Daten in der Cloud speichern

(Artikel  von 2010, überarbeitet Juni 2012)

Immer mehr Anbieter stellen Speicherplatz in der "Cloud" zur Verfügung - d.h. auf den Servern der Anbieter irgendwo im Internet. Dazu gehören alle Mailanbieter, aber auch Google und Microsoft sowie viele auf Datenspeicherung spezialisierte Dienste.

Diese Art der Datenspeicherung wird wohl immer mehr zunehmen. Sie bietet natürlich den einzigartigen Vorteil, dass die Daten überall zur Verfügung stehen, wo ein Internetanschluss verfügbar ist. Nachteil ist, dass die Daten irgendwo im Internet herumgeistern. Deshalb könnte es eventuell sinnvoll sein, die Daten verschlüsselt zu speichern.

Ein Artikel in der c't 26/2010 erwähnte den Speicherdienst Dropbox, das Verschlüsselungsprogramm SecurStick und die Möglichkeit, beides zu kombinieren. Das war für mich der Anlass, mich etwas ausführlicher mit dem Thema zu befassen. Einige Möglichkeiten und Erfahrungen möchte ich hier - nach und nach - darstellen.

Allgemeine Aspekte

Wichtige Aspkete beim Speichern in der Cloud sind Speichergröße, Kosten, Zugriffsgeschwindigkeit, Verfügbarkeit, Datensicherheit (in zweierlei Hinsicht: dauerhafte integre Speicherung und Schutz vor unbefugtem Zugriff).

Meist wird eine begrenzte Speichermenge kostenlos angeboten; das reicht von 1 GB bis 7 GB (letzteres zurzeit bei Microsoft), gegen Gebühr gibt's viel mehr. Man kann aber auch mehrere Konten aufmachen (sofern man den Überblick behält ...).

Die Zugriffsgeschwindigkeit hängt einerseits von der Geschwindigkeit der Internetverbindung ab - eine einigermaßen schnelle DSL-Verbindung sollte es mindestens sein. Andererseits aber auch von der Reaktionszeit des Servers - hier spielt Microsoft zurzeit noch nicht in der oberen Klasse ...

Es kann auch Beschränkungen hinsichtlich der maximalen Dateigröße oder der zulässigen Dateitypen geben; diese Vorgaben ändern sich jedoch häufig, so dass man sich jeweils aktuell informieren muss.

"Normale" Datenspeicherung in der Cloud

Sehr viele Anbieter stellen Platz zum Speichern auf ihren Servern zur Verfügung. Dazu gehören z.B. alle Mail-Anbieter und die sozialen Netze. Wenn Sie eine Datei an eine Mail anhängen und diese an sich selbst schicken, wird die Datei beim Mailanbieter gespeichert ("gesichert" ?!). Wenn Sie Fotos hochladen, liegen diese auf dem Server des Anbieters.

Manche Firmen ermöglichen zusätzlich zum Speichern auch das Bearbeiten von Dateien im Browser, z.B. Google Docs oder Microsoft Windows Live.

Grundsätzlich ist der Zugriff auf die Online-Speicher immer über einen Webbrowser (Internet Explorer, Firefox, Chrome ...) möglich: Sie laden Dateien hoch und bei Bedarf wieder herunter. Auch Verwalten können Sie die Dateien im Browser (umbenennen, verschieben, löschen ...). Es gibt aber auch andere Zugriffsmöglichkeiten, die den Zugriff auf Online-Speicher erheblich vereinfachen können.

Online-Speicher in den Windows Explorer einbinden (unter Windows 7)

Wenn der Anbieter das WebDAV-Protokoll unterstützt, ist es möglich, den Online-Speicher in den Windows Explorer so einzubinden, dass man wie auf "normale" Laufwerke darauf zugreifen kann. Hier als Beispiel das GMX Mediacenter unter Windows 7:

  • Im Windows Explorer die Funktion "Netzlaufwerk verbinden" aufrufen (z.B. auf "Computer" klicken, dann oben im Menü auf "Netzlaufwerk verbinden").
  • Im folgenden Dialogfenster auf "Verbindung mit einer Website herstellen, auf der Sie Dokumente und Bilder speichern können" klicken.
  • Im Assistenten erst mal "Weiter", dann die Internetadresse eingeben: webdav.mc.gmx.net , "Weiter".
  • Als Benutzernamen geben Sie Ihre GMX-Mailadresse ein (oder auch Ihre Kundennummer - damit klappt es manchmal besser), dazu Ihr GMX-Passwort.
  • Der Name der Verbindung ist beliebig; darunter erscheint das Mediacenter anschließend im Explorer (unten innerhalb von "Computer").

Alternativ können Sie den Online-Speicher auch mit dem Befehl net use y: webdav.mc.gmx.net in Windows 7 einbinden, dann steht er sogar als logisches Laufwerk (hier Y:) systemweit zur Verfügung.

