Seminare, Vorlesungen und mehr

Fachwissen wird in unterschiedlichen Veranstaltungsformen vermittelt.

In der Vorlesung, der klassischen Veranstaltung der Universität, trägt der Professor oder der Lehrbeauftragte den Lehrstoff vor, die Studierenden machen sich Notizen und arbeiten das behandelte Thema zu Hause nach. Oft werden von Hochschullehrern Übungen als Vertiefungsveranstaltungen zur Vorlesung angeboten, in vielen Fächern wird der Stoff der Vorlesungen in Tutorien besprochen. Diese werden von Studierenden im Hauptstudium geleitet (das in den neuen Studiengängen am ehesten mit dem Masterstudium zu vergleichen wäre); hier kann das Wissen in Übungsaufgaben angewandt und vertieft werden.

In Seminaren werden Lerninhalte gemeinsam von Dozenten und Studierenden erarbeitet. Es gibt dabei Proseminare des Grundstudiums (oder des BA-Studienganges)und (Ober)Seminare im Hauptstudium. In vielen Fächern halten die Studierenden im Seminar Referate, die im Anschluss diskutiert werden.

Kernfach, Hauptfach, Nebenfach

Kernfach (KF) ist definiert als Haupt- oder Schwerpunktfach eines Studiums. Es hat den doppelten Umfang eines Nebenfachs (NF). In einem Kernfach-Studiengang entfallen 120 Leistungspunkte auf das Kernfach, 60 auf das Nebenfach.

Was das Kernfach in unseren Studiengängen von einem herkömmlichen Hauptfach (HF) unterscheidet, ist, dass darin zwei Fächer interdisziplinär studiert werden. Man bezeichnet diese Fächer allerdings nicht als 1. und 2. Hauptfach, sondern als Wahlpflichtbereich (WPB) I und Wahlpflichtbereich II. Auf jeden dieser beiden Bereiche (= Fächer) entfallen je 60 Leistungspunkte, zusammen also 120 LP.

Die Stelle eines Nebenfachs nimmt ein Pflichtbereich (PB) als dritter, wichtigster, praxisorientierter und für alle Studierenden (unabhängig von der Wahl des WPB) verbindlicher Bestandteil des Studiums ein, der ebenfalls mit 60 LP zu Buche schlägt.

Während der ersten vier Semester des BA-Studiums werden die beiden WPB gleichwertig studiert. Erst zum 5. Semester muss man sich definitiv entschieden haben, welchen Schwerpunkt man für seinen Abschluss wählen möchte. Das gewählte Schwerpunktfach wird zum WPB I, also praktisch zum 1. Hauptfach. Zu einem Thema dieses Hauptfachs wird dann auch die Abschlussarbeit geschrieben, deren eigentliche Anfertigung (eine Pflichtleistung) natürlich im PB angerechnet wird (Praxisbezug!).

Module

Die BA-Studiengänge sind alle modularisiert. Bei den Modulen handelt es sich um Einheiten, die das Studium stärker nach Inhalten als nach Zeiträumen gliedern: Ein Modul kann sich auch über mehrere Semester erstrecken. 

Jedes Modul wird mit einer Prüfung abgeschlossen, die sich auf die Inhalte der Lehrveranstaltungen bezieht, die das Modul bilden. Die Noten der Modulprüfungen gehen anteilig in die Abschlussnote ein und ersetzen die herkömmlichen Zwischen- und Abschlussprüfungen.

Die Gesamtnote setzt sich somit aus den entsprechend den Leistungspunkten gewichteten Noten der einzelnen Modulprüfungen und der Note der Abschlussarbeit zusammen. 

Leistungspunkte (LP; Credit Points, ECTS)

Mit ECTS-Punkten, auch „Credit-Punkte“ oder kurz „LP“ genannt, werden nicht qualitativ-bewertende Noten vergeben, sondern damit wird die geleistete Stundenanzahl ausgedrückt. Sie bilden die Grundlage des ECTS-Systems. Die Leistungspunkte sind eine Maßeinheit für die erwartete studentische Arbeitsbelastung, den „Workload“, und werden Modulen, den thematischen Veranstaltungsblöcken, zugeordnet. Mit Leistungspunkten wird der zeitliche Arbeitsaufwand in Relation zu den Lernzielen eines Studiengang-Moduls gesetzt.

"Nur für bestandene Module werden Leistungspunkte vergeben. Ein Leistungspunkt (LP) ist das Maß für den studentischen Arbeitsaufwand (student workload), der benötigt wird, um das Modulziel zu erreichen. Dies umfasst u. a. die Präsenzzeit in der Lehrveranstaltung, den Arbeitsaufwand für die Vor- und Nachbereitung einer Veranstaltung und die Vorbereitung für die Prüfungen. Dabei entsprechen 30 Stunden Arbeitszeit einem Leistungspunkt. Die Vergabe der Leistungspunkte ist dabei unabhängig von der Benotung der erbrachten Studien- bzw. Prüfungsleistung. Die Noten werden separat ausgewiesen, die Leistungspunkte geben nur die Gewichtung wieder.
Pro Studienjahr sollen 60 Leistungspunkte erworben werden, pro Semester ca. 30 LP. Damit umfasst ein dreijähriger Bachelorstudiengang 180 Leistungspunkte, ein zweijähriger Masterstudiengang 120 Leistungspunkte. Diese müssen erreicht werden, um das Studium erfolgreich abzuschließen." (Quelle

Workload (Arbeitsbelastung)

Weil ein Leistungspunkt 30 Stunden Arbeitslast bedeutet, muss man für 180 Leistungspunkte 5400 Stunden Arbeit leisten:

"Wenn gemäß ECTS 900 Stunden Arbeit pro Semester ausschließlich im Semester erbracht werden sollen, ergibt sich eine wöchentliche Belastung von 900 / 15 = 60 Stunden! Soll die wöchentliche Belastung auf ein "normales Arbeitnehmermaß" zurückgefahren werden, müsste diese auf 900 / 40 = 22,5 Wochen verteilt werden. Pro Jahr wären das 45 Wochen. "Ferien" wären dann nur noch 7 Wochen im Jahr, es ergäben sich also Verhältnisse, die einem typischen Arbeitnehmerdasein ähnlich sind. Hier ist noch die Aufgabe zu lösen, zwischen dem Wunsch der Studenten, einerseits im Semester weniger "Stress" zu haben, andererseits die Semesterferien in ihrer heutigen Länge möglichst zu erhalten, die richtige Balance zu finden." (Quelle)