigene Wege zu gehen, individuell ihre Neigungen und Qualifikationen zu entfalten und sich neue Horizonte zu eröffnen. Insofern bin ich sehr dankbar, dass sich die Universität Trier, die Hochschule Trier und die Theologische Fakultät Trier des bedeutenden Themas Inklusion angenommen und den 1. Trierer Hochschul-Inklusionstag organisiert haben. Wir wollen eine volle und wirksame Beteiligung am Hochschulleben erreichen. Eine solche chancengleiche Teilhabe erfordert die Gestaltung einer barrierefreien Umwelt, die es nötig macht, bauliche Hindernisse, kommunikative, organisatorisch strukturelle, didaktische und auch gedankliche Barrieren zu überwinden. Der heutige Hochschul-Inklusionstag in Trier soll helfen, das Denken neu zu orientieren und die Türen für Menschen mit Behinderungen an den Hochschulen noch weiter zu öffnen.“

Auch für Universitätspräsident Prof. Dr. Michael Jäckel ist die Inklusion eine wichtige Aufgabe: „Es gibt bereits viele Möglichkeiten wie den Nachteilsausgleich, die das Studieren mit körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen erleichtern. Mit dem Hochschul-Inklusionstag wollen wir auf solche Angebote aufmerksam machen und Personen mit Behinderung oder chronischen Krankheiten ermutigen zu studieren.“ Der Nachteilsausgleich ermöglicht es Studierenden mit Behinderung oder chronischen Krankheiten, Prüfungen beispielsweise innerhalb einer verlängerten Bearbeitungszeit oder in anderer, gleichwertiger Form zu erbringen.

Studium mit Nachteilsaugleich

Genaue Zahlen, wie viele Studierende in Trier eine chronische Krankheit oder Behinderung haben, gibt es nicht. Deutschlandweit – so fand eine Erhebung des Deutschen Studentenwerks heraus – leben elf Prozent aller Studierender mit einer oder mehreren Beeinträchtigungen. Wiederum 60 Prozent davon leiden an einer psychischen Krankheit. Nathalie Beßler: „Gerade Studierende mit psychischen Krankheiten haben oft Angst, einen Nachteilsausgleich zu beantragen und dadurch von Lehrenden stigmatisiert zu werden. Ein Ziel des Hochschul-Inklusionstages ist es, Dozenten über die Anliegen von Studierenden mit Beeinträchtigungen zu informieren.“

Wie steuert sich ein Rolli? Im Parcours konnte man es ausprobieren.
An zahlreichen Infoständen stellten Trierer Initiativen ihre Unterstützungsangebote vor.
Was die Redner (hier Behindertenbeauftragte Nathalie Beßler) sagten, wurde von Schriftdolmetschern live mitgeschrieben und auf einen Bildschirm übertragen.
Matthias Rösch (Landesbehindertenbeauftragter), Prof. Dr. Konrad Wolf (Wissenschaftsminister), Dr. Frank Meyer (Moderator) und Prof. Dr. Michael Jäckel (Universitätspräsident) unterstrichen die Bedeutung der Inklusion.
Was Menschen mit Tinitus hören, demonstrierten die Phonetiker der Uni Trier.
Vertreterinnen des AStA führten in die Gebärdensprache ein.
Nichts zum Sehen beim Hörfilmkino.
Studierende mit Beeinträchtigung berichteten über ihre Erfahrungen.

Für viele Dozenten ist es bereits jetzt selbstverständlich, Studierende mit Beeinträchtigung bei der Teilnahme an Lehrveranstaltungen zu unterstützen, berichtet eine Vertreterin des autonomen Referats Behinderter und chronisch Kranker des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA). So haben die meisten Dozenten beispielsweise kein Problem damit, in ihren Vorlesungen und Seminaren spezielle Mikrofone zu verwenden, die es Personen mit Hörschädigung erleichtern, an Lehrveranstaltungen teilzunehmen. „In Einzelfällen gibt es aber leider doch immer noch Probleme. Wir würden uns hier mehr Empathie und Verständnis wünschen. Schon mit Kleinigkeiten kann man Studierenden mit Beeinträchtigung helfen“, so die Vertreterin des AStA.

Gründung des Hochschul-Inklusions-Panel für Studium, Transfer und Austausch

Um Studierende mit Beeinträchtigung noch besser beraten und unterstützen zu können, hat sich beim Inklusionstag das Hochschul-Inklusions-Panel für Studium, Transfer und Austausch (HIPSTA) neu gegründet. Es setzt sich zusammen aus Vertretern der drei Trierer Hochschulen, des Studiwerks und der Allgemeinen Studierendenausschüsse. Das ehrgeizig formulierte Ziel von HIPSTA ist es, die Hochschulen bis 2022 barrierefrei zu machen. Nathalie Beßler: „Uns geht es hierbei vor allem darum, Barrieren im Kopf abzubauen und an vielen kleinen Stellschrauben zu drehen. Wir wissen, wie viel noch zu tun ist, aber wir haben alle Kräfte gebündelt.“

Gefördert wurde der Trierer Hochschul-Inklusionstag von der Nikolaus Koch Stiftung sowie der Wissenschaftsallianz Trier, dem Studiwerk Trier und dem Referat Behinderter und chronisch Kranker des AStA der Universität Trier.

► Mehr Infos: www.hochschulinklusionstag-trier.de

Kontakt

Nathalie Beßler
Mail: bessleruni-trierde
Tel. +49 651 201-3149