A. START/ ZIEL

START:

1. Merzkirchen

2. alternativ: Gemeinde Kirf bzw. Grillhütte am Ehringer Berg oberhalb der Gemeinde Kirf

3. alternativ: Vor der Ortschaft Sinz Ecke Weilerhof an den angrenzenden Streuobst-wiesen

ZIEL:

Rathaus Gemeinde Perl

 

B. PROFIL

Der komplette Teilabschnitt 13 des offiziellen Rheinland-Jakobsweges (Köln/ Bonn über Trier nach Perl/Schengen) von Merzkirchen nach Perl erstreckt sich über etwa 23 km.

Startet man oberhalb der Ortschaft Kirf an der Grillhütte, so verkürzt sich dieser Weg um ca. 3-4 km, von Sinz aus sind es nur noch etwa 16 km bis zum Zielort Perl.

Längere flache Abschnitte führen vorbei an Wald- und Wiesenfluren, nur an wenigen Stellen steigt das Gelände an oder senkt sich ab. Insgesamt ist die Strecke angenehm zu laufen, der Schwierigkeitsgrad kann mit mittel-leicht angegeben werden. Auf dem Höhenrücken des Saargaus genießt der Wandersfreund auf einer durchschnittlichen Höhe von 400m über NN teils fantastische, weitläufige Ausblicke, ehe er durch die Weinberge hinabsteigt in das Moseltal-Dorf Perl, das sich in direkter Grenzlage zum bekannten luxemburgischen Nachbarort Schengen befindet.

Höchster Punkt ist der Renglischberg kurz vor dem Friedensdenkmal am Potsdamer Platz mit 408 Höhenmetern, an der tiefsten Stelle in Perl befindet man sich auf einer Höhe von ca. 230 m ü. NN, am Moselufer sind es gar nur noch leicht über 150m.   

Die intensive Wandererfahrung setzt ein Zeitbudget von 6-8 Stunden voraus. Diese Zeitangabe ist allerdings abhängig von Ihrem Startpunkt sowie ihrem Interesse und der Verweildauer an Sehenswürdigkeiten am Wegesrand. Mit Pausen sollte man einen ganzen Tag einplanen, will man jedem der vielfältigen Eindrücke die gebührende Zeit schenken. Die reine Gehdauer von Merzkirchen bis Perl beträgt in etwa 4-6 Stunden.  

Hier gibt's die Karte zum Betrachten in Google Earth:

C. WEGBESCHREIBUNG

 

Von Merzkirchen/ Kirf kommend, vorbei an etlichen Windrädern und einer Grillhütte, gelangt der Pilger vom Höhenweg der Römerstraße (Ehringer Berg 398m) zwischen Feldern, Streuobstwiesen, und zwei kleinen Wäldchen auf geschottertem Weg nach 1,5 km hinab Richtung Sinz.

Den Weilerhof in Sichtweite, wechselt vor Sinz der Bodenbelag hin zu Betonplatten. Ein Abstecher nach Sinz ist durchaus zu empfehlen, in dem kleinen Dorf finden sich vier kleinere, teilweise private Kappellen, und eine Kirche.

Zurück auf der Strecke, geht es an der Weggabelung steil hinauf, von eingangs 340m bis auf 380m Höhe. Nach dem leicht beschwerlichen, knapp 800m langen Anstieg vorbei an Wiesen- und Weideflächen kommen wir an ein Wäldchen, von wo aus man bei klarem Wetter einen sehr schönen weiten Blick über die Gauflächen bis ins französische Cattenom genießt. Am Waldrand entlang, biegen wir kurz vor dem Waldende links ab, und begeben uns rechter Hand auf der Landstraße über den Renglischberg - mit 408m nicht nur der höchste Punkt der Etappe, sondern auch gleichzeitig Standort eines in der Entstehung begriffenen neuen Windparks - Richtung Friedensdenkmal.

 

Wir queren die viel befahrene Bundesstraße 406, und halten am Potsdamer Platz.

An dem zu Ehren der im 2.Weltkrieg umgekommenen deutschen und amerikanischen Soldaten errichteten Friedensdenkmal, das 1991 eingeweiht wurde, findet alljährlich eine Zeremonie des Militärs in Gedenken an die Gefallenen statt.

Die phänomenale Aussicht liefert einen einzigartigen Einblick ins Dreiländereck Saar-Lor-Lux.

Auf offener Flur geht es in südlicher Richtung bis zum „Kampholz“-Forst. Das Muschelzeichen auf Stein weist uns den Weg rechts am Waldrand vorbei, nach ca. 250m geht es links in den Wald hinein. Die Geräusche und Seheindrücke des Waldes sorgen für eine gelungene Abwechslung.

Wald ausgangs queren wir die geteerte Landstraße, gehen weiter geradeaus und biegen am auf den Boden gemalten Pilger-Beruhigungszeichen links ab.

Wir befinden uns auf der Viezstraße, regionaltypische Streuobstwiesen beleben und gliedern die Landschaft. Die Obsterträge werden zum Teil in Brennereien (Fisch, Merzkirchen) und Keltereien (Merzig) weiterverarbeitet zu Säften, Schnäpsen und Viez, ein gern in dieser Gegend getrunkener, stark säurehaltiger Apfelwein. 

In die Senke hinein und unter der Unterführung hindurch gelangen wir nach Borg.

