Hardy Ostry

Hardy Ostry - Leiter des Nordafrika-Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung

Leiter des Europabüros der Konrad-Adenauer-Stiftung

*1970

Studium der Theologie, Politikwissenschaft und Germanistik an der Universität Trier und in Jerusalem

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Emil-Frank-Institut an der Universität Trier und der Theologischen Fakultät Trier

Seit 2001 zuständig für Internationale Zusammenarbeit der KAS:

2001-2003 in Benin, 2003-2005 in Tunis, 2005 bis 2007 Leiter des Regionalprogramms Nahost/Mittelmeer in Amman und Tunis

2008 bis 2012 Leiter der Afrika/Nahost-Abteilung der KAS in Berlin

2012-2016 Leiter des Nordafrika-Büros der KAS mit Sitz in Tunis

Seit 2017 Leiter des Europabüros der KAS in Brüssel

Botschafter einer demokratischen Ordnung

Alumnus Hardy Ostry leitet das Nordafrika-Auslandsbüro der Adenauer-Stiftung

Herr Ostry, vor einem Jahr ging die ägyptische Justiz gegen ausländische Organisationen, darunter die Konrad Adenauer-Stiftung (KAS), vor. Wie stellt sich die Situation heute für die KAS in der Region Ägypten und Nordafrika dar?
Bedauerlicherweise hat sich durch die Anfang Juni erfolgte Verurteilung unserer Mitarbeiter durch das Gericht in Kairo die Situation verschärft, so dass wir uns große Sorgen um die Sicherheit der Kollegen machen. Nach ersten, vorsichtig positiven Anzeichen, die es von ägyptischer Seite auch gab, hat dieses unerwartete und völlig unbegründete Urteil nicht nur unsere Verhältnis zu Ägypten, sondern auch die zwischenstaatlichen Beziehungen erheblich gestört. Es ist offensichtlich, dass die Revolutionen und Umbrüche in der Region eben nicht automatisch demokratische Verhältnisse geschaffen haben, sondern es auch viele Kräfte gibt, die der Zivilgesellschaft sowie demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien gegenüber feindlich gegenüberstehen. Generell mussten wir mit Blick auf die Region feststellen, dass die Luft für diejenigen, die sich für eine freiheitliche Grundordnung einsetzen, dünner wird. Die restriktiven Gesetzgebungen einiger Länder mit Blick auf nationale Nichtregierungsorganisationen unterstreicht dies nochmals. Wir werden sehen müssen, ob sich dieser Trend fortsetzt. Andererseits wird uns dies als Stiftung nur Ansporn sein, für diese Grundwerte weiter einzutreten. Abschottung wird in der globalisierten Welt auf Dauer nicht funktionieren.

Die KAS wirbt mit dem Slogan „politische Kompetenz weltweit“. Welche Strategie verfolgt die Stiftung mit dieser globalen Präsenz?
Unsere Strategie ist eigentlich ganz einfach: Wir bieten unsere Erfahrung, unser Wissen und unsere Expertise aus den Bereichen Politik, Rechtsstaat, Politischer Bildung und Sozialer Marktwirtschaft denen an, die uns gegenüber als Partner dies zum Ausdruck bringen. Und das ist eine ganz entscheidende Grundlage: Wir drängen uns nicht auf, sondern arbeiten als Partner auf der Basis gemeinsamer Werte und Überzeugungen zusammen. Die Probleme unserer Zeit sind eben kaum mehr nur lokal oder national zu lösen. Jenseits bi-lateraler Regierungszusammenarbeit kommt gerade den Netzwerken der Politischen Stiftungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eine besondere Bedeutung und ein echter Mehrwert zu, denn aufgrund der Unabhängigkeit der Stiftungen können wir oftmals schneller, direkter und nachhaltiger aktiv werden als andere Akteure. Auf diese Weise mobilisieren wir Ideen und Diskussionen, um Lösungen für aktuelle politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme zu finden.

