Keynote-Vortrag

Prof. Dr. Michael Schneider

Universität Trier, Pädagogische Psychologie

 

"Konzeptwandel als Problem und als Chance naturwissenschaftlichen Unterrichts"

Das Vorwissen der Lernenden gilt als eine der wichtigsten Determinanten des Unterrichtserfolgs. Vorwissen kann nachfolgendes Lernen erleichtern, aber manchmal auch erschweren. Letzteres ist immer dann der Fall, wenn die subjektiven Theorien im Vorwissen der Lernenden inkompatibel mit neuen Lerninhalten sind, sodass der Erwerb neuen Wissens zugleich die Umstrukturierung des Vorwissens erfordert. Dieser sog. Konzeptwandel gilt als eine der Hauptschwierigkeiten von Lernenden im naturwissenschaftlichen Unterricht. Der Vortrag beschreibt neuere Entwicklungen in der internationalen Konzeptwandelforschung und ihre Implikationen für Unterrichtsqualität und Unterrichtsgestaltung. Die Befunde legen nahe, dass ein lehrergesteuerter aber schülerzentrierter Unterricht die beste Möglichkeit ist, um Lernende zu individueller Wissenskonstruktion anzuregen ohne dabei die gemeinsamen Lernziele aus dem Auge zu verlieren. Wichtige Hilfsmittel dabei sind Wissensexplikation, unterrichtsbegleitende Wissensdiagnostik (formatives Assessment), Analogien, Diagramme und physische Modelle.

 

Michael Schneider ist Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität Trier. In seinen Studien untersucht er, wie der Aufbau von Wissensstrukturen zum Erwerb von Kompetenz und Expertise beiträgt.

Zu seinen Forschungsinteressen zählen naturwissenschaftliches Lernen durch Konzeptwandel, die Entwicklung flexibler mathematischen Lösungsstrategien, Beziehungen zwischen konzeptuellem und prozeduralem Wissen beim Lernen sowie die mentale Repräsentation numerischer Größen. In seiner Forschung setzt er ein breites Repertoire von Methoden zur Erhebung und Auswertung von empirischen Daten ein. Er ist Mitglied der Editorial Boards von Learning and Instruction and Frontline Learning Research, und Gutachter für internationale Fachzeitschriften und Forschungsorganisationen.

Michael Schneider promovierte 2006 am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin, gefolgt von Postdoc-Aufenthalten bei Elsbeth Stern an der ETH Zürich, Schweiz, und Robert S. Siegler an der Carnegie Mellon University, Pittsburgh, USA, bevor er 2011 die Leitung der Arbeitsgruppe für Pädagogische Psychologie an der Universität Trier übernahm.