Studieninhalte

Allgemeines

Die Professur Ethnologie vermittelt ethnologische Basiskompetenzen, wie sie auch an anderen ethnologischen Instituten im deutschsprachigen Raum angeboten werden. Allerdings bietet sie aufgrund der dünnen Personaldecke (1 Professur, 1 Mitarbeiterstelle) keinen eigenen BA/MA-Abschlüsse an. Wenn Sie ein BA-Abschluss interessiert, erkundigen Sie sich frühzeitig über Voraussetzungen eines Studienortwechsels, oder die notwendigen Voraussetzungen für einen Aufbaustudiengang (MA) mit ethnologischem Schwerpunkt an einem anderen Studienort. Mit genügend im Fach Ethnologie gesammelten ECTS-Punkten ist ein solcher Wechsel grundsätzlich möglich.

Die Ethnologie in Trier zeichnet sich durch ihren Schwerpunkt auf interdisziplinär angelegte und praxisorientierte Seminare/Vorlesungen aus. Insbesondere die Felder: - Kultur & Entwicklung/Entwicklungsethnologie, - Kultur & Organisation/Organisationsethnologie - Medienethnologie/Ethnologie & Öffentlichkeit - interkulturelle Kommunikation  werden turnusmäßig angeboten. Thematisch stehen - Religionsethnologie - Wirtschafts-/Sozialethnologie - und Politik-/Rechtsethnologie im Zentrum. Regionale Bezüge werden in den Veranstaltungen durch persönliche Erfahrungen der Dozenten häufig zu Afrika und Südasien hergestellt.

Curricularer Aufbau ethnologischer Veranstaltungen

Im Sinne einer berechenbaren Studienplanung ist die Ethnologie bemüht, im Rahmen ihrer begrenzten Kapazitäten ein regelhaftes Curriculum über 6 Semester anzubieten. In der folgenden Curriculumsübersicht sehen Sie das ethnologische Studienangebot in einer tabellarischen Übersicht (beginnend mit dem WS 09/10). Kleinere Abweichungen müssen in den ersten Semestern noch in Kauf genommen werden. 

Lehrkonzept

Ethnologische Basisausbildung: Das Lehrprofil der Ethnologie orientiert sich in den nächsten Jahren zum einen an den neuen BA- und MA-Studiengängen der Soziologie und Sozialwissenschaften, in die sie schon jetzt ausgezeichnet integriert ist. Sie steht für eine kulturvergleichende (komparative) Erweiterung der soziologischen Perspektive auf Gesellschaft in internationalen und interkulturellen Zusammenhängen.

Das Fach Ethnologie vermittelt auch ethnologische Kernkompetenzen („minima ethnologia“) als Nebenfach in bisherigen Magister- und Diplomstudiengängen und in ausgesuchten sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlichen BA/MA-Studiengängen und ergänzt dort das vorhandene Lehrangebot. Diese Kernkompetenzen umfassen neben der jährlich im Wintersemester angebotenen Einführungsvorlesung zur Kulturanthropologie die klassischen Felder:

  • Wirtschafts- und Sozialethnologie,
  • Religionsethnologie
  • Politik- und Rechtsethnologie

Schwerpunkt Praxis: Im Fach Ethnologie soll in den nächsten Jahren eine praxisorientierter Lehrschwerpunkt etabliert werden, wie er in Deutschland so bisher nicht vermittelt wird. Dazu wird im Wesentlichen auf drei thematische Felder fokussiert, die im Turnus von sechs Semestern im Rahmen der BA- und MA-Studiengänge angeboten werden.

