Der antike Kunstmythos "Arkadien" - benannt nach einer Landschaft auf dem Peloponnes in Griechenland – steht bis in unser heutiges Verständnis für eine Idealvorstellung einer Gesellschaft ohne Konflikte, voller Frieden, Harmonie und scheinbar grenzenloser Schönheit: Arkadien ist und war ein Gegenbild zur tatsächlichen Realität gesellschaftlicher Zustände. Zurückgehend auf den antik-römischen Dichter Vergil (70-19 v.Chr.), der Arkadien in seinen "Bucolica" als eine Seelenlandschaft beschreibt, etablierte sich die Vorstellung dieses "locus amoenus" in der Vorstellungswelt der Antike und fand im Bereich der Künste in Renaissance und Barock sowie in der Zeit um 1800 eine überaus reiche Resonanz. Künstler wie Claude Lorrain, Antoine Watteau, die niederländischen Italianisaten Nicolaes Berchem, Herman van Swanefelt und Jan Both sowie verschiedene Deutsch-Römer erhoben den "Mythos Arkadien" zu einem der wichtigsten und am weitesten rezipierten Themen der Landschaftsmalerei und -graphik ihrer Zeit. Noch heute haben die Kunstwerke dieser Thematik nichts von Ihrem Zauber und ihrer Faszination verloren

Die aus den Beständen der Graphischen Sammlung der Universität Trier konzipierte Ausstellung versucht anhand von 100 Blättern aus dem Zeitraum zwischen 1490 und 1830 die Entwicklung des Arkadienbildes in allen seinen Filiationen nachzuzeichnen. Dabei richtet sie einen besonderen Augenmerk auf die Aufnahme pagan arkadischer Vorstellungen in der Darstellung des christlichen Paradieses und spürt der Tendenz nach, Arkadisches in die Darstellung der eigenen Heimat zu übertragen. Auch werden die bildkünstlerischen Wurzeln der Wirkungsmacht des arkadischen Ideals untersucht: Ist es das Licht mit seinem Spiel von Helligkeit und Schatten? Oder die Figurenstaffage aus Hirten samt idyllisch äsenden Schafen und Ziegen sowie den mythologischen Lebewesen aus Pans Gefolge?

In diesem studentischen Projektseminar stand die konkrete Vorbereitung einer Ausstellung im Zentrum des Seminargeschehens, die vom 19.09. bis zum 31.10.2010 in den Thermen am Viehmarkt in Trier gezeigt wird. Aufgabe des engagierten Projektteams ist die Auswahl der zu zeigenden Graphiken aus dem Sammlungsbestand, die wissenschaftliche Bearbeitung und konservatorische Betreuung der Blätter sowie die Abfassung der Texte für den Ausstellungskatalog. Alle Stationen der Entstehung einer Ausstellung, von den ersten konzeptionellen Gedanken bis hin zum fertigen Hängeplan werden in der Arbeitsgruppe gemeinsam entwickelt und diskutiert.