aus: Das Nürnbergische Schönbartbuch hg. v. Karl Drescher. Weimar 1908, Bl. 161.

Neuedition und Kommentierung der vorreformatorischen Nürnberger Fastnachtspiele ('Folz-Corpus')

gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Fritz Thyssen Stiftung

Am Ende des Mittelalters ist die freie Reichsstadt Nürnberg eines der politischen und vor allen Dingen kulturellen Zentren des Heiligen Römischen Reiches. In diesem Klima kultureller Offenheit und Innovation lebte und arbeitete neben großen Gelehrten wie Martin Behaim und Hartmann Schedel sowie den heute weitaus bekannteren Künstlerkollegen Albrecht Dürer und Veit Stoß der Handwerkerdichter Hans Folz (1435/40–1513). Innerhalb des reichen Œuvres des Barbiers, Meistersingers und Druckers nehmen seine Fastnachtspiele eine Sonderstellung ein. Tritt doch in dieser Gattung die dramatische Inszenierung erstmals aus einem im weitesten Sinne sakralen Zusammenhang heraus und stellt insofern nicht weniger als den Ursprung des weltlichen Dramas im deutschsprachigen Raum dar. Inhaltlich spiegeln die Nürnberger Fastnachtspiele auf ganz unterschiedliche Weise die Experimentierfreude, aber auch die kulturelle Blüte jener Jahre, ergehen sich etwa in derb-zotiger Brachialkomik, knüpfen an literarische Traditionen der mittelhochdeutschen Epik oder gelehrt-theologische Erörterungen an und verhandeln, zumindest in Ansätzen, aktuelle politische Themen.

Insgesamt 31 dieser Fastnachtspiele  – bei 13 steht Hans Folz sicher als Autor fest, fünf weitere wurden ihm während der Projektarbeit zugewiesen, 13 stehen zumindest unter seinem Einfluss – bilden das Textcorpus und damit die Arbeitsgrundlage des Projektes „Neuedition und Kommentierung der vorreformatorischen Nürnberger Fastnachtspiele“.  Ein weiteres Nürnberger Corpus, das des Zeitgenossen Hans Rosenplüt, wird zeitgleich an der Universität Tübingen ediert.

Grundsätzlich am Leithandschriftenprinzip orientiert, wird das 'Folz-Corpus' unter aktuell gültigen Editionsprinzipien komplett neu ediert und kommentiert, wobei der über den Editionstext hinaus gelieferte Apparat zum einen notwendige Eingriffe in den Text der Leithandschrift erklärt, Varianten der Parallelüberlieferung belegt sowie Konjekturvorschläge früherer Ausgaben führt und kritisch bewertet. Zum anderen bietet der Apparat Übersetzungshilfen sowie grammatische, syntaktische und semantische Erläuterungen bis hin zu kurzen kulturgeschichtlichen Einordnungen. Daneben liefert ein zu jedem Spieltext verfasster Endkommentar konzise Informationen zur Autorschaft, Datierung und Überlieferung, bietet Hinweise zur Textkritik sowie literaturwissenschaftliche Deutungsansätze, Rekonstruktionen der Aufführungssituation und verweist auf Bezüge zu anderen Stücken innerhalb des Corpus.

Die in der Abschlussphase befindliche Neuausgabe soll die aus dem Jahre 1858 datierende und lange überholte Gesamtausgabe Adelbert von Kellers ersetzen und letztlich Studierenden und Lehrenden der Fächer Literaturwissenschaft, Linguistik, Kulturwissenschaft sowie Mediävisten aller Fächer im akademischen Unterricht bzw. als zuverlässige Grundlage für weitergehende wissenschaftliche Forschung dienen.

Projektdaten kompakt:

Projektleitung:

Prof. Dr. Martin Przybilski 

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Projektmitarbeiter:

Theresia Biehl M.A.

Dr. Stefan Hannes Greil

wissenschaftliche Hilfskraft: Claudia Schmitt
Kontakt:

Universität Trier

FB II: Germanistik, Ältere deutsche Philologie

54286 Trier

Arbeitsstelle: DM-Gebäude, Raum DM 163

Tel. +49-651/201-2685

Projektförderer:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (Beginn 2005 - Ende 2009), Fritz Thyssen Stiftung (Abschlussförderung seit 2011)

Kooperationsprojekt: Neuedition und Kommentierung der vorreformatorischen Nürnberger Fastnachtspiele (Rosenplüt-Corpus), Lehrstuhl Prof. Dr. Klaus Ridder, Universität Tübingen