Vortragsreihe im WS 2017/ 2018 an der Volkshochschule Trier jeweils Di, 19:30 Uhr

In Zusammenarbeit mit der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft Trier e.V., dem Konfuzius-Institut der Universität Trier, dem Fach Sinologie der Universität Trier und der Volkshochschule Trier, möchten wir alle Interessierten herzlich zur Vortragsreihe "China Heute - Vortragsreihe 2017/ 2018" einladen.

Alle Vorträge finden jeweils dienstags um 19:30 Uhr in Raum 5 der Volkshochschule Trier, Palais Walderdorff statt. Eintritt 5,00€ (Schüler und Studenten nach Vorlage eines Ausweises frei!)

Genauere Informationen zu Themen, Vortragenden, etc. finden Sie in unten aufgeführter Liste.

14.11.2017

Prof. Dr. Nele Noesselt, Duisburg

Chinesische Weltordnungsentwürfe? Chinas „Neue Seidenstraße“-Initiative

Der Vortrag beleuchtet die Ideen und Strategien, die der chinesischen Konzeption der Seidenstraße des 21. Jahrhunderts unterliegen, und beleuchtet ausgewählte Stränge der innerchinesischen Expertendebatten. Eine „globale“ Positionierung Chinas bedingt auch eine Readjustierung der offiziellen außenpolitischen Strategie, die bislang auf außenpolitischen Understatement (taoguang yanghui-Formel) beruht hatte. Doch eben diese theoretische Neukonzeption sorgt für heftige Kontroversen. Auch auf philosophischer Ebene wird die „Neue Seidenstraße“ debattiert – mit Blick auf Ordnungskonzepte und Interaktionsprinzipien, bei denen auf Grundüberlegungen der vormodernen chinesischen Staats- (und Welt-) Philosophie zurückgegriffen wird. Doch wie reagieren Chinas regionale Nachbarn und Kooperationspartner auf die hier entworfene Weltordnung? Und inwiefern erfordert der Eintritt in das Netzwerk eine Übernahme chinesischer Normen und Werte?

 

21.11.2017

Prof. Dr. Monika Gänßbauer, Erlangen

Der Übersetzer als "Vogelfänger"? Reflexionen zu Übersetzung in China

Der Vortrag geht verschiedenen Vorstellungen chinesischer Autoren und Übersetzer zum Thema Translation nach. Im China des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts waren Fragen von Sprache, Übersetzung und Zukunftsfähigkeit des Landes eng miteinander verknüpft. Der Philologe Zhang Taiyan stellte die Möglichkeit von Übersetzung grundsätzlich infrage. Anders der Schriftsteller Zheng Zhenduo. Er, der auch Rabindranath Tagore ins Chinesische übersetzte, sprach Übersetzungen denselben Wert wie literarischen Eigenschöpfungen zu. Der Autor Lu Xun wiederum war der Meinung, dass die Übersetzung ausländischer Werke und die Einführung neuer sprachlicher Formen in China wichtig sei, um die chinesische Literatur und Kultur zu bereichern und das Denken wie auch die Gesellschaft Chinas zu verändern; Chen Duxiu, ein weiterer Protagonist jener Zeit, forderte von den jungen Menschen in China: „Seid kosmopolitisch, nicht isolationistisch“.

 

28.11.2017

Prof. Dr. Bernhard Serexhe, Karlsruhe

Alternative Facts - Einblicke in die chinesische Videokunst

In China, wie überall in der Welt, haben Videobilder seit mehr als fünf Jahrzehnten der Dokumentation von Wirklichkeit gedient und gleichzeitig unüberschaubar vielfältige artifizielle Wirklichkeiten erzeugt. Selbstgeschaffene und vorgefertigte Bilder mischen sich mit spontan auf Mobiltelefonen aufgezeichneten Straßenszenen und der Bilderpracht des Staatsfernsehens. In ihren Werken dokumentieren, bearbeiten, inszenieren und kritisieren Künstler/innen in China diesen allgegenwärtigen Iconoclash. In einer überkomplexen, paradoxen Welt gilt ihre Suche einer Neuverortung und Selbstvergewisserung, verbunden mit dem spielerischen oder auch verzweifelten Versuch, Traditionen in die neu zu schaffende Welt hinüberzuretten und die alternativen Facts des Systems mit ihrer eigenen Kreativität zu widerlegen.

 

09.01.2018

Prof. Dr. Felix Wemheuer, Köln

1978 als Zeitenwende? Brüche und Kontinuitäten der Mao- und Reformära

Von Befürwortern und Gegner wird oft die Reform- und Öffnungspolitik nach 1978 unter Deng Xiaoping als fundamentaler Bruch in der Geschichte der VR China angesehen. Der Vortrag diskutiert neben den Diskontinuitäten auch die starken Kontinuitäten der Mao- und Reform-Ära. Sowohl die Öffnung Chinas zum Westen als auch die Verfolgung der kulturrevolutionären Linken begannen schon Anfang der 1970er. Die neue Führung unter Deng legitimierte sich anfangs nicht durch einen radikalen Bruch, sondern durch die Wiederherstellung des politischen Systems, wie es vor 1966 bestanden hatte. In der Mao-Ära klassifizierte die Partei die Bevölkerung nach Status für Klasse, städtisch/ländlich, Rank, Geschlecht und Ethnizität. In der Reform-Ära wurde nur der Klassenstatus abgeschafft, aber die anderen Klassifizierungen bestimmen weiterhin die sozialen Hierarchien der Volksrepublik China.

 

16.01.2018

Prof. Dr. Dirk Schmidt, Trier

Wie Hase und Schildkröte: Die amerikanisch-chinesischen  Beziehungen und die Folgen für die Weltpolitik

Das britische Nachrichtenmagazin „The Economist“ hat in einem viel beachteten Artikel die USA und China mit Hase und Schildkröte verglichen: Während die USA demnach unter Donald Trump konzeptlos und unberechenbar in den internationalen Beziehungen „herumhüpfen“, verfolgt China scheinbar planvoll, zielgerichtet, langsam aber stetig sein Ziel, zur führenden Macht in der Welt aufzusteigen. Der Vortrag betrachtet ausgehend von diesem Bild die Interaktionen der beiden Großmächte, ihre Kooperations- und Konfliktfelder und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die internationale Ordnung im frühen 21. Jahrhundert.

 

 

23.01.2018

Prof. Dr. Ulrich Vogel, Tübingen

Marco Polo’s Millionen: War der Venezianer in China?

Immer wieder tauchen Zweifel auf, ob Marco Polo (1254-1324) überhaupt in China gewesen sei. Die Hauptargumente, die gegen einen Aufenthalt des Venezianers in Asien vorgebracht werden, beziehen sich meistens auf Ungenauigkeiten und Auslassungen in seinem Bericht über das Reich der Mitte. Der Vortrag wird auf den Stand dieser Diskussion eingehen. Weiterhin wird er anhand von Fallstudien bisher unbeachtet gebliebene Informationen in Polos Le Divisament dou Monde analysieren – all dies in Gegenüberstellung zu entsprechenden Nachrichten in chinesischen Quellen.