 

Bäuerliche Betriebe unterstreichen mit klassischen Hausformen (Trierer Einhaus) die landwirtschaftliche Prägung des Ortes. Die Pfarrkirche Johannes der Täufer, die Jesuskapelle, das Pestkreuz und eine Marien-Kapelle am Ortsausgang stehen stellvertretend für die hohe Frömmigkeit der Bewohner.

Der Weg zur Römischen Villa Borg, vorbei am Pestkreuz und dem Bauernhof am westlichen Ortsende, durch den Wald hindurch, lohnt sich allemal.

 

Wir verlassen also den Jakobsweg, stoßen am Waldeingang auf eine kleine Buß- und Betstätte mit Kreuz und Statue, und gelangen nach etwa 15 Minuten Gehzeit zu der detailgetreu nachempfunden Villa rusticae.

Das Archäologische Museum, die Gartenanlagen und die Taverne vermitteln lebendige Historie, die touristische Führung sei jedem, der mehr erfahren möchte, ans Herz gelegt. 

Wieder zurück auf alten Pfaden, verlassen wir Borg, überschreiten die B407 und bewegen uns parallel der Straße auf dem geteerten Saarradweg durch Raps-, Korn-, und Erdbeerfelder immer geradeaus. Über die Autobahnbrücke hinweg, dem steilen gewundenen Straßenverlauf rechts herunter folgend, stoßt der Pilger im naturgeschützten Waldgebiet „Rabüscheck“ auf das Wildgehege am Pillinger Hof.

Danach führt der Weg rechts am Parkplatz vorbei, hinab in die Weinberge vor Sehndorf und Perl. Der grenzüberschreitende Ausblick des Grenzdreiecks Schengen-Perl-Remerchen, hinein ins Moseltal, über die geschwungenen Höhenflächen Luxemburgs und Frankreichs, fasziniert bei wolkenfreiem Himmel.

Der Weintraubenanbau gehört zur Tradition und Kultur im Moseltal, dank der günstigen klimatischen Bedingungen, und fruchtbaren, mineralreichen Muschelkalboden bestim-men die Rebenhänge vielerorts das Landschaftsbild. Der hier produzierte Elbling gehört mit zu den ältesten kultivierten Weißweinreben in Europa. Die Obermosel im deutsch-luxemburgischen Grenzgebiet ist einer der wenigen noch verbliebenen Standorte dieser Rebensorte altrömischer Herkunft.

Bevor wir den Weinberg auf engen Wegen hinabsteigen, lohnt an der ersten Wegekreuzung der Abstecher nach rechts, der uns zur Fatima-Kapelle führt. Diese ist am Waldrand des „Atzbüsch“ auf etwa 210m Höhe gelegen, eine Bank und die schöne Aussicht lassen den Pilger kurz zur Ruhe kommen.

Anschließend geht’s den 13 Kreuze zählenden Kreuzweg - der eigentlich von Sehndorf hinauf zur Kapelle führt - entlang. Unten angekommen, bestaunen wir auf dem Vorplatz am Fuße des Weinberges ein hübsch anmutendes Wegekreuz, ehe der mehrfach ob seiner Ästhetik und Kultur prämierte Winzerort Sehndorf ruft. 

 

 

Sofort ins Auge fällt die kleinteilige, freundliche Dorfgestalt bzw. der historische Ortskern mit seinem Pflastersteinboden. Dieser lockt mit etlichen Wein- und Sektkellereien, traditionelle Weinpressen, die Begrünung und schöne Blumenbeete wirken auflockernd.

 

 

Die restaurierten Fachwerkhäuser mit stilistischen Anleihen aus vergangenen Tagen und schön gestalteten Vorgärten fügen sich stimmig in das ansprechende Gesamtbild ein. Sehenswert ist insbesondere der alte Waschwasserbrunnen in der Ortsmitte.

 

Parallel zur Mosel und zur B407 verlassen wir Sehndorf und kommen nach Perl. Im Schul- und Sportzentrum am Ortseingang rechter Hand findet sich das Deutsch-Luxemburgische Schengen-Lyzeum, eine länderübergreifende kooperative Bildungseinrichtung mit Ganztagsbetreuung, die in ihrer Form einzigartig ist in Deutschland. Am ummauerten Friedhof vorbei biegen wir an der großen Straßenkreuzung links ab, nach etwa 200m wartet das Rathaus von Perl mit dem aus Stein gehauenen Symbol des Dreiländerecks.

Hier kann sich der geneigte Pilger den Stempel für seinen Pilgerpass abholen, oder die neuesten touristischen Informationen abfragen. Äußerst sehenswerte Pilgerobjekte in Perl sind die Pfarrkirche St. Gervasius und Protasius, die mit drei Barockaltären und einer Jakobsfigur aufwartet, der Palais von Nell mit Barockgarten davor, und die Quirinuskapelle, die nach gutem Brauch am 01.Mai jeden Jahres zum Pilger- und Wallfahrtsort wird.

 

Nach der Besichtigung von Perl ist der Grenzübergang nach Schengen zu empfehlen, dem Ort, der dank des 1985 hier geschlossenen Abkommens zur dauerhaften Aufhebung der Grenzkontrollen europaweite Bedeutung und Anerkennung erlangt hat. Ein Denkmal am Flussufer erinnert an diesen historischen Schulterschluss.