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Der Masterstudiengang 'Soziologie (Nebenfach)' verfolgt zwei Ziele: zum einen sollen vertiefte sozialwissenschaftliche Kompetenzen zur Analyse sozialer Prozesse vermittelt und darüber hinaus ein für eine Vielzahl von Fächern interessantes, anschlussfähiges und inhaltlich breit aufgestelltes Angebot an wählbaren Schwerpunkten zur Verfügung gestellt werden. Der Masterstudiengang 'Soziologie (Nebenfach)' versteht sich demnach nicht als klassisches Spezialisierungsangebot im Sinne einer Vertiefung der je nach gewähltem Hauptfach relevanten Studienschwerpunkte,sondern als komplementär angelegtes Konzept, das eine fachübergreifende Auseinandersetzung mit dem Gegenstand fördern soll.

Im Rahmen der zur Verfügung stehenden Spezialisierungen kann eine medien- und kultursoziologische und/oder wirtschaftssoziologische Ausrichtung gewählt werden:

Die medien- und kultursoziologischen Spezialisierungsmodule sollen in systematischer und umfassender Weise vermitteln, wie Medienentwicklungen auf der einen und gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen auf der anderen Seite zusammenwirken. Diese Themen lassen sich bis in die Gegenwart verfolgen und markieren eine signifikante Veränderung auf kognitiver und sozialer Ebene. Angenommen werden Prozesse der Interpenetration, also gegenseitiger Durchdringung, nicht einseitige Ursache-Wirkungs-Beziehungen, die auf das klassische Reiz-Reaktions-Modell rekurrieren. Anstelle dessen werden rekursive und reflexive Wirkungen angenommen, die analytisch unter Vorgabe eines aus soziologischer Sicht relevanten 'Verbindungsglieds' beschrieben und analysiert werden. Der zugrunde gelegte Medienbegriff ist dabei nicht der umfassende, auch alle symbolisch generalisierten Medien (z.B. Geld, Sprache, Macht) einschließende, sondern jener, der auch intuitiv damit assoziiert wird: auch technische Verbreitungsmittel, die ein disperses Publikum erreichen können, bezogen. Zugleich wird aber der wachsenden Bedeutung neuer IuK-Technologien für die Medien- und Alltagskultur Rechnung getragen. Die Zusammenführung von Medien, Kultur und Gesellschaft soll betonen, dass einerseits die Verfasstheit moderner Gesellschaften mit der Existenz von Massenmedien und -kommunikation eng verflochten ist, andererseits die Struktur und Nutzung der Medien immer in bestimmte Sinnkontexte eingebettet bleibt.

Die wirtschaftssoziologischen Spezialisierungsmodule sollen vertiefte sozialwissenschaftliche Kompetenzen zur Analyse der Wirtschaft und der mit ihr verbundenen sozialen Prozesse vermitteln. Aus einer wirtschaftssoziologischen Perspektive wird davon ausgegangen, dass Wirtschaft eingebettet ist in ökonomische und nicht-ökonomische Institutionen, in soziale Kontrollmechanismenund kulturelle wie auch soziale Strukturen. Die Wirtschaftssoziologie untersucht somit sowohl die Kerninstitutionen der Wirtschaft wie auch die Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und anderen gesellschaftlichen Bereichen. Als 'New Economic Sociology' hat sie seit der Mitte der 1980er Jahre einen starken Aufschwung erlebt. Sie knüpft in ihren Ansätzen zwar an den ökonomischen Institutionalismus an, grenzt sich aber in zentralen Grundannahmen ab. Dazu gehört, die soziale Konstruktion des Ökonomischen hervorzuheben, z.B. eigene Rationalitätskonzepte zu entwickeln und die Einbettung ökonomischen Handelns in soziale Strukturen zu betonen. Auf diese Weise sind in den letzten Jahren prominente neue Forschungsfelder entstanden, die sich vor allem aus netzwerktheoretischen (z.B. Granovetter), kultursoziologischen (DiMaggio, u.a.) und organisationstheoretischen (Fligstein, Dobbin, u.a.) Traditionen herleiten. Studierenden wird eine umfassende Sichtweise auf die Wirtschaft vermittelt. Prozesse der Produktion, Verteilung, Austausch und Konsum knapper Güter und Dienstleistungen sollen umfassend und systematisch verstanden, der Eiinfluss unterschiedlicher institutioneller Arrangements auf Märkte, Unternehmen und außermarktliche Bereiche (international) vergleichend betrachtet werden, um Analysen der Organisationslogiken, Akteure und Interessen innerhalb des Wirtschaftssystems vornehmen zu können.

Darüber hinaus stellt das Modul Fortgeschrittene Gesellschaftsanalyse eine systematische Vertiefung der gegenwärtig relevanten Theorien und Gesellschaftsdiagnosen sicher, zu denen neben makrosoziologischen (Strukturfunktionalismus, Weltsystem) und mikrosoziologischen Ansätzen (symbolischer Interaktionismus, Individualisierung) auch intermediäre Theorien (Poststrukturalismus, Netzwerkgesellschaft) zählen. Im Vordergrund steht der Zusammenhang zwischen gesellschaftlichem Wandel und gesellschaftlicher Selbstbeschreibung, soziologischer Problemwahrnehmung und soziologischer Analyse. Des Weiteren werden aktuelle Themen und Problemfelder gegenwärtiger Gesellschaftsanalysen behandelt (z.B. soziale Ungleichheit, demographischer Wandel, kulturelle Differenz, Globalisierung, etc. im Kontext von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Medien, Migration, Familie). Im Vordergrund steht die Identifikation gesellschaftlicher Probleme als Gegenstand soziologischer Fragestellungen sowie die (kritische) Rekonstruktion ihrer theoretischen und empirischen Bearbeitung.

Das Modul Komplexe Befragungstechniken und Analyseverfahren trägt dem zunehmenden Stellenwert der Methodenkompetenz im sozialwissenschaftlichen Kontext Rechnung. Dazu zählen die Umsetzung von theoretischen Überlegungen in Forschungsdesigns, die Entwicklung von Instrumenten zur Datenerhebung - zu nennen sind hier insbesondere Befragungstechniken -, Methoden der Datenerfassung und -aufbereitung, die Anwendung geeigneter Datenanalyseverfahren, aber auch die kritische Reflektion und Diskussion der verfügbaren Methoden und die Kenntnis ihrer Grenzen. Die hier vermittelte Methodenkompetenzen sollen Studierende bei Planung und Konzeption der Masterarbeit im jeweiligen Hauptfach unterstützen.

Der Masterstudiengang Soziologie (Nebenfach) zeichnet sich demnach durch ergänzende Angebote zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen aus, macht Studierende mit methodischen Verfahren und Innovationen vetraut und erlaubt nach individuellen Vorlieben wählbare Spezialisierungen. Damit erfüllt das Nebenfachangebot die Voraussetzungen einer fachspezifischen Ergänzung und stärkt die auf Grundkenntnissen aufbauende Methodenkompetenz.