  1. Kultur und Entwicklung/kulturelle Vielfalt (Schwerpunkt Entwicklungsethnologie im BA Soziologie und Sozialwissenschaften, Ethnologie der Entwicklung und kulturelle Vielfalt im MA) in Modulkooperation mit der Juniorprofessur für Entwicklungssoziologie (Prof. Reuter) und der Professur für Bildung und Kultur (Nachfolge Prof. Hahn) siehe auch: www.kulturglossar.de
  2. Kultur und Organisation/Diversity in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Wirtschaftssoziologie (Nachfolge: Prof. Hamm) und externen „practicing anthropologists“
  3. Kultur und Medien/Public anthropology in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Absatz, Markt, Konsum

Empirie:  In der Ethnografie liegt der Schwerpunkt auf der Untersuchung großer Fragestellungen in kleinen Zusammenhängen („large issues in small places“, Eriksen). Die Professur Ethnologie vermittelt deshalb in – in Kooperation mit der allgemeinen Soziologie (Dr. Vogelgesang) – insbesondere folgende Methoden:

  • Teilnehmende Beobachtung und ethnografische Feldforschung
  • Partizipative Methoden /Partizipative Netzwerkanalyse / Methodentriangulation (in Koop. mit der Summerschool des Landesexzellenzclusters zur Sozialen Netzwerkanalyse und mithilfe des Softwaretools VennMaker.
  • Qualitative Methoden /grounded theory

Praxisbezogenes Studienprojekt (PBSP): Hinsichtlich einer Vertiefung der Praxismodule bzw. in Vorbereitung auf die Abschlussarbeit werden nach Möglichkeit alle vier Semester Feldpraxisaufenthalte angeboten. Dies kann in Form eines PBSP geschehen oder im Rahmen einer von der Ethnologie alle zwei Jahre angebotenen Feldexkursion, die interessierte Studierende wahlweise in die Trierer Lokalkultur (Winzerkultur; Trierer Dienstleistungskultur; lokale Institutionen) oder an klassische ethnologische Feldforschungsorte führen wird (Westafrika; Südindien; Zentralasien).

Interdisziplinäres Studium

Ethnologie ist in Trier seit dem WS 1982/83 universitäres Lehrfach. Ethnologie kann noch bis 2011 in Magisterstudiengängen und einigen wenigen Diplomstudiengängen fertig studiert werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit der Promotion für Studierende mit abgeschlossenem Hauptstudium. Seit WS 2009 wird Ethnologie in den modularen BA-Studiengängen Soziologie und Sozialwissenschaften angeboten. Daneben deckt sie zukünftig Lehrangebot in weiteren ausgewählten BA- und MA-Studiengängen ab.

Studienabschlüsse und Studiengänge

Derzeit belegen noch etwa 180 Studierende (Stand WS 2009/10) Ethnologie im Nebenfach - mit abnehmender Tendenz. Daneben deckt die Ethnologie in den Soziologiemodulen "Strukturen und Kulturen" sowie "Kulturen und Gesellschaften" ein breites Lehrangebot ab. Durch Akreditierungsabkommen mit der Psychologie und evtl. weiteren Bas und MAs dürfte die Lehrkapazität in Zukunft weiter zunehmen.

Für Studierende mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium (Diplom / Magister in Ethnologie) besteht die Möglichkeit zur Promotion in Ethnologie. Soweit nicht weitere Vereinbarungen getroffen werden, richten sich Leistungen und formale Prüfungsanforderungen nach den Studien- und Prüfungsordnungen der gewählten Studienabschlüsse. 

Formale Voraussetzungen

Es bestehen die Zulassungsbeschränkungen der jeweils von der Ethnologie bespielten BA/MA-Studiengänge. Wenden Sie sich an den jeweiligen Studienberater. Abgesehen von den Voraussetzungen für die Einschreibung erfordert das Studium der Ethnologie gute Lesekenntnisse in der englischen Sprache, da ca. 2/3 der Fachliteratur in dieser Sprache erscheinen. Ohne gute Englischkenntnisse sollte auf einen Besuch ethnologischer Seminarveranstaltungen verzichtet werden. Darüber hinaus wird bei einer regionalen Spezialisierung der Erwerb von Grundkenntnissen in außereuropäischen Sprachen empfohlen. Da die Grundlage ethnologischen Erkennens die Übersetzung fremder Kulturen ist, sind auch überdurchschnittliche muttersprachliche Fähigkeiten, insbesondere die Fähigkeit zu subtiler sprachlicher Differenzierung erforderlich.

