Urbane Bäche

Aufwertung von urbanen Bächen und ihren Einzugsgebieten - Methodenstand und Forschungsdefizite

Urban geprägte Bäche und die mit ihnen verbundenen Nutzungspotentiale stehen unter dem Einfluss komplexer und teils ineinander verwobener Prozesse. Der dabei zu berücksichtigende Wirkraum ist das gesamte Einzugsgebiet. Im Widerspruch zu dem auf urbanen Bachabschnitten lastenden Nutzungsdruck, sind diese in der Vergangenheit aus dem Bewusstsein von örtlicher Bevölkerung, aber auch der Stadt- und Regionalplaner nahezu verschwunden. Fließstrecken wurden systematisch verdolt oder in Betonquerschnitte gefasst und regelmäßig hinter einem Sichtschutz von Hecken und Zäunen verborgen. Dies ist unter anderem auf den gesteigerten Flächenbedarf in Siedlungsgebieten, aber auch auf die notwendige Einleitung von Ab- und Oberflächenwässern zurückzuführen.

Die entstanden Gewässerabschnitte sind von sehr geringer ökologischer Wertigkeit und weisen ein zumeist von der Bevölkerung negativ beurteiltes Erscheinungsbild auf. Zusätzlich wird der Druck auf die Entscheidungsträger durch die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie erhöht, da die damit verbundenen Maßnahmen unterschiedlichste Interessengruppen tangieren und zu Interessenkonflikten führen.

Nur ein Ansatz, der die geschilderte Komplexität berücksichtigt und Methoden verschiedener Disziplinen zusammenführt und kombiniert, wird auch vor dem Hintergrund der durch die Wasserwirtschaft definierten Ziele (Ganzheitlichkeit, Verträglichkeit und Nachhaltigkeit) Aussicht auf Erfolg haben. Von der Forschung werden hierbei Entscheidungshilfen und Lösungen eingefordert, die auf erfolgreichen Ansätzen bestehender Projekte aufbauen, gleichzeitig aber das innovative Potential neuer, kostenoptimierter Lösungswege und Techniken erschließen. Aus Sicht der Trierer Arbeitsgruppe wurden hinsichtlich der Probleme an urbanen und urban beeinflussten Bächen zunächst die im Folgenden beschriebenen Arbeitsschwerpunkte definiert.

a) Flächencharakterisierung und -verteilung im Einzugsgebiet

Die Verfügbarkeit neuer und teils hochauflösender Aufnahmesysteme in der Fernerkundung hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen und an Opperationalität gewonnen. Dies bietet innovative Potentiale für die Kartierungen und Bewertungen von heterogenen und kleinstrukturierten Gebieten, wie sie europäische Stadtlandschaften darstellen. Bisherige Ansätze bei der Verknüpfung von Fernerkundung und Stadthydrologischen Fragestellungen nutzen diese aktuelle Potentiale aber nur zum Teil oder sind allein forschungsorientiert. Anderer Seits sind in der Stadthydrologie und Entwässerungsplanung detaillierte Flächeninformationen im Rahmen der Minimierung von Abflussmengen (Niederschlagsbewirtschaftung) und Schadstoffeinträgen (Identifizierung und Bewertung von Stoffquellen) sowie der effizienten und kostensparenden Planung von Entwässerungssystemen von hohem Interesse. Forschungsinitiativen, die zum einen die geschilderten Potentiale nutzen und zum anderen an den Anforderungen von Einzugsgebietsmanagern und Entscheidungsträgern orientiert sind, fehlen dagegen noch weitgehend.

b) Ansprüche an eine angemessene Reintegration des Baches unter Berücksichtigung der Interessen verschiedener Akteure

Die Reintegration eines Baches bei vorhandener Wohnbebauung stellt per se eine große Herausforderung dar. Das als Untersuchungsgegenstand definierte Objekt, der Olewiger Bach, ist ein siedlungsgeschichtlich äußerst interessant, da an seinem unteren Lauf eine der bedeutendsten heiligen Kultstätten des Römischen Reiches lag, die die ehem. Römische Stadt mit dem Amphitheater verband.

Um einer "angemessenen" Reintegration gerecht zu werden, sind die vielfältigen Funktionen des Baches und seiner Nutzungsumgebung zu erfassen und zu bewerten. Es gibt neben der historischen auch ein kulturlandschaftlich-touristische Bedeutung, da an den Hängen des Baches der Wein bis in die Kernstadt wächst.

c) Hochwasserentstehung und Hochwasserrisiken (urbane/urbanüberprägte Abflussbildung)

Der steigende Platzbedarf und die damit verbundene Versiegelung von natürlichen Oberflächen verändern ständig das Abflussgeschehen unserer Gewässer. Insbesondere bei urban geprägten Bächen ist die Beanspruchung besonders drastisch, da die Spanne zwischen Trockenwetter- und Ereignisabfluss immer größer wird. Dies ist auf geringere Grundwasserneubildungsraten und verstärkten Oberflächenabfluss der versiegelten Flächen zurückzuführen. Aufgrund des steigenden Flächenverbauchs besteht deshalb Forschungsbedarf hinsichtlich der naturnahen und herkömmlichen Siedlungswasserbewirtschaftung und deren Auswirkungen auf die Gewässer.

