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Das Lapidarium in St. Matthias - Spuren eines veränderten Formwillens

Studierende des Faches Kunstgeschichte der Universität Trier archivieren, datieren und ordnen historische Artefakte ein

Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung zur Restaurierung des Kreuzgangs des Benediktinerklosters St. Matthias in Trier (Leitung Winfried Weber, Archäologe der Erzdiözese Trier, und Ignatius Maaß, Abt des Klosters St. Matthias) rückte ein bisher kaum genutztes Lapidarium ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Dieses Lapidarium, zur Zeit betreut durch den 82-jährigen Bruder Valerius Boesen, der über beträchtliche Kenntnisse der Überformungen des Klosters und seiner Gebäude verfügt, wurde von der Forschung bisher noch nicht ausreichend thematisiert. Die bisherige Forschung nutzte es nur sporadisch. 
Das Lapidarium wurde im Zusammenhang früherer Untersuchungen demnach mit jeweils klaren Einzelfragestellungen und niemals in Gänze durchgesehen, weshalb angesichts seines großen Umfangs die Annahme gerechtfertigt erschien, von der bisherigen Forschung lediglich deutlich begrenzte Ergebnisse erwarten zu können. Aus diesem Grunde wurde das Lapidarium mit Zustimmung des Abtes Ignatius Maaß erneut auf seinen potentiellen Wert für die Baugeschichte der Abtei im Rahmen einer Anschubfinanzierung des Historisch-Kulturwissenschaftlichen Forschungszentrums der Universität Trier (HKFZ) im Rahmen einiger Seminare untersucht, die von Gottfried Kerscher sowie Anika Molter und zeitweise Peter Pfeiffer geleitet wurden. Dabei wurde zunächst eruiert, in welchem Umfang die hier gesammelten Objekte inventarisiert und die Verfügbarmachung für Öffentlichkeit und Forschung sinnvoll sei. Das positive Ergebnis dieser Teiluntersuchung mündete im Beschluss einer Inventarisierung und Online-Veröffentlichung, welche die beste Möglichkeit auf breite Vermittlung der Forschungsergebnisse bietet.

Parallel dazu sollen die Ergebnisse im Rahmen der geplanten Konservierung oder Restaurierung des Klosterkreuzgangs mit den Befunduntersuchungen des Bauforschers und Archäologen Georg Breitner (Rheinisches Landesmuseum Trier, RLMT) verknüpft  und den an der Restaurierung des Kreuzgangs beteiligten Firmen und Personen sowie der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Die Baugeschichte der Gebäude der Abtei wurde bis dato nicht in dem für sie erforderlichen Maße erforscht. Dies gilt trotz der bisherigen Forschungen sowie der aufwändigen und auf hohem Niveau stattgefundenen Befunduntersuchung seitens Georg Breitners im Kreuzgang. Ebenfalls im Kreuzgang wurde 2014 nochmals gegraben; die Grabungsergebnisse stehen noch aus. Dennoch soll bald eine formgeschichtliche Untersuchung folgen (Nikolaus Irsch prägte hierfür den Begriff einer Trierisch-Lothringischen Bautengruppe), so dass zu hoffen ist, dass mit der statischen Sicherung und der geplanten Restaurierung bald auch neue Forschungsergebnisse zu erwarten sind. 

Das Lapidarium umfasst aus dem Verband herausgenommene und nicht wiederverwendete Steine, Dekor, Bauschmuck und Figuren. Diese Objekte geben Aufschluss über die früheren mittelalterlichen Bauphasen, den antiken Bestand, die Restaurierungen, die Überformungen sowie Änderungen konstruktiver und formaler Natur und ermöglichen daher wichtige Rückschlüsse auf die Baugeschichte der Abtei. Darüber hinaus reflektieren sie ein Wissen um die negierten Phasen der Dekoration und des Bauschmucks, der Ikonographie und nicht zuletzt der Ästhetik des Klosters sowie seiner Gebäude. Sie bergen eine Art Wissensraum und sind Ausdruck eines verändernden Formwillens, der dem Monument gegenübersteht und sich durch die Entnahme von Artefakten darstellt. Die Ergebnisse des Projektes, deren Nutzung für die Wissenschaft und die Öffentlichkeit durch die frei zugängliche vollständige Datenbank lapidat.uni-trier.de gewährleistet wird, können und werden unmittelbar zur Unterstützung der aktuellen Restaurierungsarbeiten beitragen, ebenso wie sie un-ter dem Aspekt der Nachhaltigkeit kommenden Forschergenerationen bei der Schließung von "blinden Flecken" in der Baugeschichte des Klosters wie auch der Stadt Trier selbst von unabdingbaren Wert sein werden.