DFG-Graduiertenkolleg 1319:

Verbesserung von Normsetzung und Normanwendung im integrierten Umweltschutz durch rechts- und naturwissenschaftliche Kooperation

Cooperation of Science and Jurisprudence in Improving Development and Use of Standards for Environmental Protection – Strategies for Risk Assessment and Management

Eckdaten

Förderperiode: 2006-2015

Sprecher des Graduiertenkollegs: Professor Dr. Reinhard Hendler und Professor Dr. Alexander Proelß

Fachgebiete: Ökotoxikologie / Bodenkunde / Biogeographie / Umweltstrafrecht / Öffentliches Umweltrecht / Umweltprivatrecht

Anzahl beteiligter Doktorandinnen und Doktoranden: 52

Output: 30 fertiggestellte Dissertationen sowie 160 Publikationen (Liste aller Publikationen und der 20 wichtigsten; Stand März 2016).

Zum Graduiertenkolleg:

Untersuchungsgegenstand war der integrierte Umweltschutz. Dessen Grundgedanke besteht darin, im Hinblick auf Umweltbelastungen die einzelnen Medien (Boden, Wasser, Luft) nicht jeweils isoliert in den Blick zu nehmen, sondern als Einheit und in ihren wechselseitigen Beziehungen zu betrachten.

Vor diesem Hintergrund zielte das Forschungsprogramm zum einen darauf ab, im Rahmen einer engen fachübergreifenden rechts- und naturwissenschaftlichen Kooperation Bewertungskriterien für die Konkretisierung unbestimmter Rechtsbegriffe auf dem Gebiet des integrierten Umweltschutzes zu entwickeln. Zum anderen wurden am Beispiel spezifischer Umweltprobleme Verbesserungsvorschläge für eine normtextlich verwendbare umweltrechtliche Begrifflichkeit erarbeitet, die sich aus rechtswissenschaftlicher ebenso wie aus naturwissenschaftlicher Sicht als fachgerecht erweist. Die dafür im Kolleg praktizierte fachübergreifende Kooperation widmete sich im Besonderen ungewisser Risikolagen, etwa hinsichtlich der Verwendung von Nanomaterialien oder des Phänomens invasiver und pathogener Arten. Entwicklungen im Bereich des europäischen und internationalen Rechts wurden in besonderem Maße mit in das Forschungsprogramm einbezogen.

Das Qualifizierungskonzept stellte einen zentralen Bestandteil des Graduiertenkollegs dar, um die Fähigkeiten der Kollegiatinnen und Kollegiaten zur interdisziplinären Kooperation und zu fachübergreifenden Problemlösungen zu verbessern. Durch Überlassung der inhaltlichen Ausgestaltung sowie der eigenverantwortlichen Organisation und Durchführung von Workshops wurde die wissenschaftliche Selbstständigkeit der Promovierenden weiter gefördert. Abgerundet wurde das Qualifizierungskonzept durch spezifisch auf die Bedürfnisse der „fachfremden“ Kollegiatinnen und Kollegiaten zugeschnittene Lehrveranstaltungen, Gastvorträge sowie die Eröffnung der Möglichkeit, Forschungsaufenthalte im In- und Ausland zu absolvieren und an internationalen Konferenzen teilzunehmen.

Die Kollegiatinnen und Kollegiaten bearbeiteten die Forschungsfragen ihrer Dissertationsprojekte primär aus der Perspektive ihrer jeweiligen Disziplin, bezogen dabei jedoch die Erkenntnisse der jeweils anderer Disziplinen in maßgeblichem Umfang mit ein, sei es in Form eigenständiger Kapitel (insbesondere bei kumulativen Promotionen), sei es mittels integrativen Vorgehens oder – insbesondere bei rechtswissenschaftlichen Dissertationen – durch Erarbeitung der empirischen Basis für die untersuchten Rechtsfragen. Auf der Grundlage der engen wechselseitigen thematischen Verzahnung zahlreicher Dissertationsprojekte vermochten die Kollegiatinnen und Kollegiaten gemeinsam mit einzelnen am Kolleg beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mehrere interdisziplinäre Beiträge zu erarbeiten. Der Erfolg dieser Maßnahme lässt sich an diversen interdisziplinären und vielzitierten Veröffentlichungen in hochrangigen Publikationsorgan (Conservation Letters oder Science) festmachen, an denen jeweils ein Großteil der Kollegiatinnen und Kollegiaten beteiligt war.

Viele Dissertationsprojekte wurden durch Kooperationen mit den folgenden Institutionen und Behörden ermöglicht: Forschungsinitiative Rheinland-Pfalz (Projekt „Folgen des Global Change für Bioressourcen, Gesetzgebung und Standardsetzung“); Fraunhofer Institut für biomedizinische Technik in St. Ingbert; Verbund von Kryobanken zur Förderung von Wissenschaft und Forschung in der Kryobiophysik, Kryomedizin & Kryotechnologie sowie Standardisierung von Prozessen (Gemeinschaft Deutscher Kryobanken e. V.); Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Deutschland am Julius-Kühn-Institut in Bernkastel-Kues; Umweltbundesamt (UBA); Bundesamt für Naturschutz (BfN).