Mit den vom Forschungsfonds beantragten Mitteln sollen in den an der Universität Trier beteiligten Fächern Mittel für Hilfskräfte und Sachkosten bestritten werden. Bezogen auf die jeweiligen Schwerpunkte der Fächer, sollen diese Mittel zur Sichtung und Bewertung vorhandener Methoden, der detaillierten Aufdeckung von Forschungsdefiziten sowie der Aufbereitung und Ergänzung von Feld- und Modelldaten verwendet werden. Diese Vorarbeiten sollen in die Erstellung von Projektanträgen im Rahmen von Interreg IVB NWE und Interreg IVA Großregion überführt werden. Diese Projekte sollen Handlungsempfehlungen und Maßnahmenkataloge erarbeiten, die eine erfolgreiche Inwertsetzung urbaner Bäche unter Einbezug ihres Einzugsgebiets europaweit vorantreiben.

a) Flächencharakterisierung und -verteilung im Einzugsgebiet

Um den Anforderungen Innovativität und Anwendungsbezug die den Charakter von Interreganträgen ausmachen gerecht zu werden, müssen in diesem Arbeitsfeld zunächst die vorhandenen Ansätze und Methoden gesichtet und bewertet werden. Zudem ist es unerlässlich, aus dem fernerkundlichen Methodenkanon und den zur Verfügung stehenden Sensoren diejenigen auszuwählen, die am besten zu den Anforderungen der wasserwirtschaftlichen Entscheidungsträger passen. Zusätzlich sind die bis zum Frühjahr zur Verfügung stehenden Fernerkundungsdaten zu überprüfen und hinsichtlich einer Verwendung in zukünftigen Urbanhydrologischen Projekten vorzuverarbeiten.

b) Ansprüche an eine angemessene Reintegration des Baches

Nutzungs- und Interessenkonflikte sind bei der Umgestaltung öffentlichen Raumes keine Seltenheit. Dieses Projekt, das die Möglichkeiten einer Reintegration von kleinen Fließgewässern in den urbanen Raum untersucht, stellt ein weitgehend vernachlässigtes Arbeitsfeld für die Stadt- und Umweltplanung dar.

Im Zuge des Projektes sollen die Herausforderungen einer Reintegration von Bachläufen in den urbanen Raum methodisch operationalisiert und beispielhaft erfasst werden. Dabei müssen verschiedene Teilaspekte räumlicher Forschung, wie die Siedlungsgeschichte, Kulturlandschaftsbetrachtungen, der Planungsvorgang, das Freizeitverhalten und wirtschaftliche Aspekte, gleichzeitig berücksichtigt werden.        

c) Hochwasserentstehung und Hochwasserrisiken (urbane/urbanüberprägte Abflussbildung)

Der vorhandene Datenbestand zur naturnahen Regenwasserbewirtschaftung auf dem Petrisberg soll hinsichtlich der Auswirkungen auf den Brettenbach und damit mittelbar auf den Olewiger Bach untersucht werden. Hierbei soll die Reaktion des Regenwasserbewirtschaftungssystem auf verschiedene hydroklimatische Szenarien geprüft werden. Abschließend soll mit Hilfe der Niederschlagsdaten des Deutschen Wetterdienstes eine Modellierung des Gesamtsystem (bis zur Mündung in den Olewiger Bach) erfolgen und eine Wirkungsanalyse erstellt werden.

Um ein nahtloses Ineinandergreifen der einzelnen Arbeitschwerpunkte zu gewährleisten, sollen alle Untersuchungen beispielhaft für Teilgebiete des Einzugsgebietes des Olewiger Bachs im Raum Trier durchgeführt werden. Im Bezug auf die einzelnen benannten Schwerpunkte, ist der im Folgenden näher ausgeführte Arbeitsplan vorgesehen:

a) Flächencharakterisierung und -verteilung im Einzugsgebiet

aa)   Sichtung des vorhanden Datenmaterials

ab) Literaturrecherche und Klassifikation von Ansätzen in der Verknüpfung von Fernerkundung und Urbanhydrologie.

ac) Vertiefung des kooperativen Dialoges zwischen Forschungseinrichtungen und Entscheidungsträgern der Region um deren Anforderungsprofil abzufragen.

ad) Kooperation mit potentialen Partnern in Luxemburg und Auswertung von urbanen LIDAR-Befliegungen (2008/2009)

b) Ansprüche an eine angemessene Reintegration des Baches

ba) Darstellung und Zusammenfassung der historischen Nutzung und Bebauung sowie der heutigen Nutzung und Besitzstände (Katasterkarten)

bb) Umfassende Literaturrecherche

bc) Befragungen von Interessen- und Akteursgruppen hinsichtlich des Ist-Zustandes und möglichen Veränderungen

bd) Gespräche mit privaten und öffentlichen Investoren sowie den Entscheidungsträgern

c) Hochwasserentstehung und Hochwasserrisiken (urbane/urbanüberprägte Abflussbildung)

ca) Strukturierung und Aufarbeitung der vorhandenen sowie erworbenen hydro- und meteorologischen Daten hinsichtlich der angesprochenen Themenbereiche

cb) Ausarbeitung verschiedener hydro-klimatischen Szenarien zu kritischen Dauerstufen und Niederschlagsintensitäten

cc) Modellierung (Achleitner et al. 2008; Garcia et al. 2008) und Erstellung einer Wirkungsstudie anhand der Modellierungsergebnisse

cd) Zusammenführung und Entwicklung eines Antrags