PD Dr. Bettina Full

Literaturwissenschaft /Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Institut für Romanistik

 

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Institut für Romanistik

Otto-Friedrich-Universität Bamberg

An der Universität 5

D-96047 Bamberg

Tel.: +49-1705352877

 

Projekt: Replik und Innovation. Wortspiele in der italienischen Lyrik des 13. und 14. Jahrhunderts

In der frühen italienischen Lyrik sind Wortspiele in unterschiedlichen Facetten prä­­­­sent: Zitiert und in poetologischer Absicht ver­wan­delt werden lateinische Be­grif­­fe mit christlicher Semantik (beatitudo, mira­bi­le), Wörter ludistisch ze­r­­legt und neu kombiniert (a-mor(te), viso, di-viso). Reime zwingen Konzepte zusammen, die sich dadurch wechselseitig relativieren (sillogismo / sofismo). Neue Bedeutungs­dimen­sio­nen werden ge­schaf­­­fen, deren reflexives Potential im intertextuellen Dialog deut­­­lich wird. Die Kom­ple­xität der Wort­spie­­­le, wie sie durch die logisch-dia­lek­ti­sche Struktur des Sonetts befördert wird, ist in So­nett­wech­seln ge­steigert. Das Spiel mit Polysemie und Ambiguität bildet ei­nen Ort des Wett­streits, auch mit der in Theologie und Phi­lo­so­­­­­phie entworfenen Sprach- und Zeichen­theorie. Mit Witz und Kalkül re­flek­­tiert die Lyrik on­to­­lo­gi­sche Modelle der Bedeutungskonstitution wie Analogie oder Allegorie und er­setzt sie durch rhe­to­rische Verfahren der Similarität. Damit erfindet sie ein poe­ti­sches Zeichensystem, dem ei­ne neue Erfahrung des Lesers, der diletto, korrespondiert. Um den zei­chen­­­­­theo­re­ti­schen An­spruch der Wort­spiele zu erfassen, wird das Projekt innovative Ten­den­zen der spätmittelalterlichen Rhe­­­torik und der artes poetriae, die spekula­tive Gram­ma­tik und die scholastische Kritik fi­gu­ra­ti­ver Spra­­che ein­beziehen.

 

Biographie

Nach dem Studium der Romanistik, Klassischen Philologie und Geschichte an den Universitäten Würz­­­burg, Siena und Paris IV war Bettina Full Stipendiatin am Tübinger Graduiertenkolleg Prag­ma­ti­sie­­­rung/ Entpragmatisierung: Literatur als Spannungsfeld autonomer und heteronomer Bestimmungen. 2003 wurde sie an der Universität Tübingen mit der Arbeit Karikatur und Poiesis. Die Ästhetik Charles Bau­delaires promoviert. Als wissenschaftliche Assistentin forschte und unterrichtete sie am Seminar für Klas­si­sche Phi­lo­lo­gie in Heidelberg und am Institut für Romanistik der Universität Bamberg und vertrat Professuren an den Universitäten Münster und Tübingen. 2011 habilitierte sie sich an der Universität Bamberg. In ihrer Habilitationsschrift Passio und Bild. Ästhetische Erfahrung in der italienischen Lyrik des Mittelalters und der Re­naissance untersucht sie die bild- und sprachtheoretischen Grundlagen der Dichtung und deren Be­deu­tung für die zeit­genössische Textrezeption. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Intermedialität, Poetik und Kunsttheorie der Moderne, Ästhetik und Erkenntnistheorie des Mittelalters und der Renaissance sowie die Rezeption der antiken Literatur.

 

Bettina Full ist assoziierte Wissenschaftlerin des Graduiertenkollegs „Literari­sche Form. Geschichte und Kultur ästhetischer Modellbildung“ (GRK 1886/1) sowie Mitglied des Zentrums für Mittelalterstudien (ZeMas) der Universität Bamberg.

 

Publikationen (Auswahl)

Full, Bettina (2005): Karikatur und Poiesis. Die Ästhetik Charles Baudelaires, Heidelberg: Winter.

 

Full, Bettina (2008): „Aphrodite / Venus“, in: Mythenrezeption. Die antike Mythologie in Literatur, Musik und Kunst von den Anfängen bis zur Gegenwart – Der Neue Pauly, Supplementbd. 5, hg. von Maria Moog-Grünewald, Stuttgart: Metzler, 97-114.

 

Full, Bettina (2010): „Allegory“, in: Handbook of Medieval Studies, ed. by Albrecht Classen, 3 vols. New York/ Berlin: de Gruyter 1430-1440.

 

Full, Bettina (2010): „Anamorphosen. Literaturkritik in Prousts ‚Correspondance’“, in: Marcel Proust und die Korrespon­denz, hg. von Karin Westerwelle, Berlin: Insel, 90-122.

 

Full, Bettina (im Druck): „Erkenntniskritik und Dichtungstheorie. Die Poetologie der Liebe in der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Lyrik“, in: Liebessemantik. Frühneuzeitliche Repräsentatio­nen der Liebe in Italien und Frankreich, hg. von Kirsten Dickhaut, Wiesbaden: Harrassowitz, 321-385.

 

Full, Bettina: Passio und Bild. Ästhetische Erfahrung in der italienischen Lyrik des Mittelalters und der Re­naissance, erscheint München: Wilhelm Fink 2014.