Wie würden Sie die konkreten Aufgaben der Auslandsbüros beschreiben: Sind Sie Analysten oder Lobbyisten?
Eine gründliche Analyse der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation vor Ort, der sich immer wieder auch schnell ändernden Rahmenbedingungen ist für eine erfolgreiche Arbeit unerlässlich. Insofern sind wir auch Analysten, und aufgrund unserer Nähe zu den Akteuren in den Ländern können wir unser Wissen und unsere Einschätzung auch anderen weiter geben. Aber unsere Arbeit umfasst natürlich weit mehr als das: Im Grunde sind wir Moderatoren, die unsere Partner bei der Umsetzung ihrer Projekte – Konferenzen, Studien, Fortbildungsveranstaltungen, Workshops – unterstützen und begleiten. Es geht darum, auf der Basis gemeinsamer Interessen und Werte Projekte umzusetzen, die geeignet sind, eine demokratische und rechtsstaatliche Ordnung zu schaffen. In diesem Zusammenhang bilden wir Journalisten fort, führen Trainings für Vertreter der Zivilgesellschaft durch, ermutigen Jungunternehmer ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen und begleiten junge Vertreter politischer Parteien, bei den Umwälzungen und Umbrüchen in ihrem Land selber gestaltend mitzuwirken. Gerade die Gesellschaften der Länder der Region, die über Jahrzehnte von autokratischen Regimen beherrscht wurden und von echter Teilhabe nahezu ausgeschlossen waren, entwickeln ja gerade erst eine lebendige und vielfältige Zivilgesellschaft und eine partizipative Kultur. In unserer Arbeit verbinden sich daher viele Aspekte, und wenn Sie so wollen, sind wir auch „Lobbyisten“ – im besten Sinne des Wortes.

Agieren Sie als Leiter der Auslandsbüros Tunesien/Algerien/Libyen verstärkt vor Ort oder von Deutschland aus?
Ein entscheidender Mehrwert unserer Auslandsarbeit ist, dass wir gerade durch unsere Büros und unsere lokalen Mitarbeiter vor Ort präsent sind und auch vor Ort den weitaus größten Teil unserer Projekte umsetzen. Im alltäglichen Kontakt mit unseren Partnern und den Menschen vor Ort lässt sich am ehesten erkennen und sehen, wo Probleme sind und was getan werden muss; und nur auf einer solchen Basis lassen sich meiner Meinung nach auch mittel- bis langfristig Veränderungen bewirken. In Tunesien haben wir eine umfassende Bürostruktur, in Algerien ist eine lokale Mitarbeiterin für uns tätig und für Libyen haben wir hoffnungsvolle Zeichen, auch bald präsent zu sein. Dabei immer wieder auch die Brücke nach Deutschland zu bauen, sei es durch Studien- und Informationsprogramme oder Stipendien für begabte und engagierte Studierende, gehört auch zu unseren Aufgaben und stellt einen echten Mehrwert dar. Dies kommt auch dem gestiegenen Interesse an Deutschland in der Region entgegen. In Tunesien wie in den übrigen Ländern der Region ist man sehr an vertieften Kontakten zu Deutschland auf wirtschaftlicher, politischer wie gesellschaftlicher Ebene interessiert.

Der arabische Frühling und der Mord an dem tunesischen Oppositionspolitiker Chokri Belaid im Februar des Jahres haben Sie in den Medien zu einem begehrten Gesprächspartner gemacht. Haben Sie ein solch massives Interesse zuvor schon an anderer Wirkungsstätte erlebt?
In der Tat war das mediale Interesse an diesem für Tunesien einschneidenden Ereignis sehr groß. Das war einerseits überraschend, hat aber auch gezeigt, wie sehr die Expertise der KAS wie der anderen politischen Stiftungen gefragt ist. Ähnliches habe ich nur im Zusammenhang mit dem Vorgehen der ägyptischen Behörden gegen unser Büro in Kairo Ende des Jahres 2011, Anfang 2012 erlebt, da ich zu dieser Zeit in unserer Zentrale in Berlin für die Region verantwortlich war. Aber es ist natürlich wie so oft bei derartigen Ereignissen: Das Interesse an den weiteren Entwicklungen lässt dann auch wieder schnell nach, obwohl sie genauso prägend und entscheidend sind. Daher ist es auch unser Interesse und unsere Aufgabe, über die Region zu berichten, auch wenn das öffentliche Interesse mal nicht gerade den Schwerpunkt darauf gelenkt hat.

