Geschichte

Bei ihrer Gründung 1970 konnte sich die Universitätsbibliothek Trier auf keine Vorgängereinrichtung stützen. Die von der aufgelösten Pädagogischen Hochschule übernommenen Bestände stellten quantitativ und vor allem qualitativ eine zu vernachlässigende Größe dar, und die Bücher der 1798 aufgelösten alten Universität waren seinerzeit in die Vorgängereinrichtung der heutigen Stadtbibliothek überführt worden. Der Aufbau musste dementsprechend in kürzester Zeit von Grund auf neu erfolgen. So war für eine besondere Akzentsetzung kein Raum, sieht man von dem Erwerb einer Reihe von einschlägigen Gelehrtenbibliotheken ab, die allerdings nicht als solche erhalten blieben, sondern in den vorhandenen Bestand eingegliedert wurden. Ihre Rekonstruktion ist nur über die Erwerbungsunterlagen möglich.

Durch die enge Kooperation von Bibliothek und Universität im Rahmen des einschichtigen Bibliothekssystems, bei dem es keine Institutsbibliotheken gibt, ist der Buchbestand verständlicherweise stark auf die konkreten Bedürfnisse der Hochschule ausgerichtet. Daraus ergibt sich zweierlei: Zum einen war und ist der Literaturerwerb überwiegend an den an der Universität vorhandenen Wissenschaftsfächern orientiert; zum anderen hängen Qualität und Quantität der einzelnen Fachbestände sehr vom Alter sowie dem Ausbauzustand und Forschungsschwerpunkt des Faches ab.

Im Rahmen der Neuerwerbungen wurden Lücken im Altbestand, besonders bei mehrbändigen Werken und großen Reihen, vielfach durch Nachdrucke geschlossen. Auch wurde bei Erwerbungsschwerpunkten die jeweils lieferbare Ausgabe gekauft. Entsprechend der in weiten Bereichen geisteswissenschaftlichen Ausrichtung der Universität werden auch in Zukunft Bücher mit Erscheinungsjahren vor 1900 zur Abrundung des Bestandes erworben.

Trotz des geringen Alters der Bibliothek und des nicht sehr umfangreichen Altbestandes ist seine Beschreibung wegen des Fehlens entsprechender Kataloge schwierig. Die nachstehenden Angaben kamen durch eine Mischung aus Hochrechnung und Autopsie zustande. Sie beziehen sich auf Originale und Reprints, die einen integralen Teil des historischen Bestandes ausmachen (20.000 Reprints gegenüber 13.000 Originalwerken).

Bei einem Gesamtbestand von ca. 1.000.000 Bdn (und 80.000 anderen Medien) liegt die Zahl der Bände mit einem Erscheinungsjahr vor 1900 bei ca. 33.000. Es handelt sich ausschließlich um Schrifttum der historisch-philologischen Disziplinen sowie der Rechtswissenschaft. Die Natur- und Sozialwissenschaften verfügen über keinen nennenswerten Altbestand. Der Anteil des historischen Bestandes am Gesamtbestand beträgt etwa 3,3 Prozent (1,3 Prozent Originale).

Eine sprachliche Differenzierung des Bestandes ergibt eine eindeutige Dominanz der deutschen Literatur mit 60 Prozent aller Titel. Mit jeweils 10 Prozent folgen französische, englische und lateinische Titel. Italienisch ist mit 5 Prozent aller Titel vertreten. Der Anteil der übrigen Sprachen kann vernachlässigt werden.

Der größte Teil des Altbestandes entfällt auf die Germanistik (6.200 Bde, davon 600 vor 1830). Es dominieren Werkausgaben des 19. Jahrhunderts. Rund 100 Bde sind der älteren Germanistik zuzuordnen. Bei der Literatur vor 1830 liegt der Schwerpunkt auf der Literatur des Barock und der Literaturkritik des 18. Jahrhunderts (u.a. eine vollständige Ausgabe der Allgemeinen Deutschen Bibliothek).

Die Fächer Geschichte und Rechtswissenschaft sind mit insgesamt 5800 Bänden vertreten (850 vor 1830). Der Akzent liegt in der Geschichte auf den nationalen und regionalen Quelleneditionen des 19. Jahrhunderts, in der Rechtswissenschaft im Umkreis der großen deutschen Rechtskodifikationen zwischen 1870 und 1900. Vor 1830 dominieren die deutschen Rechtsquellen des 18. Jahrhunderts mit den Schwerpunkten Preußen und Österreich. Sie machen mehr als die Hälfte dieses Teilbestandes aus. Daneben stehen Darstellungen zur politischen und Verfassungsgeschichte Deutschlands, Frankreichs, Italiens und Englands. Es folgen Trevirensien, Kirchengeschichten und Vertragssammlungen.

Bei der Klassischen Philologie (3500 Bde, davon 200 vor 1830) handelt es sich um eine Mischung von Textausgaben des 17., 18. und 19. Jahrhunderts und der entsprechenden Sekundärliteratur. Auf die Philosophie entfallen ungefähr 2000 Bde, davon 650 vor 1830. Der Akzent liegt auf den Kant'schen Werken, denen der ersten Kantianer und der Literatur der preußischen Aufklärung. In der Anglistik (2500 Bde, davon 250 vor 1830) und in der Romanistik (1500 Bde, davon 200 vor 1830) besteht keine besondere Schwerpunktbildung. Der Bestand enthält in beiden Fällen weitgehend Textausgaben der Autoren des 18. und 19. Jhs. In der Archäologie (1600 Bde) handelt es sich um Werke der Klassischen Archäologie zur hellenistischen Zeit.

Enzyklopädien sind mit 900 Bänden repräsentiert (davon 350 vor 1830). Hier dominieren die nationalen Allgemeinenzyklopädien des 19. Jahrhunderts mit ihren unterschiedlichen Ausgaben. Bei den Werken vor 1830 handelt es sich um 20 deutsche bzw. französische Titel aus der Zeit von 1750 bis 1830. Für folgende kleinere Bestände werden nur die Gesamtzahlen genannt: Ägyptologie 800 Bde (davon 120 vor 1830); Kunstgeschichte 500 Bde; Dissertationen 500 Bde; Geographie 450 Bde und Slavistik 350 Bde sowie 400 Bände vermischten Inhalts.

Bei den rund 6000 Zeitschriftenbänden (ca. 230 Titel) entfallen 50 Titel auf die Rechtswissenschaft, 35 auf die Anglistik, 26 auf die Germanistik, 25 auf die Geschichte, 20 auf die Geographie, 20 auf die Philosophie, 16 auf die Archäologie und jeweils 10 auf die Pädagogik sowie die Romanistik. Die verbleibenden Titel sind fachlich nicht eindeutig zuzuordnen. Sprachlich dominieren die deutschen Titel (140) vor den englischen (49) und den französischen (28).

Die Bibliothek besitzt als Mikrofiche-Ausgabe eine Sammlung von insgesamt 1440 Titeln zur kanadischen Sprache und Literatur vor 1900. Davon entfallen 370 Titel (870 Fiches) auf die französischsprachige und 970 Titel (2180 Fiches) auf die englischsprachige Literatur Kanadas.

(aus: Handbuch der Historischen Buchbestände in Deutschland, Band 6, Hildesheim [u.a.] 1993).