Von links: Wissenschaftsminister Konrad Wolf, Arnd Poetzsch-Heffter, Präsident der Technischen Universität Kaiserslautern, Malu Dreyer, Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Michael Jäckel, Präsident der Universität Trier und Bernhard Vogel, damaliger Kultusminister und Ministerpräsident a.D

Dreyer: „Beginn und Aufbruch in die Wissenschaftsgesellschaft“

Vertreter der Landespolitik und der beiden Universitäten haben in einem Symposium an die Gründung der Universität Trier-Kaiserslautern vor 50 Jahren erinnert.

„Die Neugründung der Universitäten und deren spätere Entwicklung waren für Rheinland-Pfalz Beginn und Aufbruch in die Wissenschaftsgesellschaft unserer Zeit“, hob Ministerpräsidentin Malu Dreyer die Bedeutung hervor.

„Die Gründung der Doppeluniversität Trier-Kaiserslautern und die herausragende Entwicklung beider Universitäten ist ein Glücksfall für Rheinland-Pfalz. Beide Universitäten sind heute nicht wegzudenkende Aushängeschilder ihrer Stadt und Region“, erklärte die Ministerpräsidentin. In einer Phase des hochschul- und bildungspolitischen Aufbruchs gegründet, waren die Hochschulen zentral, die Quote der akademischen Bildung in der Fläche des Landes zu heben und dem damals bestehenden Lehrermangel entgegen zu wirken. „Sie haben sich in den vergangen Jahrzehnten zu Leuchttürmen der rheinland-pfälzischen Wissenschaft mit ihren Schwerpunkten auf den Geistes- und Ingenieurswissenschaften entwickelt und sind national wie international hochanerkannte Wissenschaftsstandorte. Wir sind stolz auf die Entwicklung beider Universitäten“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Erfolgsgeschichte für das Land

Was vordringlich als Maßnahme gegen den eklatanten Mangel an Studienplätzen und Lehrerinnen und Lehrern im Land gedacht war, entwickelte sich seit 1970 zu einer Erfolgsgeschichte für Rheinland-Pfalz. Um eine breite Zustimmung für die Gründung einer zweiten Landesuniversität zu erhalten, wählte man seinerzeit das Konstrukt der „Doppeluniversität“ Trier-Kaiserslautern. Die von 1975 an selbstständigen Universitäten Trier und Kaiserslautern wuchsen in der Folge schnell zu tragenden Elementen der rheinland-pfälzischen Bildungslandschaft heran. Mit attraktiven Studienangeboten und ambitionierter Forschung finden sie heute auch national und international starke Beachtung.

In dieser Einschätzung stimmten alle Teilnehmer des Symposiums zur Gründung der Universität Trier-Kaiserslautern vor 50 Jahren überein. In der live gestreamten Veranstaltung im Mainzer Landtag blickten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf diese außergewöhnliche Entstehungsgeschichte zurück, diskutierten aber auch die aktuellen Herausforderungen, denen sich die beiden Universitäten stellen.

Motoren regionaler Entwicklung

Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf würdigten die Gründung und Entwicklung der Universitäten als einen hochschulpolitischen Meilenstein für das Land Rheinland-Pfalz. „Universitäten sind Motoren regionaler Entwicklung“, unterstreicht Wissenschaftsminister Wolf die strukturpolitische Bedeutung der Universitäten. „Diesem Geist folgte auch schon die Gründung der Universitätsstandorte in Trier und Kaiserslautern. Internationalität und regionale Verankerung sind für sie kein Widerspruch, sie sind die Stärken, die beide Universitäten heute auszeichnen. Beide wirken zentral in ihrer Region und sind Garanten für Qualifizierung, Innovation und gesellschaftliches Miteinander.“