Persönliche Voraussetzungen

Da die Grundlage ethnologischen Erkennens die Übersetzung fremder Kulturen ist, sind überdurchschnittliche muttersprachliche Fähigkeiten, insbesondere die Fähigkeit zu subtiler sprachlicher Differenzierung erforderlich. Wer hier aus Unfähigkeit oder Ungeduld ungenau arbeitet, trägt zur eurozentrischen Gleichmacherei aller Kulturen und zum interkulturellen Aneinander-Vorbeireden bei.

Gute Englischkenntnisse sind unerläßlich und werden in der Lehre als gegeben vorausgesetzt, denn der größte Teil der ethnologischen Literatur ist in Englisch geschrieben.

Die Bereitschaft, auf andere Kulturen einzugehen, selbst wenn dies liebgewonnene Vorstellungen und Werte in Frage stellt ist auch für Studierende der Ethnologie im Nebenfach sehr wünschenswert. Diese Bereitschaft wird nicht nur durch Geringschätzung und Herabsetzung des Fremden, sondern auch durch dessen kritiklose Verherrlichung untergraben, denn die letztere ist gewöhnlich nicht mehr als die aus der Verdrossenheit mit der eigenen Kultur geborene Projektion eigener Wunschvorstellungen von Kultur und Gesellschaft auf "die anderen", beispielsweise die ,,Naturvölker". Diese werden mit anderen Worten zu Gegenbildern der eigenen Gesellschaft gefälscht und in ihrem Eigenen mißachtet eine Art vermummter kultureller Imperialismus.
Da es keine deutschsprachigen Standardlehrbücher der Ethnologie gibt, ist die Fähigkeit und Bereitschaft, sich ethnologische Themen anhand einer relativ breit gestreuten Literatur selbständig und kritisch zu erarbeiten, eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Ethnologiestudium. Wie die Erfahrung zeigt, schätzen viele Studierende der Ethnologie im Nebenfach die vor ihnen liegende Aufgabe falsch ein, weil sie meinen, Ethnologie sei nur eine Fortsetzung der verbreiteten Dritte-Welt-Folklore, oder sie sei so nahe mit ihrem Hauptfach verwandt, (zum Beispiel Wirtschaftsethnologie mit Volkswirtschaftslehre: regionale Ethnologie mit Geographie), daß nur noch etwas exotische Information dazukommen müsse. Beides ist ein gravierender Irrtum.

Ziel und Inhalt des Studiums

Die Studierenden sollen Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben, die sie in die Lage versetzen, die vielschichtigen Wechselwirkungen zwischen sozioökonomischen und soziokulturellen Aspekten zu erkennen und in ihrer späteren beruflichen Arbeit zu berücksichtigen. Durch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit fremdkulturellen Zusammenhängen soll ein Überblick über die Bandbreite kulturell geprägten Verhaltens geschaffen, eine Reflexion eigener Wertsysteme angeregt und soziokulturelle Kompetenz für eine handlungskompetente Tätigkeit in unterschiedlichen kulturellen Kontexten aufgebaut.

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Tätigkeitsfelder und Beschäftigungsaussichten

Die herkömmlichen Berufsaussichten für Ethnologen bestehen in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland im Bereich der Lehre und Forschung an Universitäten und völkerkundlichen Museen. Die vorhandenen Stellen stehen allerdings in keinem Verhältnis zur Zahl der Studierenden, die derzeit im Hauptfach Ethnologie studieren.

Um die ohnehin nicht zahlreichen Stellen in Institutionen und Organisationen der Entwicklungspolitik und Entwicklungshilfe konkurrieren die Ethnologen mit Absolventen anderer Disziplinen. Im allgemeinen sind "Nur-Ethnologen" schwer zu vermitteln, insbesondere wenn sie sich während ihres Studiums und ihren Abschlußarbeiten mit wenig praxisorientierten Fragestellungen beschäftigt und dies auch noch mit einer entsprechenden Fächerkombination unterstrichen haben. Alle, die eine berufliche Tätigkeit auf den genannten Gebieten in Betracht ziehen, sollten die an der Universität Trier gebotenen Möglichkeiten für eine praxisnähere und interdisziplinäre Gestaltung des Ethnologiestudiums voll ausnutzen.

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