Carsten Thurau

Carsten Thurau - Leiter des ZDF-Landesstudios Sachsen (Foto: ZDF)
Foto: ZDF

Chef vom Dienst beim ZDF in Mainz


*1967

1989 - 1990 Volontariat beim Trierischen Volksfreund

1992 - 1998 Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Trier

1992 - 1994 Mitarbeit beim Südwestfunk

seit 1995 Redakteur und Reporter für das ZDF
u.a. in der Hauptredaktion Aktuelles und verschiedene Auslandseinsätze u.a. im Nahen Osten und in Washington

ab 2003 Leiter des ZDF-Studios Rio de Janeiro,

2010-2016 Leiter des ZDF-Landesstudios Sachsen

Neugier, Demut und ein Gespür für Menschen

Carsten Thurau absolvierte in Trier als junger Journalist sozusagen ein Duales Studium

Herr Thurau, hatten Sie nach Ihrem Examen noch Kontakt zur Universität?
Zu den Kommilitonen schon, zur Universität aber nicht. Es wäre schön, wenn es eine Möglichkeit gäbe, sich noch einmal zu treffen. Es interessiert mich, was aus den anderen Studenten geworden ist. Ich stelle mir die Frage, wo alle diese ausgebildeten Volkswirte heute arbeiten und was sie machen.

Welches Bild haben sie als erstes vor Augen, wenn Sie an die Universität Trier denken?
Den Campus, der wie ein UFO in den 70er-Jahren auf dem Berg gelandet ist. Leider liegt die Universität nicht mitten in der Stadt, das hat aber den Vorteil, dass alles sehr kompakt zusammen ist.

Sie haben erst volontiert, also eine Ausbildung absolviert, und dann studiert. Würden Sie heute wieder so vorgehen und auch anderen dazu raten?
Es war schon zu meiner Zeit ungewöhnlich, nach dem Abitur ohne Studium ein Volontariat zu erhalten. Heute ist das kaum mehr möglich. Ich hatte das Glück, dass der Chefredakteur mich gefragt hat. Ich habe gedacht: Was man hat, das hat man – schon deshalb würde ich wieder so handeln. Ich durfte im Volontariat vieles machen und war voll in den Prozess integriert. Das ist der Vorteil des Lokaljournalismus. Daher würde ich jungen Menschen empfehlen, sich gar nicht unbedingt auf die großen Sender oder Blätter zu fixieren. Die Grundlagen lernt man bei einer Regionalzeitung intensiver.

Die alte Streitfrage: Sollte ein Journalist Medienwissenschaft oder Journalistik zumindest als Zweitfach studiert haben? Sie haben sich ganz auf ein VWL-Vollstudium konzentriert.
Ich bin dankbar, das VWL-Studium gemacht zu haben. Es ist hilfreich, ein oder zwei Fächer intensiv studiert zu haben und sich darin auszukennen. Die Studiengänge Medienwissenschaft oder Kommunikationswissenschaft sind mir nicht geläufig, daher will ich niemanden diskreditieren. Empfehlenswert ist es grundsätzlich, seinen Wünschen und Neigungen nachzugehen.

Was sollte ein Studierender mitbringen oder lernen, um Journalist zu werden?
Neugier, Demut und mit Menschen umgehen zu können. Menschen zu überzeugen und zu gewinnen, ist gerade dann schwer, wenn man mit der Kamera unterwegs ist. Demut, um zu erkennen, dass man selbst nicht wichtig ist, sondern die Personen, die man vorstellt.

Was haben Sie im Studium für den Beruf gelernt und was nicht?
Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und Recherche-Grundlagen:Wo finde ich welche Quellen, was hilft mir weiter? Außerdem auch Disziplin. Ich habe während des Studiums beim damaligen SWF gearbeitet, da musste ich die Zähne zusammenbeißen. Wenn man schon im Job ist, fällt es schwer, sich zum Abschluss durchzuringen. Es geschafft zu haben, darauf bin ich ein wenig stolz.

Wäre „Prof. Dr. Carsten Thurau“ für Sie eine ernsthafte berufliche Alternative gewesen?
Nein, niemals.Mich haben diese kleinen Büros abgeschreckt. Nicht, dass ich jetzt ein riesiges Büro hätte, aber wie in der Bienenwabe zu arbeiten, wäre nichts für mich gewesen. Ich schätze es, jeden Tag neue Menschen kennenzulernen. Das würde mir in der Wissenschaft fehlen.

Ihre Stationen klingen wie eine Verklärung des Reporter- und Journalistenjobs: Naher Osten, Washington, Tel Aviv, Rio de Janeiro, Dresden. Traumberuf Journalist?
Für mich ja, definitiv. Ich habe das Glück, sehr viel gesehen zu haben – von den Einsätzen in Krisengebieten, wo man auf gepackten Koffern sitzt, bis zu den festen Stationen in Mainz, Südamerika oder jetzt in Dresden. Nach sieben Jahren war es wieder an der Zeit, nach Deutschland zurückzukehren. Ich kann mit „Bautzen statt Buenos Aires“ sehr gut leben, man kann auch hier spannende Geschichten machen.

Sie waren an vielen Brennpunkten tätig. Welche waren die prickelndsten und gefährlichsten Momente?
Ich bin in Rio de Janeiro zweimal böse überfallen worden, allerdings nicht während Dreharbeiten. 1998 war ich im Kosovo. Was ich dort an Leid, Toten und Massengräbern gesehen habe, war sehr heftig. Dieser Verwesungsgeruch an geöffneten Massengräbern ist sehr heftig. All diese Eindrücke muss man erst verkraften.

Bleibt als Studioleiter ausreichend Zeit für journalistisches Arbeiten?
Ich bin hier weniger mitAdministration beschäftigt als zum Beispiel in Rio de Janeiro, wo ich der einzige sogenannte entsandte ZDF-Mitarbeiter und damit für viel mehr Dinge zuständig war. Im Landesstudio gibt es Strukturen, die mir genügend Zeit für journalistische Beiträge lassen. Hier darf und muss jeder alles machen. Ich gehe beispielsweise auch zu Straßenumfragen raus – nicht gerade der beliebteste Dreh unter uns Kollegen.

Das Interview ist erschienen im Unijournal 1/2013.