Entstehung und Motive des Audits

Das Audit "familiengerechte hochschule" wurde im Rahmen eines Projektes an der Universität Trier in Kooperation mit der Beruf & Familie gGmbH, einer Initiative der Hertie-Stiftung entwickelt. Mit diesem Managementinstrument sollen die Voraussetzungen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Studium/Beruf geschaffen werden. Als Pilotuniversität durchlief die Universität Trier im Jahr 2002 als bundesweit erste Hochschule den Auditierungsprozess und wurde mit dem Grundzertifikat "familiengerechte hochschule" ausgezeichnet. Unter Moderation zweier geschulter Auditorinnen erfolgte zunächst in zwei Workshops anhand eines Kriterienkatalogs von einer repräsentativen Projektgruppe eine Bestandsaufnahme der familienfreundlichen Bedingungen an der Universität Trier. Anschließend beschloss die Hochschulleitung eine Reihe von Zielvereinbarungen, um die Hochschulstruktur familienfreundlicher zu gestalten. Diese galt es, in den nächsten drei Jahren umzusetzen.

Im Juni 2005 schloss die Universität Trier ihren ersten Reauditierungsprozess erfolgreich ab und erhielt das Zertifikat "familiengerechte hochschule". In einem Reauditierungsworkshop fand zunächst eine Bestandsaufnahme und Überprüfung der umgesetzten Zielvereinbarungen für die vergangenen drei Jahre statt. Da die Universität ihr familienfreundliches Engagement in der Personalpolitik und bei den Studienbedingungen fortführen und ausbauen wollte, wurden mit der Hochschulleitung - wiederum unter der Moderation zweier Auditorinnen und der beteiligten Projektgruppe - weitere anspruchsvolle Ziele vereinbart.

Im zweiten Reauditierungsprozess im Mai 2008 legte eine repräsentative Projektgruppe den Schwerpunkt der neuen Zielvereinbarungen unter anderem auf die Handlungsfelder "Informations- und Kommunikationspolitik", "Service für Familien" und "Studium und wissenschaftliche Qualifizierung". Die Universität Trier unterstreicht damit die Kontinuität ihrer familienfreundlichen Hochschulpolitik. Nach erfolgreichem Abschluss des Reauditierungsprozesses wurde ihr das Zertifikat "familiengerechte hochschule" für weitere drei Jahre verliehen. 

Im Februar und März 2011 durchlief die Universität Trier ihren dritten Reauditierungsprozess, der in Form eines neu entwickelten Konsolidierungsverfahren ablief. Vor Ort wurden ein zweiteiliges Review (Rahmen und Kultur) sowie ein halbtägiges Vertiefungsmodul, das abhängig von den Ergebnissen des Reviews festgelegt und inhaltlich gestaltet wurde, durchgeführt, .

Wiederum drei Jahre später, im Februar und März 2014, ließ sich die Universität Trier erneut reauditieren und durchlief den Prozess „Reauditierung-Sicherung“.

Den von Seiten der berufundfamilie gGmbH vorgegebenen Verfahrensschritten stellte die Universität Trier einen selbst organisierten ‚Zielfindungsworkshop‘ voraus. Eine große,  soweit möglich nach Gesichtspunkten der Repräsentativität zusammengestellte Arbeitsgruppe, arbeitete in diesem Workshop spezifische Bedarfe im Kontext Vereinbarkeit von Beruf, Studium und wissenschaftlicher Qualifizierung mit Familie heraus und entwickelte hieraus passgenaue Zielvorgaben und Maßnahmen zur Weiterentwicklung der familiengerechten Universität Trier.

Bei der Überprüfung des Rahmens innerhalb der Hochschule sichtete die eingesetzte Auditorin ganztägig vielfältige Unterlagen mit Bezug zur familienbewussten Personalpolitik und zu familiengerechten Studienbedingungen. Gleichzeitig erfolgte an diesem Tag auch eine Begehung der Universität, um so die Umsetzung der Maßnahmen vor Ort zu prüfen. Der zweite Part des Reviews - die Überprüfung der Kultur - fand in Form von Interviews in der Universität statt. Dabei führte die Auditorin elf  halbstündige Interviews mit Personen aus den verschiedenen Bereichen der Universität durch. Im Anschluss daran legte die Auditorin der Hochschulleitung die Ergebnisse des Reviews dar und erläuterte die aus ihrer Sicht hieraus resultierenden Handlungsempfehlungen.

Diese unterschiedlichen Verfahrensschritte, Erkenntnisse und Empfehlungen führten schließlich zu einer umfangreichen Zielvereinbarung, die die Universität Trier bei der berufundfamilie gGmbH einreichte. Am 24. Mai 2014 wird im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung in Berlin der Kanzlerin der Universität Trier das Zertifikat "familiengerechte hochschule" für drei weitere Jahre überreicht werden.

Der Universität Trier dient das Audit zum einen der Bestandsaufnahme ihrer bisherigen Hochschulpolitik mit Fokus auf die Vereinbarkeit von Beruf, Studium und Familie; zum anderen ist es Impuls und Motor zur Weiterentwicklung der familienorientierten Studien- und Arbeitsbedingungen.  Folgende Motive für die grundsätzliche Teilnahme am Audit waren der Universität Trier wichtig: 

  • Mit dem Audit möchte die Universität ihre Attraktivität als Studienort und als Arbeitgeber erhöhen. Sie verspricht sich auf diesem Weg hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anzuwerben, zu motivieren und an ihren Arbeitsplatz binden zu können. Familienfreundliche Studienbedingungen sollen helfen, die Studienabbrüche und Studienzeitverlängerungen aus familiären Gründen zu verringern. 
  • Das Audit dient dazu, eine größere Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern herzustellen. 
  • Es soll zu einer Institutionalisierung des Themenkomplexes "Familie und Studium/Beruf" führen. Durch die Verankerung der "familiengerechten hochschule" in das Leitbild und in die Entwicklungsperspektiven der Universität wird eine Versachlichung des Themas erreicht. Somit wird die Vereinbarkeit von Familie und Studium/Beruf Teil der Hochschulpolitik und hängt nicht mehr vom Goodwill einzelner Beteiligter ab. Es  wird eine familienfreundliche Studien- und Personalpolitik gelebt. 
  • Das Audit führt zu einer kontinuierlichen Bearbeitung familiensensibler Konzepte, mit denen die Universität auf sich verändernde Rahmenbedingungen innerhalb der Hochschule sowie aufgrund erster Erfahrungen mit den gewandelten Studienstrukturen und ihren Effekten auf die Vereinbarkeit von Studium und Familie reagiert.