Sie verfassen unter anderem regelmäßig Länderberichte. Wer sind die Empfänger Ihrer Analysen und aus welchen Quellen schöpfen Sie die Informationen?
Die Berichterstattung über aktuelle politische Ereignisse in unseren Einsatzländern gehört mit zu unseren Kernaufgaben. Das wird insbesondere dann von Bedeutung, wenn solche dramatischen Ereignisse wie die Ermordung Choukri Belaids eintreten.  Empfänger unserer Berichte sind neben Abgeordneten Mitarbeiter in den Ministerien, Journalisten in Deutschland, aber auch einfach nur an der Region und der Sache Interessierte, die sich diesbezüglich bei uns melden. Als Informationsquellen dienen uns zum einen natürlich die Medien vor Ort und entsprechende Journalistenkontakte, vor allem aber natürlich auch zahlreiche Kontakte zu Politikern und Wissenschaftlern. Bei der Einschätzung und Bewertung von Ereignissen und Entwicklungen im Land ist darüber hinaus unser Partnernetzwerk von großer Hilfe.  Entscheidend ist dabei natürlich auch, bei aller Nähe die Distanz zu wahren, um sachgerecht werten zu können. „Immer dabei sein, nie dazu gehören“ ist meiner Meinung nach ein wichtiger Leitsatz.

Für diese Länder-Dossiers und einen großen Teil Ihrer Tätigkeit dürften sowohl wissenschaftliche als auch journalistische Kompetenzen erforderlich sein?
Wissenschaftliche Kompetenz und Analysefähigkeit gehören in jedem Falle dazu, eine einigermaßen flinke Feder zu haben, erleichtert es natürlich ungemein. Ich hatte das Glück, hier bereits während meines Studiums als freier Mitarbeiter journalistisch tätig sein zu können. Und die journalistische Ader hilft da sicherlich.

Ihre wissenschaftliche Ausbildung begann mit einem Studium der Theologie, Germanistik und Politikwissenschaft an der Universität Trier und in Jerusalem. Wohin sollte Sie diese ungewöhnliche Fächerkombination ursprünglich bringen?
Eigentlich in eine andere Richtung: Zunächst war ich auf dem Weg, Priester zu werden. Dann habe ich mich jedoch anders entschieden und recht früh die internationale Arbeit der KAS begeisternd gefunden. Mit dem Abschluss der Promotion ergab sich dann die Chance, für die Stiftung nach Westafrika zu gehen.

Wie haben Sie Ihr Studium in Trier in Erinnerung behalten?
In sehr guter Erinnerung. Sowohl die Universität als auch die Theologische Fakultät haben für das Studium wie das Alltagsleben einen sehr angenehmen Rahmen gegeben. Die Übersichtlichkeit hat zudem ein sehr persönliches Verhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden ermöglich, das empfand ich stets als Bereicherung.

Halten Sie noch Kontakt zur Universität oder dem Emil-Frank-Institut?
Ja, ich bin mit dem Emil-Frank-Institut nach wie vor eng verbunden.

Welche Tipps würden Sie Studierenden mitgeben, die einen ähnlichen Berufsweg einschlagen wollen wie Sie?
Mein Ratschlag wäre, sich frühzeitig durch Praktika im internationalen Bereich umzusehen und vor allem sich breit aufzustellen.

Das Interview ist erschienen im Unijournal 2/2013.