Und wenn Sie den Online-Speicher auf die eine oder andere Weise dem System bekannt gemacht haben, gibt es viele Anwendungsmöglichkeiten. Sie können zum Beispiel

  • das Programm BoxCryptor nutzen, um Ordner und Dateien im Online-Speicher zu verschlüsseln.

  • mit TrayBackup eine Sicherung Ihrer Daten in einen verschlüsselten oder unverschlüsselten Ordner im Online-Speicher erstellen. Denken Sie an die Speicherkapazität und die Übertragungsgeschwindigkeit! Eine erste Sicherung von 1350 Dateien/105 MB aus dem Campusnetz in das GMX Mediacenter dauerte ca. 40 Minuten (mit vielen kleinen Dateien; 54 Dateien/66 MB verschlüsselt nur ca. 5 Minuten ...). Änderungssicherungen gehen anschließend natürlich viel schneller.

Microsoft Skydrive unterstützt WebDAV nur sehr unzulänglich. Mit Hilfe spezieller Software, z.B. dem SDExplorer, soll es aber möglich sein, den Skydrive im Windows-Explorer relativ komfortabel zu verwalten.

Google Drive unterstützt WebDAV bisher überhaupt nicht. Allerdings gibt es wohl einen Windows-Client, der eine Dropbox-ähnliche Funktionalität bietet. 

Online-Speicher in Nautilus einbinden (Gnome-Desktop in Linux)

Wiederum als Beispiel das GMX-Mediacenter:

  • "Datei, Mit Server verbinden"
  • Dienste-Typ: WebDAV (HTTP)   [HTTPS hat nicht funktioniert]
  • Server: webdav.mc.gmx.net
  • Benutzername: GMX-Kundennummer   [nicht die Mailadresse]
  • je nach Wunsch ein Lesezeichen hinzufügen
  • "Verbinden"

Mounten mittels davfs2 sollte auch möglich sein, wurde aber noch nicht getestet. (Das wäre erforderlich, damit SecurStick funktioniert ...)

Automatische Synchronisation zwischen lokaler Festplatte und Online-Speicher

Eine solche Funktionalität bietet zum Beispiel Dropbox. Nachdem man die zugehörige Software heruntergeladen und installiert hat, erscheint z.B. in Windows 7 ein zusätzlicher persönlicher Ordner namens "Dropbox". Alles, was man dort hineinkopiert, wird automatisch im Hintergrund in den Online-Speicher kopiert. Verwendet man das Programm auf verschiedenen Rechnern, wird der Inhalt dieses Ordners überall synchronisiert - wobei auch Mac-, Linux- und Smartphone-Systeme unterstützt werden. Über die Konfiguration können einzelne Unterordner vom Synchronisieren ausgenommen werden - sie verschwinden dann vom lokalen System und stehen nur noch in der "Cloud" zur Verfügung. Man kann sie aber natürlich auch wieder einblenden.

Da der Dropbox-Ordner als ganz normaler Systemordner zur Verfügung steht, kann man hier auch Verschlüsselungsprogramme wie BoxCryptor oder SecurStick einsetzen. Natürlich könnte man den Ordner auch als Ziel für TrayBackup verwenden. Zugriff auf den Online-Speicher über Webbrowser ist selbstverständlich auch möglich.

Je nach Konfiguration wird Dropbox automatisch beim Systemstart gestartet und verrichtet seinen Dienst unauffällig im Hintergrund. Alles in allem eine sehr einfache und "unauffällige" Lösung.

Dennoch stehe ich dieser Möglichkeit mit gemischten Gefühlen gegenüber. Einmal muss jeweils spezielle Software installiert werden - aber anders lässt sich diese Funktionalität nicht erreichen. Zum andern halte ich nicht besonders viel vom Prinzip der "Synchronisation". Ist es sinnvoll, seine Dateien auf allen Rechnern liegen zu haben, mit denen man arbeitet? Eigentlich reicht es doch, wenn man die Daten einmal in der Cloud speichert (und in einer lokalen Sicherheitskopie, versteht sich) und dann bei Bedarf von überall her darauf zugreift. Außerdem habe ich bei einer "automatischen" Synchronisation immer ein ungutes Gefühl, gerade wenn mehrere Rechner im Spiel sind - irgendwann kommt der Mechanismus durcheinander, und da die Synchronisation ja immer in beide Richtungen abläuft, können auch leicht mal Dateien verlorengehen. Als Schutz dagegen bietet Dropbox wiederum Rückgängmachen von Aktionen und Zugriff auf ältere Dateiversionen. Hat alles seine Vor- und Nachteile.

Automatisches Backup in die Cloud

Ähnlich wie die Synchronisation, aber nur in eine Richtung: von der lokalen Platte in den Online-Speicher. Auch hier muss zwangsläufig ein lokaler Client installiert werden, und eine sehr schnelle Internetverbindung dürfte Voraussetzung sein. Meist kostenpflichtig und für Privatanwender wohl nicht so interessant.

Nähere Informationen hierzu bietet der Artikel Cloud-Backup für Privatnutzer: 13 Anbieter im Überblick von Peter Stelzel-Morawietz, zdnet.de, 4. August 2010.