Nachruf auf Herrn Prof. Dr. Dirk Hellhammer

Am 01.12.2018 verstarb unser geschätzter Kollege, Prof. Dirk Hellhammer. Prof. Dr. Dirk Hellhammer war von 1986 bis 2012 Universitätsprofessor für Klinische und Physiologische Psychologie an der Universität Trier. 1988 gründete er das Forschungszentrum für Psychobiologie und Psychosomatik (FPP), das er viele Jahrzehnte leitete.

In der Forschung war er überaus erfolgreich. Er forschte zunächst über die Interaktion von Neuronen mit Gliazellen, das septo-hippocampale System sowie zu Hirnfunktionen, die mit stressbedingten körperlichen Erkrankungen assoziiert sind. In seiner klinischen Forschung beschäftigte er sich u.a. mit den Störungsbildern Anorexia nervosa, Colitis ulcerosa und der Infertilität. Seine Arbeitsgruppe etablierte wesentliche Methoden in der Psychoneuroendokrinologie, wie z.B. die Hormonmessung im Speichel, den Trier Social Stress Test (TSST) und die Erfassung des Cortisolanstiegs am Morgen. In der klinischen Forschung charakterisierte seine Arbeitsgruppe hypocortisoläme Erkrankungen (Fibromyalgie, Reizdarmsyndrom, Burnout, etc.) als abgrenzbares Spektrum psychosomatischer Gesundheitsstörungen. In den letzten Jahren entwickelte er das Diagnostiksystem Neuropattern, welches erstmals in systematischer Weise die Erkenntnisse der Hirnforschung und Psychologie für die klinische Diagnostik stressbedingter Erkrankungen nutzt.

Seine Forschung fand ihren Niederschlag in 14 Büchern, 115 Buchkapiteln und über 270 Originalarbeiten. Gleich mehrere seiner Originalarbeiten gehören zu den meist zitierten Publikationen der Psychoneuroendokrinologie. Er war regelmäßig als Gutachter zahlreicher europäischer und außereuropäischer Fördereinrichtungen und als Rezensent und Fachvertreter in Editorial Boards verschiedenster nationaler und internationaler Fachzeitschriften tätig. Überdies war er im wissenschaftlichen Beirat zahlreicher Forschungszentren, Universitäten und Unternehmen.

Eine ganz besondere Leistung stellt darüber hinaus sein außerordentlich erfolgreiches Mentoring des wissenschaftlichen Nachwuchses dar. Viele seiner rund 60 Doktorandinnen und Doktoranden haben inzwischen eigene erfolgreiche wissenschaftliche Karrieren gemacht und treiben nun die Psychologie und deren Nachbardisziplinen voran. Für seine Forschung erhielt er zahlreiche regionale und internationale Auszeichnungen und Ehrungen wie den Deutschen Psychologenpreis der DGPs und den Lifetime Achievement Award der International Society of Psychoneuroendocrinology. Dirk Hellhammer wird als bedeutsamen Wegbereiter, Vertreter und Förderer der psychobiologischen Forschung in Deutschland, Europa und der Welt angesehen.

Wir haben Dirk Hellhammer als einen außerordentlich engagierten, schöpferischen und einfallsreichen Wissenschaftler und Kollegen geschätzt. Für die gemeinsame Zeit sind wir dankbar. Mit ihm verliert das Fach Psychologie einen (international) hoch angesehenen Forscher.