Vordereifel

Standortanalyse für den Tourismus in der Verbandsgemeinde Vordereifel

Die Eifel bezeichnet heute nicht wie in früheren Jahrhunderten nur das eigentliche Mittelgebirge, sondern einen in den Köpfen der Menschen mit Vorstellungen verknüpften Raum. Der geo-graphische Terminus ‚Eifel’ wird als touristische Destination verstanden, als ein identitätsstiftender Raum und eine zusammengewachsene Region, mit der Bewohner und Besucher besondere Konnotationen – wie beispielsweise Vulkanismus oder Berge, Wiesen, Wälder und Ruhe – verbinden. Ohne Zweifel wird die Eifel immer stärker als touristische Destination wahrgenommen, doch wie kann eine kleinere Teileinheit dieser Region davon profitieren und sich eigenständig profilieren? Kann der Tourismus auch in einer aus 27 Ortsgemeinden bestehenden Verbandsgemeinde in der Osteifel identitätsstiftend wirken, so dass er sich signifikant förderlich auf diese Region und ihr Image auswirkt und zu einer Stärkung ihrer lokalen Wirtschaft und des Heimatbewusstseins beiträgt?

Konkret wird als Teilbereich der Eifel hier das Untersuchungsgebiet der Verbandsgemeinde Vordereifel hinsichtlich seiner touristischen Struktur beurteilt und das touristische Potenzial als möglicher zukünftiger Beitrag zu einer integrierten und nachhaltigen Regionalentwicklung aufgezeigt. Überdies stellt diese Studie die strategischen Leitlinien und Grundzüge einer empfehlenswerten Ausrichtung des Tourismus vor, die durch verstärktes touristisches Engagement zu fördern ist.

Der Tourismus ist als eine Chance für eine verbesserte ökonomische Tragfähigkeit in der Verbandsgemeinde Vordereifel zu sehen. Er wird bei konsequenter Umsetzung im Rahmen einer integrierten Raumentwicklung auch eine Identifikationsmöglichkeit der Bewohner mit ihrer Region sein, die diese aktiv mitgestalten und mit Stolz Reiseempfehlungen für ihre Heimat aussprechen.

Ziel dieser Studie ist es somit, der Verbandsgemeinde Vordereifel sowie ihren touristischen Akteuren Möglichkeiten aufzuzeigen, sich zukünftig im Tourismus besser zu profilieren, um damit die regionale Wertschöpfung ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltig zu verbessern. Es werden dazu relevante Einflussfaktoren zur Verbesserung der Nachhaltigkeit und zur Steigerung der Attraktivität von Freizeitverkehrsangeboten in der Vordereifel identifiziert, Hinweise auf neue Möglichkeiten der Einrichtung und Nutzung von Freizeitverkehrsangeboten gegeben und Handlungsoptionen für das Vorgehen bei der touristischen Entwicklung dargestellt und bewertet. Diese Handlungsoptionen basieren auf einer Zielformulierung der künftigen Tourismusentwicklung in Form eines Leitbilds.

Als Ergebnis des Gutachtens werden Strategien skizziert, welche die Grundlage für ein zukünftiges Handlungskonzept bilden und die künftige Ausrichtung des Tourismusgeschehens strukturieren sollen.

Methodisches Vorgehen

Im Rahmen der Tourismusstudie wurde eine umfangreiche und qualitativ hochwertige Diplomarbeit von Frau Eva Becker erarbeitet, die als Grundlage für dieses Gutachten dient.

Zur Vorbereitung einer eventuellen Neupositionierung und Stärkung des Tourismus in der VG Vordereifel wurde auf der Basis von 70 von Frau Becker und Prof. Eberle geführten Experteninterviews mittels des dieser Studie zugrunde liegenden Bottom-up-Verfahrens eine Struktur- und Potenzialanalyse durchgeführt. Bei diesem Ansatz werden "von unten nach oben" die einzelnen Aussagen, Vorstellungen, Wünsche der Gesprächspartner betrachtet und bewertet, um dann durch Integration und Aufsummierung ein Gesamtergebnis zu erhalten und positive Veränderungen für die Zukunft anzuregen.

Dabei wurden bewusst die Meinungen und Vorstellungen tourismusrelevanter Schlüsselpersonen vor Ort erfasst und ausgewertet, um sie als methodische Grundlage für diese Studie zu nutzen und bei  zukünftigen Tourismusstrategien zu berücksichtigen. Dies gibt den Charakter des Bottom-up-Prinzips wieder, das auf die Mitsprache aller Anspruchsgruppen baut und der Vordereifel kein Tourismuskonzept ‚überstülpen’, sondern zusammen mit den Betroffenen entwickeln möchte.

Neben den 74 Intensivinterviews bilden zahlreiche Kurz- und Zufallsgespräche, wiederholte Ortsbegehungen, die Teilnahme an Behörden- und Veranstaltungsterminen und eine umfassende thematische Literatur- und Datenrecherche die Grundlage für dieses Gutachten.

Die Intensivinterviews wurden mit Schlüsselpersonen aus drei verschiedenen Tourismusbereichen geführt: Von den Gesprächspartnern sind 15 Personen den touristisch und/oder regionalplanerisch versierten Experten zuzurechnen, die als Spezialisten bezeichnet werden; bei 28 Gesprächspartnern handelt es sich um Betreiber von Gästeinfrastruktur (Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, Restaurants, Cafés und Gaststätten), die zusammenfassend als Leistungsträger typisiert werden. Weiterhin wurden Gespräche mit allen Bürgermeistern der 27 Ortsgemeinden der VG Vordereifel sowie dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde geführt.

Um eine weit reichende Betrachtung des behandelten Themas zu gewährleisten, wurden schließlich auch Intensivinterviews mit unterschiedlichen Gästegruppen in der Vordereifel geführt. So fließen neben der Anbieterseite touristischer Leistungen auch die Bedürfnisse der Nachfrageseite und ihre Sicht auf die Destination Vordereifel in die Studie mit ein.

Insgesamt wird mit der gewählten Methode wird das Ziel verfolgt, ein umfassendes Bild der Region Vordereifel zu zeichnen und Stimmungen, Wünsche sowie Probleme der Akteure in der Verbandsgemeinde zu erfassen und aus diesen Äußerungen heraus Maßnahmen zu entwickeln, die bei einer breiten Mehrheit Akzeptanz finden können.