Auswandererbriefe in den Neuen Ländern

"Sammlung deutscher Auswandererbriefe"

DFG-Projekt zur Sammlung von Auswandererbriefen
Laufzeit: 2002-2005 (abgeschlossen)


Für weitere Informationen besuchen Sie die Website der Nordamerikabriefesammlung.

 

Buchprojekt

"
Die Auswandererfamilie Johann Heinrich Carl Bohn:
Lebensgeschichten und soziale Praxis eines transnationalen Familien-Netzwerks, 1852-2005"


Projekt im Rahmen der Forschungsgruppen des Historisch-Kulturwissenschaftlichen Forschungszentrums Trier (HKFZ)

 

Bearbeiter(innen)

Prof. Dr. Ursula Lehmkuhl

 

Kooperationspartner

Prof. David Gerber, University of Buffalo (SUNY)
Prof. Donna Gabaccia, Immigration History Research Center, University of Minnesota
Dr. Sonia Cancian, Université de Montréal

 

Abstract

Das Forschungsprojekt untersucht auf der Grundlage einer 201 Briefe umfassenden Auswandererbriefserie aus Thüringen die soziale und kommunikative Praxis eines transnationalen Familiennetzwerkes über unterschiedliche Generationen und historische Umbruchsituationen hinweg (Revolution 1848, Erster und Zweiter Weltkrieg, sowjetische Besatzung, Mauerbau, DDR). Dabei soll neben den sozialhistorisch relevanten Fragen nach sozialer Inklusion und Exklusion, den Kohäsionsfaktoren innerhalb des Netzwerkes und seiner Bedeutung als soziales Kapital für die ausgewanderten Familienmitglieder auch die subjektive und damit mikrohistorische Dimension der Auswanderungserfahrung (Erwartungen, Identitäten, Kontinuitäts? und Umbrucherfahrung etc.) in den Blick genommen werden. Hierzu werden auf der Grundlage der im Rahmen des Projektes zu leistenden digitalen Edition der Briefserie die individuellen Lebensgeschichten bzw. Lebenslaufkonstruktionen (life stories) und die Schreibpraxis brieflicher Selbstthematisierung analysiert und die Koordinations? und Kommunikations? sowie die Steuerungs? und Ordnungsfunktion des Netzwerkes rekonstruiert. Das Forschungsprojekt leistet damit nicht nur einen Beitrag zur historischen Netzwerkanalyse, sondern auch zur Auswandererbriefforschung im engeren Sinne und zwar insofern, als das Genre „Auswandererbrief“ als Medium der transnationalen Selbstverständigung, der Tradierung von Identität stiftenden Familienmythen sowie als Medium des Kulturtransfers betrachtet und ausgewertet wird. Diese und weitere historische Erkenntnismöglichkeiten, die das Genre „Auswandererbrief“ für die Erfassung insbesondere der subjektiven Dimension der Wanderungserfahrung bietet, sind bisher in der Auswandererbriefforschung nur geringfügig genutzt worden.
Das Forschungsprojekt knüpft an die von Gerber ("Authors of their Lives" 2006) erarbeiteten heuristischen Modelle an und erweitert sie im Hinblick auf die Analyse eines generationenüberspannenden transatlantischen Familiennetzwerkes und der damit verbundenen Fragen nach den Wechselwirkungen zwischen Strukturen des sozialen Raums und den Lebenswelten der Briefeschreiber einerseits und der Bedeutung des Generationenzusammenhangs und der sozioökonomischen Verhältnisse im Netzwerk andererseits. Dabei soll es auch darum gehen, sozialhistorische und soziologische Perspektiven und historisch?anthropologische Fragestellungen zusammenzuführen und analytische Brückenkonzepte zwischen der Makro? und Mikroperspektive zu entwickeln.
Mit dem von der Forschergruppe im Rahmen des transkulturellen Vergleichs entwickelten Personenkonzept soll die schriftliche Inszenierung von Traditionsbrüchen in Auswandererbriefen oder das genaue Gegenteil, nämlich die kommunikative Beteuerung von Kontinuität trotz einschneidender Umbrucherfahrung, herausgearbeitet und in den Kontext der Diskussion um die Auswandereridentität gestellt werden.

 

Materialbasis

201 Briefe umfassende Auswandererbriefserie aus Thüringen im Zeitraum von 1852-2005

 

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