Juni 2019

William Baillie (1723-1810) nach Aelbert Cuyp (1629-1691)

Rastende Rinderherde an einem Flussufer bei Mondschein

1773

Mezzotinto

An einem Flussufer haben sich einige Rinder niedergelassen. Es ist Nacht. Die Wolkendecke am Himmel scheint gerade aufgerissen zu sein und gibt den hell leuchtenden Vollmond frei. Dieser taucht den Fluss und die Umgebung in silbriges Licht.

Der Dordrechter Maler Aelbert Cuyp (1629-1691) fertigte eine Reihe von Mondscheinlandschaften an. Der Kunstschriftsteller Arnold Houbraken (1660-1719), der als erster eine Beschreibung der Werke Cuyps formulierte, lobt dessen Fähigkeit, die verschiedenen Tageszeiten wiederzugeben. Besonders seine nächtlichen Kompositionen seien sehr realistisch und so komponiert, dass sich der Mond auf besondere Art im Wasser spiegelt.  

Der aus Irland stammende Amateurgraphiker, Kunsthändler und Kunstkenner William Baillie (1723-1810) schuf im Jahr 1773 dieses Blatt in der so genannten ‚Schwarzen Kunst’, die im England des 18. Jahrhunderts ihre Blütezeit hatte. Bei diesem Verfahren arbeitet der Künstler negativ: die Platte wird zunächst mit dem so genannten Wiegemesser aufgeraut. Der von dieser Platte genommene Abzug wäre tiefschwarz. Im nächsten Schritt glättet der Künstler mit dem Polierstahl jene Stellen, die im Abdruck später heller sein sollen. Er arbeitet also vom Dunkeln ins Helle. Es entstehen fließende Übergänge, die einen besonders malerischen Eindruck erzeugen. Diese Eigenschaft führte dazu, dass das Mezzotinto besonders zur Reproduktion von Gemälden eingesetzt wurde. So ist es nur verständlich, dass Baillie bei der Übertragung dieser nächtlichen Landschaft des) in das Medium der Druckgraphik gerade auf diese Technik zurückgriff.