Malu Dreyer, Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz
„Wir sind sehr stolz auf unsere beiden Universitäten. Ich bin froh, dass das Land Rheinland-Pfalz heute so viele erfolgreiche Universitäts- und Hochschulstandorte hat. Das ist ein Stück Zukunft unseres Landes.“
Prof. Dr. Konrad Wolf, Wissenschaftsminister des Landes Rheinland-Pfalz
„In all den Jahrzehnten ist es die Innovationskraft und der Ideenreichtum der Menschen an diesen Universitäten, die dafür sorgen, dass sie so eine hervorragende Entwicklung nehmen.“
Bernhard Vogel, damaliger Kultusminister und Ministerpräsident a.D
„Die Gründungsgeschichte der beiden Universitäten kann nur Mut machen für das Lösen der Probleme von heute. Mein Wunsch heißt: Mögen beide Universitäten ihr hundertjähriges Bestehen in Frieden und Freiheit und ohne Corona feiern können.“
Prof. Dr. Michael Jäckel, Präsident der Universität Trier
„Die Universität Trier weiß um ihre Verantwortung und hat eine gute Strategie zur Pflege und zum Ausbau ihrer geisteswissenschaftlichen Tradition gefunden. Sie strebt mit gutem Werkzeug nach neuen Ufern – ein ausgezeichneter Ort für Forschung und Lehre.“
Prof. Dr. Arnd Poetzsch-Heffter, Präsident der Technischen Universität Kaiserslautern
„Wir hoffen, dass wir in 20 Jahren sagen werden: Erfolgreich waren die Anstrengungen in Kaiserslautern und Landau, eine noch stärkere Technische Universität zu entwickeln. Das ist unser Ziel.“

Landtagspräsident Hendrik Hering erinnerte an das historische Datum der Veranstaltung. Auf den Tag genau vor 50 Jahren, am 28. Juli 1970, beschloss der Landtag das „Landesgesetz über die Errichtung der Universität Trier-Kaiserslautern“. Universitäten seien schon immer wichtige Orte, um gesellschaftliche Debatten anzustoßen und über die Zukunft der Demokratie zu diskutieren. Mit Blick auf die Gegenwart sagte Hendrik Hering: „Heute ist Kaiserslautern eine forschungsstarke Universität. Viele Studiengänge der TU erreichen in Rankings sehr gute Platzierungen“. Und auch in Trier sei man innovativ durch die Einführung neuer Studiengänge oder auch durch aktuelle Forschungen, beispielsweise zum Schutz der heimischen Wälder.

Schnellste Universitätsgründung

Der Neuaufbau der Universität Trier-Kaiserslautern gelang in der heute kaum vorstellbar kurzen Zeitspanne nur eines Jahres. „Es war die schnellste Universitätsgründung in Deutschland“, erinnerte der damalige Kultusminister und spätere Ministerpräsident Prof. Dr. Bernhard Vogel an den enormen Zeitdruck. Durch den Ausbau von Schulen war Lehrermangel entstanden. „Wir wollten Lehramtsstudierende in Rheinland-Pfalz halten und benötigten dafür Studienplatz-Kapazitäten“, so Bernhard Vogel. Regionalen Ansprüchen auf die Ansiedlung der geplanten Universität in ihrer Stadt begegnete der Kultusminister mit einer „rettenden Idee“: der Gründung einer Universität mit zwei Standorten in Trier und Kaiserslautern. Die „anfangs überschaubare Schar der Studierenden“, so Bernhard Vogel, wuchs schnell und beständig. Bis Anfang der 2010er-Jahre erreichten die Zahlen beständig neue Höchstmarken.

Nach wie vor bauen die beiden Universitäten auf den 1970 gelegten Fundamenten auf. Die damalige Verteilung der Fächerschwerpunkte – Geistes- und Kulturwissenschaften in Trier, Natur- und Ingenieurswissenschaften in Kaiserslautern – prägt weiterhin das jeweilige Profil. Gleichwohl haben beide Universitäten mit neuen Fächer- und Studienangeboten auf den wechselnden Bedarf reagiert.

Profil klug weiterentwickelt

„1970 ist nicht 2020. Aber ohne die Anfänge als Doppeluniversität können die Herausforderungen, die sich heute stellen, nicht angemessen eingeordnet werden. Trier hat das geisteswissenschaftliche Profil klug weiterentwickelt und das Lehr- und Forschungsprogramm in affine Richtungen erweitert: Kulturelles Erbe und moderne Wissenschaft finden hier gut zueinander“, sagte Prof. Dr. Michael Jäckel, Präsident der Universität Trier.

„Die Gründung der Doppeluniversität war ein mutiger, richtungsweisender Schritt für die Entwicklung der Wissenschaften und universitären Lehre in Rheinland-Pfalz. Damit wurden Ingenieurwissenschaften in Rheinland-Pfalz etabliert, die auch noch heute die TU Kaiserslautern prägen – damals wie heute mit nachhaltigen Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes. Jetzt steht die Universitätslandschaft mit der im vergangenen Jahr angestoßenen Reform vor einer weiteren großen strukturellen Herausforderung mit ambitionierten Zielen“, so der Präsident der Technischen Universität Kaiserslautern, Prof. Dr. Arnd Poetzsch-Heffter.