Annegret Kramp-Karrenbauer

Ministerpräsidentin des Saarlandes

*1962 in Völklingen

1984 - 1990 Magister-Studium der Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft an den Universitäten in Saarbrücken und Trier

seit 1981 Mitglied der CDU

seit 1999 Abgeordnete im saarländischen Landtag

im Jahr 2000 wurde sie erste Innenministerin Deutschlands

2000 - 2011 wechselnde Ministerämter im Saarland

seit 2011 erste Ministerpräsidentin des Saarlandes

 

 

„Ich habe keine Karriere geplant“

Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer studierte in Trier Jura und Politik

Ihre Studienfächer Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft vermitteln den Eindruck einer gezielten Berufsvorbereitung auf eine politische Karriere. So zielgerichtet wie dasStudium, das sie in Saarbrücken und an der Universität Trier absolvierte, und der schnelle Aufstieg in Partei und Landespolitik vermuten lassen, konzipierte Annegret Kramp-Karrenbauer ihre Berufsplanung aber nicht. Hätte ihr die „Lehrerschwemme“ nicht den Weg ins Lehramt verbaut, würde sie heute möglicherweise vor einer Schulklasse statt dem saarländischen Landtag reden. In jungen Jahren auf kommunaler Ebene in die Politik eingestiegen, nahm ihre Karriere eine rasante Fahrt auf. Als erste saarländische Ministerpräsidentin ist sie auch in der Bundespolitik gefragt und gut vernetzt.

Frau Kramp-Karrenbauer, die Homepage der saarländischen CDU beschreibt Sie als eine „Saarländerin aus Überzeugung“. So gesehen: War die Zeit an der Uni Trier für Sie ein gefühltes Auslandsstudium?

Nein. Dazu gab es dort zu viele saarländische Mitstudenten.

Was auf der Homepage ebenfalls über Sie zulesen ist: „Sie ist nah an den Menschen dran und kennt ihre Sorgen und Nöte.“ Wie leben Sie diese Bürgernähe im politischen Geschäft und im privaten Alltag?

Bürgernähe ist kein künstliches Konzept. Entweder man ist es oder nicht. Ich lebe ein völlig normales Privatleben wie jeder andere auch – mit Einkauf im örtlichen Supermarkt, Sport treiben etc. Die Staatskanzlei steht den Menschen offen, sei es in Bürgersprechstunden bei mir oder durch den Saarland-Dialog in jedem Landkreis.

Über Sorgen und Nöte finanzieller Natur klagen jetzt auch die Hochschulen in Ihrem Bundesland. Wird die Enttäuschung auf Hochschulseite dadurch gesteigert, dass Sie saarländische Bildungsministerin und Vorsitzende der Kultusministerkonferenz waren – mithin die Probleme der Hochschulen bestens kennen?

Die saarländische Landesregierung garantiert den Hochschulen im Land bis 2020 einen festen Haushalt. Das ist für ein Haushaltsnotlageland ein enormer Kraftakt und wenn man Entwicklungen in anderen Bundesländern sieht keine Selbstverständlichkeit. Die Hochschulen haben Planungssicherheit. Das ist ein großes Pfund, was auch nicht bestritten wird.

Wie schätzen Sie die Ausstattung und Leistungsfähigkeit der Hochschulen bundesweit ein?

Wir haben im Koalitionsvertrag auf Bundesebeneja vereinbart, dass der Bund sich zu den Länderngerade auch in der Grundfinanzierung der Hochschulen engagieren wird. Hier ist die gemeinsame Kraftanstrengung von Bund und den Ländern absolut notwendig.

Ihre Vita liest sich wie eine zielstrebige Karriereplanung: Mit 19 CDU-Mitglied, drei Jahrespäter Stadträtin, Beigeordnete, mit 36 Jahren Bundestagsabgeordnete, dann Landtagsmitglied und Ministerin. Hatten Sie nie einen anderen Berufswunsch als Politikerin?

Wenn ich kein Abitur gemacht hätte, wäre ich Hebamme geworden. Und nach dem Abitur wollte ich eigentlich Lehrerin werden. Damals gab es aber eine ‚Lehrerschwemme‘. Also deshalb Politikwissenschaft. Im Übrigen habe ich keine Karriere geplant. Viele glückliche Zufälle haben mir dabei geholfen.

Was fasziniert Sie an Politik?

Etwas gestalten und Probleme lösen zu können in einem sehr komplexen Umfeld.

Sie haben sich schon während Ihres Studiums kommunalpolitisch engagiert. Hat Ihnen das Studium konkrete Anregungen oder Hilfestellungen für Ihre Arbeit als Stadträtin geliefert?

Es hat mir die Grundlage für selbstständiges Arbeiten und das Erarbeiten von Themen gegeben. Und die Erkenntnis, dass politikwissenschaftlicheTheorie nicht immer mit politischer Praxis übereinstimmt.

Haben Sie sich durch das Studium gut auf Ihrepolitische Karriere vorbereitet gefühlt?

Im oben beschriebenen Sinne: Ja.

Von welchem Ihrer beiden Studienfächer – Politikwissenschaft oder Öffentliches Recht – profi-tieren Sie im Berufsalltag mehr?

Von beiden und der damit verbundenen wissenschaftlichen Grundausbildung gleichermaßen.

Das Interview ist erschienen im Unijournal 1/2014.