30.11.2017 - 09:05

PhiLab: Lernen ohne Kreidestaub?

Universitätspräsident Michael Jäckel testete selbst die neuen Möglichkeiten und Methoden.

Eine Schülerfirma der Realschule Plus aus Wittlich präsentierte Apfelsaft aus eigener Produktion und allerlei Praktisches für den Alltag.

Das Lehr-Lern-Labor PhiLab verbindet Altes und Neues und rückt Universität und Schule noch näher zusammen

„Wo ist denn die Kreide?“, ruft ein Mathematikprofessor entgeistert. Zur Eröffnung des neuesten Lehr-Lern-Labors PhiLab berichtet Universitätspräsident Prof. Dr. Michael Jäckel von einer ähnlichen Feier an einer anderen Hochschule. Die anwesenden Mathematiker der Universität Trier nicken und schmunzeln zugleich. Die Räume sind – wie das Wortspiel hinter PhiLab andeutet – sowohl für die Geisteswissenschaften (Phil) als auch für die Mathematik (Phi) angelegt. Und selbstverständlich gibt es im neuen PhiLab eine Tafel, auf die man mit Kreide schreiben kann – neben solchen, die sich von selbst wischen. Und auch der Overheadprojektor tut weiter seinen Dienst – bekommt aber Gesellschaft von einem interaktiven Whiteboard.

Bei der feierlichen Eröffnung des neuen Lehr-Lern-Labors stehen allerdings nicht so sehr die neuesten technischen Geräte und didaktischen Methoden im Vordergrund – dafür ist bei dem Andrang kein Platz. Vielmehr zeigt die große und bunte Schar an Gästen, worauf es der Universität Trier mit der neuen Einrichtung in erster Linie ankommt: „Das PhiLab ist vor allem ein Ort, um den schon bestehenden Austausch zwischen Universität und Schule in neue Bahnen zu lenken“, betont Jäckel und lädt zugleich Lehrkräfte, Bildungsexperten und Kooperationspartner zu den hier demnächst startenden Laborgesprächen ein.

Die Eröffnungsfeier selbst wirkt bereits wie ein solches Laborgespräch: Rund um das PhiLab zeigen Tische mit Experimenten, Schautafeln mit Graphiken und Plakaten sowie Ecken mit Lernprogrammen, was im Unterricht an Universität und Schule heute bereits alles geschieht: Die Theologie präsentiert ein interaktives Schülerprojekt, die Geographie demonstriert an einem riesigen Modell, wie erneuerbare Energien funktionieren, eine Spanischdozentin führt auf einem Tablet eine Lern-App vor und die Mathematik lädt an verschiedenen Stationen zum Anfassen und Begreifen ein. Studierende, Lehrende und Forschende probieren aus, diskutieren und verabreden sich für gemeinsame Projekte.

Und auch diejenigen, denen das PhiLab letztlich zugutekommen soll, sind bei der Eröffnung dabei: Eine Schülerfirma der Realschule Plus aus Wittlich bietet selbst Produziertes zum Verkauf an, darunter Apfelsaft, bunt bemalte Schiefertafeln und Futterstationen für Gartenvögel. Nebenbei kümmern sie sich um die Bewirtung der Gäste. Die betreuende Lehrerin und stellvertretende Schulleiterin, Sabine Gans, ist schon jetzt begeistert von der Kooperation mit der Universität: „Ich habe Schüler, die sagen im Unterricht kein Wort. Und heute Abend blühen sie richtig auf!“ Sie und ihre Klasse freuen sich schon auf ihren ersten richtigen Besuch im neuen Lehr-Lern-Labor. „Ich bin überzeugt, dass von der gemeinsamen Arbeit im PhiLab sowohl Studierende als auch meine Schülerinnen und Schüler profitieren.“

Alexandra Baustert, stellvertretende Leiterin des Studienseminars für Lehramt an Grundschulen in Trier, würde das PhiLab gerne auch mit kleineren Kindern nutzen: „Wer auf Lehramt studiert, muss weg von dem Gedanken, nur Wissen zu vermitteln und am Schreibtisch zu lehren.“ Lernen habe vielmehr ganz viel mit Kommunikation zu tun, und dafür biete das neue Labor optimale Voraussetzungen. Auch Bärbel Brucherseifer, Leiterin des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums in Trier und Mitglied im Zentrum für Lehrerbildung an der Universität Trier, freut sich darüber, dass die angehenden Lehrerinnen und Lehrer mit dem PhiLab einen weiteren Raum haben, um sich mit neuester Technik auf den Schuldienst vorzubereiten. „Das, was hier an Ausstattung geboten wird, ist an unserer Schule Standard. Es ist gut, dass die Studierenden hier lernen, mit dem Material umzugehen und es an geeigneter Stelle im Unterricht einzusetzen.“ Schließlich kommt sie – wie so viele an diesem Abend – auch noch einmal zurück zum Kreidestaub. „Ich habe selbst vor mehr als 30 Jahren an der Universität Trier studiert und stelle mit Wohlwollen fest, dass sich hier doch einiges bewegt – und nicht mehr nur mit Kreide!“

Ein kurzes Video gibt Einblick ins PhiLab.

Kontakt
Universität Trier
Zentrum für Lehrerbildung
Prof. Dr. Helga Schnabel-Schüle
Tel.: 0651/201-2901
E-Mail: zfl@uni-trierde
www.philab.uni-trier.de 

Weitere Informationen zum PhiLab:
http://campusnews.uni-trier.de/?p=28638
https://www.uni-trier.de/index.php?id=14187&no_cache=1&tx_ttnews